Narren lassen sich gemeinsam mit Kretschmann Froschkutteln schmecken

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Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Die Grünen/ Bündnis 90, M), nimmt am Fastnachtsdienstag mit anderen Narren im Rathaus am Froschkuttel-Essen teil. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

„Der Hunger treibt's nei?“ Beim Thema Froschkutteln gilt das zumindest für Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht unbedingt: „Die isst man auch, wenn man keinen Hunger hat“, sagte der Grünen-Politiker am Fastnachtsdienstag in Riedlingen (Kreis Biberach). „So gut sind die.“

Kretschmann nimmt nach eigenen Angaben schon seit Jahrzehnten an der traditionellen Fastnachtsveranstaltung der dortigen Narrenzunft Gole teil. Auch an diesem Dienstag haben sich wieder rund 300 Männer im Rathaussaal versammelt, um sich gemeinsam einen dampfenden Teller Innereien schmecken zu lassen. Das Froschkutteln-Essen hat dabei eine lange Geschichte: Es wird laut der Zunft in diesem Jahr bereits zum 190. Mal veranstaltet.

Immerhin: In dem Gericht ist nicht das, was der Name vermuten lässt. Es handelt sich nicht um Froschinnereien, sondern um eine Mischung unter anderem aus Rinderpansen, Rinderherz, Rinderleber und Rindernieren. Der Name Froschkutteln geht laut Legende darauf zurück, dass sich Riedlingen an der Donau als Storchenstadt versteht und die Leibspeise der Störche Frösche sind.

Frauen müssen bei dem Festmahl übrigens draußen bleiben: Im Saal sind nur Männer erwünscht. Stört sie das? „Überhaupt nicht, sagte eine der Frauen aus der Narrenzunft, die vor dem Saal die Kutteln in Teller schöpfen. Die „Weiber von der Stadt“ hätten vor einiger Zeit einfach ihre eigene Veranstaltung gegründet, bei der ebenfalls Kutteln serviert würden — und bei der die Männer wiederum draußen bleiben müssten.

In all den Jahren hätten bisher auch nur sehr wenige Frauen versucht, in den Männersaal vorzudringen — und besonders weit seien sie alle nicht gekommen, sagte ein Mitglied der Zunft. „Die wurden schon an der Tür abgefangen.“ Kretschmann sieht die Trennung von Männern und Frauen ebenfalls gelassen. „Differenzfeminismus“, nennt er das. „Die Weiber machen eben ihre eigene Fasnet.“

Außerdem gibt es für die Frauen ohnehin eine kleine Genugtuung: Denn während die Männer essen, schließen sie kurzerhand die Türen ab, so dass die Herren das Rathaus vom ersten Stock aus über eine Rutsche verlassen müssen — natürlich unter dem Jubel der Frauen, die in Nachthemden gekleidet und mit zahlreichen weiteren Zuschauern vor dem Gebäude auf sie warten. Später ziehen die Männer dann weiter in eines der Riedlinger Gasthäuser, in dem nach Angaben der Zunft sogar die Fensterläden zugeklappt werden müssen, weil allzu deftige Witze erzählt werden.

Und warum hält Kretschmann — der in Riedlingen ein Internat besuchte - der Narrenzunft und ihrem traditionellen Froschkutteln-Essen seit so vielen Jahren die Treue? „Das ist einfach das Hochamt der Fastnacht“, sagte er. Zudem schmeckten die Kutteln in Riedlingen besonders gut, „weil sie im richtigen Rahmen geschlotzt werden“.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Die Grünen/ Bündnis 90), läuft am Fastnachtsdienstag in einem närrischen Umzug zwischen den "Weibern der Stadt" hindurch. (Foto: dpa)
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