Musikkapellen Zell-Bechingen und Zwiefaltendorf begeistern mit Klassik und Moderne

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Laetitia Barnick

Zu einem stimmungsvollen Jahreskonzert hatten am Samstag, 1. Dezember, die Musikkapellen Zell-Bechingen und Zwiefaltendorf im Bürgerhaus Zell eingeladen. Beide Orchester stimmten nicht nur auf die nahende Weihnachtszeit ein, sondern vermittelten darüber hinaus eine anspruchsvolle Reise quer durch mehrere musikalische Epochen.

Unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Müller bewies die Kapelle Zell-Bechingen (1. Vorsitzender Franz-Michael Ott) gleich zu Anfang des Konzertes ihr Können mit dem schwungvollen „Salemonia“, einer Komposition von Kurt Gäble. Einen weiten Rückblick auf die biblische Geschichte schloss sich mit „König David“ (Georg Stich) an, einem musikalischen Gemälde über den geheimnisumwitterten König von Israel-Juda und der von ihm überführten Bundeslade.

Einen weiteren Höhepunkt dieses Konzertes boten zweifellos einige mittlere Passagen aus der „Carmina Burana“ von Carl Orff, mit der der berühmte Komponist ganz neue musikalische Prinzipien geschaffen hat, indem er – was schwierig zu spielen ist – mehrere Klangräume übereinander schichtete. Mit den Soundtracks aus „Tarzan“ – einem Arrangement von Paul Murtha – und dem Medley „Freetime“ riss die Kapelle das Publikum mit modernen Klängen mit. „Freetime“ wurde übrigens von einem Musiker aus der Region – Ralf Uhl aus Mengen – komponiert und vermittelt das erfrischende Gefühl zu Beginn eines Urlaubs.

Die Trilogie „Domi Adventus“ (Alexander Pfluger) bot zum Abschluss marschähnliche Rhythmen, bevor sich Peter Müller und sein Orchester mit der Zugabe einer Polka temperamentvoll verabschiedeten.

Temperamentvolle Eröffnung

Eine ebenso temperamentvolle Eröffnungskomposition spielte die Musikkapelle Zwiefaltendorf zu Beginn ihres Konzertes unter der Leitung ihres Dirigenten Josef Uhl, deren 1. Vorsitzender Ludwig Schwendele sein 20-Jähriges Amts-Jubiläum feiert. Eine außergewöhnliche Komposition von Satoshi Yagisawa – entstanden auf der anderen Erdhälfte im fernen Thailand – folgte mit „Hunting „Scenes“ eine fernöstlichen Jagd-Komposition. Nicht ohne Kritik an der menschlichen Jagdlust wird in diesem, mit dumpfen Trommelwirbeln beginnenden Meisterstück, die dramatische Hetzjagd auf das hilflose Tier geschildert, welches nach einem respektvollen Moment vor dem Jäger zusammenbricht.

Nach den Ehrungen, moderiert vom Kreisverbandsvorsitzenden Karl Lamp (siehe Kasten) wurde „Abel Tasman“, ein Ehrungsmarsch von Alexander Pfluger gespielt. Darauf folgte ein furioses Finale mit „Voice of the Vikings“ von Michael Geisler. Auch hier bewies das Zwiefaltendorfer Orchester sein perfektes Zusammenspiel in der musikalischen Schilderung der legendären skandinavischen Seefahrer. Bei Rhythmen, die an Meereswogen erinnerten, zogen vor dem geistigen Auge des Publikums die gewaltigen Schlachtschiffe auf, die in ihren grausamen Eroberungskämpfen ganz Europa und Russland mit Plünderungsschlachten überzogen.

Nach diesem emotional aufwühlenden Exkurs verabschiedeten sich auch die Zwiefaltendorfer Musiker mit besinnlicheren Klängen: Ein besonders schwierig zu spielendes Arrangement aus „Maria durch den Dornwald ging“ und „Mach hoch die Tür“. Beide Kapellen hatten an diesem Abend vor dem 1. Advent ein anspruchsvolles, berührendes und in über 3000 Übungsstunden ausgereiftes Programm geboten.

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