Mitmachtheater-Projekt „Heimatkarawane“ knapp an EU-Preis vorbeigeschrammt

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Die Heimatkarawane ist auch schon in Riedlingen aufgetreten, und Riedlinger wirken bei der Theatertruppe mit – hier ein Kennenle
Die Heimatkarawane ist auch schon in Riedlingen aufgetreten, und Riedlinger wirken bei der Theatertruppe mit – hier ein Kennenlernabend im Lichtspielhaus. (Foto: Archiv: Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg e. V.)

Das Amateurtheater-Projekt „Heimatkarawane – wie klingt das Land heute?“ ist schon in sechs Kommunen in der Region aufgetreten: in Riedlingen, Zwiefalten, Hayingen, Hülben, Emerkingen und Sigmaringendorf. Am Freitag stand die Truppe mit fünf anderen aus ganz Europa im Finale des europäischen Amateo Award für Amateurtheater. Dessen Verleihung fand coronabedingt nur als Video-Livestream statt. Zum Sieg – nur der Erstplatzierte bekam den Award, der mit 1000 Euro dotiert ist – reichte es nicht. Aber alleine die Teilnahme und das Erreichen des Finales war ein riesiger Erfolg für das Projekt, war zu hören. 64 Projektträger aus 16 Ländern hatten sich beworben.

Nun freuen sich alle schon darauf, im Herbst im echten Leben wieder aufeinanderzutreffen und gemeinsam interkulturelles Amateur-Theater zu machen. Bis dahin funktioniert die Heimatkarawane weiterhin in digitalen Treffen, zweimal wöchentlich. Das Thema ist immer die Heimat.

Alle, die Lust haben, können kostenlos mitmachen. Nach einem Kennernlernabend – wie einst im Lichtspielhaus Riedlingen – geht es ans Erarbeiten und Proben eines Stücks, das dann öffentlich aufgeführt wird. Die Projektleitung liegt bei Lisanne McDowell. Babette Ulmer ist für den künstlerischen Aspekt zuständig. Träger des Projekts ist der Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg.

Die Heimatkarawane ist ein Projekt der Vereine Stage Divers(e) und Trimum. In Nicht-Corona-Zeiten ziehen zwölf internationale Musiker und Theaterschaffende durchs Land und treten auf. Gemeinsam mit den Menschen an den Aufführungsorten arbeitet das Projektteam an individuellen und interkulturellen Amateur-Theatern. An nur einem Wochenende wird eine andere Definition von Heimat vermittelt. „Heimat“ bedeutet für jeden etwas anderes und bedeutet doch irgendwie dasselbe, meinen die Projektträger. So werden Grenzen durchlässiger: transkulturell, interdisziplinär, interreligiös, vom urbanen in den ländlichen Raum und momentan auch vom dreidimensionalen wirklichen Leben in die digitale Welt.

Gewonnen hat den Amateo Award das Projekt „Social Circus“ aus Griechenland. Diese Organisation gibt jungen Flüchtlingen nicht nur die Chance, sich sportlich zu betätigen und verschiedene Zirkustechniken zu erlernen. Vielmehr geht es darum, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie über sich hinauswachsen können, ganz nach dem Motto „Life is a challenge“ („Das Leben ist eine Herausforderung“). Das Preisgeld soll dazu genutzt werden, den Kindern und Jugendlichen noch mehr Möglichkeiten zu bieten.

Der Amateo Award wurde von Amateo ins Leben gerufen, dem Europäischen Netzwerk für aktive Teilnahme an kulturellen Aktivitäten, und zum dritten Mal verliehen. Das Netzwerk wurde 2008 als multidisziplinäre europäische Organisation im Bereich Kunst und kultureller Aktivitäten gegründet. Es gibt 51 Mitglieder aus 14 EU-Mitgliedstaaten und zwei Programmländern mit Kontakten zu einem Netzwerk regionaler und lokaler Verbände in der Amateurkunst.

Aus Belgien standen die „Fanfakids“ im Finale, eine Band aus Sieben- bis 15-Jährigen, die sich möglichst selbst leiten und organisieren. Die Älteren tragen die Verantwortung gegenüber den Kleineren und wachsen so über sich selbst hinaus.

Das Hand-in-Hand-Tanzprogramm „Biodanza“ in den Niederlanden, ein weiterer Finalist, soll Grundschüler und ältere Demente durch Musik und Tanz Hand in Hand verbinden. So sollen sich Berührungsängste abbauen, und beide Altersgruppen machen eine wertvolle Erfahrung. Ebenfalls in der Endrunde stand das slowenische Projekt „The flock of experienced birds”. Dessen Künstler begleiten Zuschauer während einer mobilen Vorstellung audiovisuell.

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