Malen als Leidenschaft

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 Angehörige der Familie Berger aus Riedlingen bei der Ausstellung: Martina (von links), Lisa und Dr. Jutta Berger mit Sohn Maxim
Angehörige der Familie Berger aus Riedlingen bei der Ausstellung: Martina (von links), Lisa und Dr. Jutta Berger mit Sohn Maximilian. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Bildern von Anton Denzel, wie sie einem vertraut sind, aber auch Arbeiten, die ihn – zum Beispiel in eindrucksvollen Zeichnungen – von einer neuen, vielen bislang unbekannten Seite zeigen, begegnen dem Betrachter bei der Ausstellung „Heimat um den Bussen“ in der Städtischen Galerie in Riedlingen. Am Freitagabend war Eröffnung, musikalisch umrahmt von den Musikschullehrern Marina Lewandowski am Conrad Graf-Flügel und Mikhail Antipov am Cello, „mit Darmsaiten“, wie Winfried Aßfalg angesichts des Hammerflügels aus dem Jahre 1824 zufrieden feststellte.

Nach der Begrüßung der neuen Vorsitzenden des Altertumvereins, Dr. Christa Enderle, und dem Grußwort von Bürgermeister Marcus Schafft, der feststellte, die Ausstellung schenke eine weitere Gelegenheit, „den Spirit von Oberschwaben wahrzunehmen“, erinnerte Aßfalg an den Künstler als „gestrengen Lehrer und späteren Schulleiter“, der über seine Erziehungsarbeit nie das Malen vergessen habe. „Es war sein Elixier, seine Leidenschaft“. Wohl in die Hunderte gehe die Anzahl seiner Bilder. Die in den Zwanziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach seinem Aufzug in Riedlingen entstandenen gehörten mit zu den interessantesten, urteilte er. Hier dürfte sich auch die Neigung zum Tiermaler gefestigt haben als friedvollem Kontrast zu dem grausamen Geschehen an der Kriegsfront. Als Tiermaler habe sich Denzel dann auch einen Namen gemacht. Für ihn sei das Malen keine intellektuelle Herausforderung gewesen, mit der er sich der neuen Kunst nach 1900 angeschlossen habe. „Malen war vielmehr das Medium, um seiner Liebe zu den Tieren und zu seiner Heimat Riedlingen Ausdruck zu verleihen“. Dank anderweitiger finanzieller Absicherung habe er unabhängig von Strömungen arbeiten können.

Kleinformatige Landschaften

Dass er sich auch sakralen Motiven widmete, davon zeuge ein Bild vom Chorgestühl in Zwiefalten, geschaffen von Johann Joseph Christian aus Riedlingen. „Mit großem Gespür, ja fast einer Art Verehrung vor dem genialen Bildhauer nähert sich Denzel der Strahlkraft dieses Gesamtkunstwerkes aus der Zeit um 1750.“ Aßfalg hob weitere Bilder der Ausstellung aus dem Nachlass von Marianne Berger, einer Tochter Denzels hervor: den Pferdemarkt auf dem Viehmarktplatz oder Schafe, die ihrem Hirten in den Stall – hier der Mohrenscheuer – folgen. Diese Motive und „wunderbare, kleinformatige Landschaften rund um den Bussen“ hätten ihm zum Ausstellungstitel „Heimat um den Bussen“ bewogen. Er gab seiner Freude Ausdruck, dass die Söhne Robert und Dieter Berger dem Museum als Schenkung auch die Porträts der Denzel-Eltern und das ihrer Mutter Marianne als Kind überließen, wobei die Frage auftauche, ob es auch ein Selbstporträt von Anton Denzel gebe. Er, so Aßfalg, kenne keines.

Einblick in Denzel auch als Geschäftsmann schenkte ein Briefwechsel zwischen einem Interessenten aus der Schweiz und dem Maler und vor allem auch auf die Nachkriegszeit, wurden doch als Bezahlung zum Teil Lebensmittel angeboten. Seine – von dem Schweizer Kunden monierte - Wahl von Spanplatten statt einer Leinwand für seine Ölbilder begründete Denzel mit dem Hinweis auf alte Bilder. Jene auf Leinwand zeigten Risse, was bei Sperrholzplatten nicht passiere, denn sie könnten sich nicht ausdehnen und zusammenziehen. Grundierte Leinwand zu kaufen und darauf zu malen sei „billiger und einfacher“, doch habe er Interesse an einer längeren Lebensdauer seiner Werke. „Sie wissen ja, wir Schwaben sind gründlich und nicht bequem“.

In einem der Briefe geht Denzel auf den Unfall-Tod einer Katze und zweier Hunde ein, von denen einer den im Krieg gefallenen Sohn bei seinen Einsätzen als Jagdflieger begleitet habe. „Also, ein lebendes Andenken an unseren Jungen“. Nun müsse man sich mit den Bildern „der lieben Tierchen“ begnügen. Er malte sie mehrmals.

Nicht aus der Schenkung, sondern aus einem Ankauf stammt das 1918 entstandene Bild „Nach der Schlacht“ eines Offiziers in zerstörter Landschaft, das ebenfalls zu sehen ist.

Schließlich ging Aßfalg noch auf den Anlass der Ausstellung ein, das Vermächtnis Denzels Tochter Marianne, die 1950 den Riedlinger Arzt Dr. Robert Berger heiratete. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Robert und Dieter, die heute beide als Ärzte tätig sind. Nach dem Tod ihres Mannes 2012 zog sich Marianne Berger sehr zurück, so Aßfalg. Sie starb 2017 im Alter von 92 Jahren. Davor hatte sie verfügt, bei Verzicht ihrer Nachkommen auf die Bilder, sie der Stadt Riedlingen zukommen zu lassen. So kamen etwas mehr als 60 Bilder in den Besitz des Museums. Man sei den Familien Berger, die nicht anwesend waren, dankbar, dass sie ihm diesen „Bilderschatz“ anvertraut hätten, betonte Aßfalg, und werde ihn in Ehren halten. „So darf ich mich als Museums-Galerieleiter und Vereinsvorsitzender mit einer Ausstellung vom aktiven Geschäft verabschieden, die mein Tun in wunderbarer Weise abrundet und der Absicht, Anton Denzel in seiner Bedeutung als namhaften Tier- und Landschaftsmaler die ihm gebührende Geltung zu verschaffen, entspricht.“

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