Macht die Antibabypille laktoseintolerant?

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 Die Antibabypille ist das populärste Verhütungsmittel.
Die Antibabypille ist das populärste Verhütungsmittel. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Die Erfindung der Pille steht für die sexuelle Revolution der Frau. Doch wie hoch ist der gesundheitliche Preis der Selbstbestimmung? Ob bei Frauen ein Zusammenhang zwischen der Einnahme der Antibabypille und dem Auftreten von Laktoseintoleranz besteht, untersuchte Elena Harin, Absolventin Pharmamanagement und -technologie an der SRH Fernhochschule Riedlingen in ihrer Bachelorarbeit. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Hochschule hervor.

Die Antibabypille ist das populärste Verhütungsmittel. Doch wer hat sich schon einmal Gedanken über die Nebenwirkungen gemacht?

Elena Harin, Absolventin der SRH Fernhochschule, hat den Zusammenhang zwischen der Einnahme der Pille und der Laktoseintoleranz bei Frauen untersucht: Dazu wurden in einer Onlineumfrage 344 Frauen mit sekundärer Milchzuckerunverträglichkeit befragt, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit der Antibabypille verhütet haben.

Die sekundäre Form der Laktoseintoleranz entsteht aufgrund der Schädigung des Dünndarms. Dies kann unter anderem auf die Einnahme von bestimmten Medikamenten zurückgeführt werden. 

Elena Harin

Da die Antibabypille ein Arzneimittel ist, welches in Bezug auf die Gesundheitsrisiken noch immer nicht komplett erforscht ist, gilt es hier zu handeln. 

Bei der Befragung gaben 282 der Frauen an, nach dem Beginn der Pilleneinnahme laktoseintolerant geworden zu sein. „Das entspricht circa 82 Prozent. Somit deuten die ermittelten Zahlen deutlich auf einen Zusammenhang hin“, erklärt Harin.

Ebenfalls untersucht wurde, wann nach Beginn der Einnahme das Problem aufgetreten ist. Wurde die Pille bis zu einem Jahr eingenommen, trat nur bei sehr wenigen Personen eine Milchzuckerunverträglichkeit auf.

Dagegen konnten im Einnahmezeitraum zwischen einem und fünf Jahren die meisten Erkrankungen beobachtet werden.

„Da die Physiologie jedes Menschen sehr individuell ist, lässt sich nur bedingt eine generalistische Aussage über die Einnahmedauer treffen“, so die Absolventin. Auch beim Alter, in dem die Verhütung mit der Pille begann, ließe sich keine Auswirkung nachweisen.

Folgen noch fünf Jahre später

Doch auch wenn man die Pille absetzt, sei die Gefahr nicht sofort gebannt, heißt es in der Mitteilung. Die Umfrageergebnisse zeigten, dass nach Beendigung der Pilleneinnahme die Nachwirkungen in Bezug auf die Milchzuckerintoleranz noch längere Zeit auftreten können. So wurden 75 Prozent innerhalb von fünf Jahren nach dem Absetzen der Pille laktoseintolerant.

Dass es sich bei der Laktoseunverträglichkeit der Befragten nicht um eine selbstdiagnostizierte Modeerkrankung handelt, konnte die Studie ebenfalls belegen.

„Rund 80 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, dass es sich bei ihrer Milchzuckerunverträglichkeit um eine ärztlich bestätigte Diagnose handelt. Demzufolge ist der Aufwärtstrend der Laktoseintoleranz bei Frauen in den Krankheitsstatistiken keine Modeerscheinung, sondern muss eine medizinische Ursache haben“, erklärt Harin die Ergebnisse.

Das Fazit der Studie laut Harin: „Die Studie hat den Verdacht, dass die Pille Laktoseintoleranz verursachen kann, begründet. Der nächste Schritt muss eine weitere Studie mit medizinischem Hintergrund sein, damit die Milchzuckerunverträglichkeit als gültige Nebenwirkung in den Beipackzettel des Verhütungsmittels aufgenommen werden kann. Da die Antibabypille ein Arzneimittel ist, welches in Bezug auf die Gesundheitsrisiken noch immer nicht komplett erforscht ist, gilt es hier zu handeln, damit die Frauen das Risiko ihrer selbstbestimmten Verhütung richtig einschätzen können.“

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