Angelika und Mike Bush leben in Colorado Springs.
Angelika und Mike Bush leben in Colorado Springs. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Seit über 25 Jahren lebt Angelika Bush zusammen mit ihrem Mann Mike in Colorado Springs. Auch sie bekommen die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Restaurant und Kneipen sind für 30 Tage geschlossen. Kinos, Sportstudios, Casinos und auch der Zoo haben zu. Wie hier in Deutschland wird auch in USA gehamstert. Klopapier und Küchenrolle seien ständig ausverkauft, schreibt die ehemalige Altheimerin. Ihren Besuch in der Heimat, der für Mai geplant war, haben die beiden storniert.

Hier in Colorado sind alle Schulen und Kindertagesstätten bis Ende März geschlossen. Der Governeur hat alle Skigebiete für eine Woche geschlossen. Es ist fraglich, ob sie diesen Winter nochmals aufgemacht werden. Alle Versammlungen von über 100 Menschen sind verboten. Die meisten Kirchen halten keine Gottesdienste mit Leuten ab, sondern machen einen „live stream“, das bedeutet der Pfarrer hält die Messe, als wären Leute da und der Gottesdienst wird übers Internet zu den normalen Kirchenzeiten gezeigt. In meinem Sportstudio, einem der größten in der Stadt, sind Aerobic und Yoga gestrichen. Ich gehe weiterhin fast täglich morgens ins Fitnessstudio, aber es sind merklich weniger Leute anwesend. Auch vor den Restaurants sind die Parkplätze weitaus weniger voll wie sonst. Viele Arztpraxen sehen Patienten zurzeit nur, wenn es ein Notfall ist. Routineuntersuchungen wurden um vier oder mehr Wochen verschoben. Die Ärzte machen jetzt viele „virtual visits“, das bedeutet, Arzt und Patient haben eine Videokonferenz.

Die militärischen Streitkräfte haben ihren Mitgliedern untersagt zu fliegen. Familienbesuche sind nur noch mit dem Auto möglich. Bei den Entfernungen wirkt sich das sehr einschränkend aus. Oftmals werden Wochenendbesuche bei Familie und Freunden per Flugzeug absolviert und die sind nun alle gestrichen.

Bei den Gerichten sind alle Geschworenenverhandlungen in den nächsten zwei Wochen abgesagt und müssen neu terminiert werden. In Abteilungen mit vielen Fällen auf der Tagesordnung (manchmal warten mehrere Dutzende Leute im Zuschauerbereich darauf, dass ihr Fall aufgerufen wird, wobei der Fall dann manchmal nur drei bis fünf Minuten dauert) versucht man, nicht mehr als 50 Leute zugleich im Gerichtssaal zu haben. Und manche Richter, die jetzt keine Verhandlung haben, übernehmen Fälle anderer Richter, damit alles schneller über die Bühne geht.

Auch in Colorado Springs sind die Menschen verunsichert und hamstern. Man merkt regelrecht, wie angespannt die Leute sind. Sehr viele Regale sind komplett leer, was man hier gar nicht gewöhnt ist und was wohl noch nie der Fall war. Toilettenpapier und Küchenrollen sind nirgends erhältlich. Am Samstag war ich im Großmarkt – komplett ausverkauft waren: Eier, Milch, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Windeln, Hunde- und Katzenfutter und Katzenstreu. In den Tiefkühlregalen gab es noch einiges, aber doch merklich weniger als sonst. Auch haben viele Supermärkte, die oftmals 24 Stunden offen sind, jetzt eingeschränkte Öffnungszeiten.

Im Mai wollten wir für ein paar Tage nach Riedlingen kommen, um die gemeinsame Geburtstagsfeier meiner Eltern zum 85. zu feiern. Mama hat das Fest abgesagt. Wir wären sowieso nicht gekommen, weil wir zurzeit das Land nicht verlassen wollen. Es heißt zwar, US-Bürger dürfen zurück ins Land (mit anschließender 14-tägiger Quarantäne), aber wer weiß, wie das im Mai tatsächlich abläuft.

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