Kunst und Kultur im Dreiländereck

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 Der Dom von Trier beeindruckte als imposantes Bauwerk die Kunstkreis-Reisenden.
Der Dom von Trier beeindruckte als imposantes Bauwerk die Kunstkreis-Reisenden. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Die Städte Trier, Luxemburg und Metz standen in diesem Jahr auf dem Programm der Reisenden des Kunstkreises 84 Riedlingen und damit das Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg. Damit verbunden war eine Fülle von Eindrücken an Kunst, Kultur und vor allem Architektur mehrerer Jahrhunderte, dazu Geschichte von den Römern bis zum heutigen Europa. Mit dem Gang über den 1250 Meter langen Baumwipfelpfad und dem Blick auf das Tal der Saarschleife als Krönung wurde darüber hinaus ein erhebendes Natur-Erlebnis in die fünftägige Fahrt einbezogen, die Waltraut Jerger, Barbara Bulander und Sybille Kiemel vorbereitet hatten.

Quartier bezog die Reisegruppe in der 110 000-Einwohner-Stadt Trier. Sie sieht sich als älteste Stadt Deutschlands und präsentiert sich mit Mittelalter-Charakter. Ihre römischen Spuren, wie die Römerbrücke, die imposante Porta Nigra oder die ursprünglich im vierten Jahrhundert als Palast-Aula errichtete Konstantin-Basilika, brachte Trier 1986 den Eintrag als UNESCO-Weltkulturerbe ein. Sie brannte ab und wurde im Mittelalter von den Trier Bischöfen wieder aufgebaut und 1614 in die neue Bischofsresidenz, das kurfürstliche Palais integriert. Der Renaissance- und Rokokobau war eines der beliebten Fotomotive. Als monumentales Bauwerk stellte sich der Dom in Trier dar.

Begegnete man in Trier mit der Römerbrücke der ältesten in Deutschland, so wurde im Großherzogtum Luxemburg eine der größten Steinbogenbrücken der Welt vorgestellt. Sie erfuhren von der bewegten Geschichte des kleinen Landes mit seinen aktuell rund 614 000 Einwohnern. 47 Prozent davon sind Ausländer. Durch Brückenbögen eröffnete sich der faszinierende Blick auf Reste der Festung. Repräsentative Gebäude gefielen, so der großherzogliche Palast, aus dem alten Rathaus, der Stadtwaage, einem Turm und einem angebauten Flügel nach 1890 von Großherzog Adolph ausgebaut. Mit der Sankt Michaelskirche betrat die Reisegruppe das älteste erhaltene Gotteshaus in der Stadt, das seiner bewegten Geschichte wegen Elemente romanischer, gotischer und barocker Architektur aufweist.

Ein völlig anderes, nämlich hochmodernes Bild eröffnete sich auf dem Kirchberg in Luxemburg, bis in die 1950er-Jahre vorwiegend Ackerland. Das änderte sich, als Luxemburg zum Sitz der Europäischen Gemeinschaft avancierte. 1963 ließ der Staat das Gebäude für das Europäische Parlament erstellen. Außer Luxemburgs EU-Institutionen haben Banken, Kulturstätten, Bildungseinrichtungen und Firmensitze das Kirchberg-Plateau zu einer Spielwiese für Entwürfe namhafter Architekten gemacht. Unter ihnen ist auch der Amerikaner Richard Meier, Architekt des Stadthauses in Ulm. Ganz aus der Nähe ansehen konnten die Gäste aus Riedlingen die futuristische Philharmonie. Um die raffinierte Dachkonstruktion des „Coque“ genauer betrachten zu können, machten sie einen Abstecher zu dem Sport- und Kulturzentrum Luxemburgs, das innen keine Säulen hat.

Zeitgenössischer Kunst begegneten sie im 2006 eröffneten „MUDAM“, dem Museum für moderne Kunst. Geplant hat es der chinesisch-amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei. Es steht – als Verbindung von Vergangenheit und Zukunft Luxemburgs – auf Festungsmauern und lässt durch das einer Pyramide gleichenden durchsichtigem Dach viel Licht einfließen in eine großzügige Halle, die jeweils nur einem Kunstwerk vorbehalten ist, aktuell einer Bronzeskulptur von Nairy Baghramian. Rund 230 Werke von mehr als 100 Künstlern werden gezeigt. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr das Werk von Etel Adnan. Da das bildnerische Schaffen der Schriftstellerin in Beziehung zu Paul Klee steht, sind auch Bilder von ihm zu sehen.

Im Centre Pompidou im lothringschen Metz verblüffte die Kunst der deutschen Performance- und Video-Künstlerin Rebecca Horn. Die Ausstellung zeigt ihr Werk als ein Theater der Metamorphosen und stellt einen Dialog mit Arbeiten verschiedener VertreterInnen des Surrealismus dar, so Salvador Dali.

Doch auch hier war es das Gebäude, das interessierte. Es wurde 2010 als Zweigstelle des Pariser Museums für moderne Kunst eröffnet. Die Architekten waren Shigeru Ban und Jean de Gastines. Es besitzt eine geschwungene Dachkonstruktion, die von weitem an ein Zirkuszelt erinnert und transparent wirkt. Eine konstruktive Besonderheit im Inneren sind drei um einen Erschließungsturm sternförmig übereinander gestapelte röhrenartige Galerien, die in Panoramafenster münden, die wiederum den Blick auf den nahen Stadtkern mit seiner gotischen Kathedrale eröffnen.

Sie hatten die Riedlinger davor besichtigt, die vor allem die Glasmalereien mit einer Dimension von insgesamt 6 500 Quadratmetern bewunderten – von der Gotik bis zur Neuzeit, sind darin doch auch Werke von Marc Chagall zu finden. Das Chorgestühl stammt aus der „deutschen Zeit“ erfuhren die Reisenden, wie auch, dass sich die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich von 1871 bis 1918 mit der „wilhelminischen Architektur“ stark auf das Metzer Stadtbild ausgewirkt hat.

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