Innenleben und Außenwirkung

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 Hansjörg Eder vor zwei Beispielen von „Urban Sketches“. Sie zeigen das Leben vor dem Ulmer Stadthaus.
Hansjörg Eder vor zwei Beispielen von „Urban Sketches“. Sie zeigen das Leben vor dem Ulmer Stadthaus. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Die Ausstellung „Urban Sketches und Bilder“ im Kaplaneihaus ist vom 12. Oktober bis 4. November freitags, samstags und sonntags jeweils von 13 bis 18 Uhr zu sehen.

Der Riedlinger Maler Hansjörg Eder überrascht immer wieder. In seiner neuesten Ausstellung beim Kunstkreis 84 im Kaplaneihaus zeigt er seine Freude und Kunstfertigkeit am Einfangen alltäglicher Szenen, skizzenhaft oder fein ausgearbeitet, auf jeden Fall wert, sich nicht nur flüchtig damit auseinander zu setzen. „Urban Sketches und Bilder“ ist die Präsentation mit mehr als 100 Exponaten überschrieben, bis auf einige imposante Größen viele kleinformatig.

Bei „Urban Sketches“ handelt es sich um eine 2007 in Seattle gegründete Bewegung Tausender Künstler aus aller Welt, die sich auch online präsentieren. Dazu allerdings gehört Hansjörg Eder nicht und stellt für sich fest, dass er das, was die anderen Künstler darunter verstehen, schon lange praktiziert: die Darstellung des täglichen Lebens in der Stadt oder auf dem Dorf, zu Hause oder auf Reisen, Gebäude mit und ohne Menschen, Autos, Geschäfte, Straßencafé-Szenen, Brücken, die sich im Wasser spiegeln. „Wir bezeugen unsere Umwelt wahrhaftig“, heißt eine der Aussagen von Urban Sketches. Die Zeichnungen verstehen sich als Dokumentation der Zeit und des Ortes. „Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung“. Eine Situation aufnehmen und bei der Umsetzung zu verstehen, definiert Eder die Vorgehensweise. Er hält das „ehrliche und nicht berechnende Schauen“ für wichtig. „Im Grunde geht es mir immer um Innenleben und Außenwirkung“, hält er fest und unterstreicht die Zerbrechlichkeit zwischen Spontaneität und gewolltem Ergebnis.

Häufig begegnet man in seinen Bildern malenden jungen Menschen. Es sind seine Studenten, die er seit einigen Jahren an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Ulm unterrichtet und – wie er – das Alltagsleben einfangen. Den eher großformatigen Werken ist das hintere Zimmer gewidmet, wie den beiden vom Ulmer Stadthaus, vor dem Menschen nur schemenhaft erkennbar sind, aber viel Bewegung ausstrahlen.

Vor allem im Flur kann man die Entwicklung von Zeichnungen erkennen, die Freude am Experimentieren. Dort hängen erste kleine Skizzen, die sich mit Motorrad und Biker befassen, eine große Zeichnung in Rot, die das Erfasste erst nur erahnen lässt und dann spiegelbildlich zwei Bilder mit „coolen Typen“ und ihrem Motorrad. Auch hier greift Eder auf seine Tätigkeit als Dozent zurück, sind es doch Modelle, die seine Studenten aufs Papier bringen sollen, wie andere, mit kühler Ausstrahlung oder in allen möglichen Positionen. Bewegungsstudien tauchen öfter auf. „Man kann besser lernen, wenn man langsam guckt“, erklärt er das Arbeiten mit Modellen und fügt bescheiden hinzu: „Ich übe mich eigentlich immer bloß“.

Der große Raum zum Parkplatz ist eine Reminiszenz an seine Heimatstadt Riedlingen. Die Bilder sind schon vor Jahren entstanden und zeigen auch einen Wandel auf, Leben vor dem Jugendforum zum Beispiel. Die Ansicht von Donauwehr und Lichtenstein ist ebenfalls dabei. Auch wenn hier und dort Vögel als beliebtes Motiv Eders zu sehen sind, so wollte er auf ein ausgesprochenes Vogelbild nicht verzichten: einen toten Bussard in Großformat.

„Mein Spiel bewegt sich in der Spannung zwischen Natur und Künstlichkeit, zwischen Instinktivem und Rationalem, bekennt er. „Ich wäre nie Maler geworden, hätte ich die Kunst jenseits der Natur vermutet. Kunst greift nach der Natur“.

Die anderen Exponate hat Eder erst in den letzten zwei bis drei Jahren aufs Papier gebracht, die jüngste Serie am vergangenen Samstag bei einem Jazzkonzert in Frauenfeld in der Schweiz: Musik in bewegte Striche umgesetzt, auf wenigen sind schemenhaft die Musiker zu erkennen. „Ich habe ein paar Stifte dabei gehabt“, verrät er knitz, und dass er bei Konzerten auch schon früher skizziert habe.

Als „Sammelsurium“ zu erkennen sind die Exponate in dem kleinen Zimmer, eng beieinander gehängt, Stillleben, ein Unfallauto, Leute beim Fernsehen, das Büro in der Hochschule, ein Blick vom Krankenhaus-Bett aus, Eindrücke von vielen Reisen.

Vielfältiges Arbeiten ist sein Anspruch und die Ausstellung legt Zeugnis davon ab. Das gilt auch für die Maltechniken: Pastell, Tempera. Gouache, Aquarelle, Bleistift- bis Kugelschreiber-Zeichnungen. Nur Öl sucht man vergebens. Es ist die dritte Ausstellung Hansjörg Eders innerhalb kurzer Zeit in Riedlingen, ohne Bekanntem zu begegnen. 2015 und 2016 stellte er zusammen mit seiner Frau Ulrika Geiselhardt in der Städtischen Galerie und im Kaplaneihaus aus. Dessen Räume nennt er „richtig toll“ und lobt auch die Beleuchtung. Die wurde erst kürzlich von der Stadt erneuert.

Bei der Vernissage am Donnerstag, 11. Oktober, 19 Uhr, geht Hansjörg Eder nach einer Einführung durch den Kunstkreis-Vorsitzenden Dr. Berthold Müller selbst auf seine Bilder ein. Jürgen Heudorfer übernimmt den musikalischen Part.

Die Ausstellung „Urban Sketches und Bilder“ im Kaplaneihaus ist vom 12. Oktober bis 4. November freitags, samstags und sonntags jeweils von 13 bis 18 Uhr zu sehen.

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