In Riedlingen gilt jetzt der Donau-Taler

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Mit dem Comic-Storch und den bunten Farben sieht er eher aus wie Spielgeld für einen Kaufladen — doch von diesem Freitag an kann man mit dem Donau-Taler in und um Riedlingen offiziell bezahlen. Der Donau-Taler ist damit die jüngste der Regiogeld-Währungen im Land.

Mit ihr sollen vor allem die regionale Wirtschaft und soziale Projekte gefördert werden. Oder, wie es der Initiator des Donau-Talers Josef Hoffmann nennt: „Ich möchte meiner Heimat etwas zurückgeben“. Zudem soll die Kaufkraft dort bleiben, wo die Bürger sie erwirtschaftet haben und nicht in den großen Ballungszentren oder im Internet wieder ausgegeben werden.

Das Prinzip des Regiogelds ist eigentlich einfach: Bürger, die mitmachen wollen, tauschen ihre Euro im Verhältnis 1:1 gegen das Alternativgeld ein. Beim Umtausch wählt der Kunde ein Förderprojekt aus, dem das Geschäft zwei Prozent des Wertes gutschreibt. Offiziell ist das Regiogeld ein Gutscheinsystem — und ist damit steuerlich und rechtlich abgesichert. Bundesweiter Vorreiter war der Chiemgauer. Das erfolgreiche Regiogeld wird seit Januar 2003 von der Freien Waldorfschule im bayerischen Prien herausgegeben und heute von rund 600 Unternehmen akzeptiert.

Doch Alternativ-Währung hat auch ihre Tücken: Immer an zwei Stichtagen im Jahr muss eine spezielle Marke aufgeklebt werden, die jeden Geldschein um zwei Prozent entwertet. „Sanfter Druck soll schon da sein, damit der Donau-Taler nicht in den Geldbörsen schlummert“, sagt Hoffmann. Stattdessen soll er fleißig ausgegeben werden. Auch die annehmenden Händler sollen regionale Lieferanten aus dem Donau-Taler-Gebiet wählen, denn beim Rücktausch in Euro werden ebenso zwei Prozent Abschlag fällig. Doch die Zahl der Annahmestellen ist begrenzt. In und um Riedlingen sind es knapp 70 Unternehmen. Anbieter von Bio-Lebensmitteln, Handwerker und Händler von Büroartikeln bis hin zu einem Sägewerk und Autohändler machen mit.

Doch ist eine Alternativ-Währung überhaupt sinnvoll? „Wenn die Menschen das haben wollen, warum nicht“, sagt dazu Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim. Mit dem Regiogeld würden sie Verbundenheit mit der Region demonstrieren „Doch die Idee, damit ein alternatives System zu schaffen, funktioniert nicht.“ Denn zum Euro gebe es nun mal keine Alternative, dazu sei Deutschland auch zu stark in das Europäische Währungssystem eingebunden.

Dass auch Regiogeld scheitern kann, das weiß Jörn-Derek Gehringer, Vorstandsmitglied des bundesweiten Verbands Regiogeld. Zusammen mit Gleichgesinnten wollte er nach zwei Jahren Vorbereitung den Ortenauer einführen — und scheiterte. „Geld ist schon ein eigenes, kritisches Thema“, sagt er. „Da sind viele Ängste dabei.“ Deshalb sei die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht so gewesen, wie er sich das gewünscht habe. „Die Zeit war einfach noch nicht so weit.“ Auch beim Stuttgarter Regiogeld, dem Rössle, sei das Interesse nach Auskunft eines Händlers nicht allzu groß, kaum ein Kunde bezahle damit.

Davon will Gehringer sich aber nicht entmutigen lassen: In den kommenden zwei Jahren soll der Ortenauer einen neuen Versuch starten. Und auch Josef Hoffmann rechnet damit, dass der Donau-Taler ein Erfolg wird. Denn er hat nicht nur als Ausgabestelle die örtliche Volksbank als Partner gewinnen können. Auch bei den Händlern — es sind jetzt schon deutlich mehr als beim Stuttgarter Rössle — dürfte es mehr Akzeptanz geben. Denn anders als bei den meisten anderen Regiogeld-Initiativen müssen sie keinen Mitgliedsbeitrag zahlen - stattdessen gibt es auf der Rückseite der Scheine Werbung. „Und die Werbeflächen sind komplett ausgebucht.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen