In Bechingen gibt’s ehrliche Heimatküche

Lesedauer: 5 Min

Mahnend ruft ein Gast „Inge – tu langsam!“. Er meint die unermüdliche Chefin im Restaurant Heimatküche in Bechingen bei Riedlingen, deren Herzenswärme an diesem Sonntagmittag den Gastraum heizt. „Isch alles recht? Schmeckt’s Euch? Isch’s genug?“ – die umtriebige Frau Tress hat ihre Augen überall und kann es nicht zulassen, dass ein Gast womöglich unglücklich oder gar hungrig vom Tisch aufsteht.

Apropos Tisch: Diese sind in der Heimatküche eine kleine Sensation, denn sie haben jeweils eine eigene Besteckschublade. Ganz klar eine Reminiszenz an den bäuerlichen Familienesstisch. Darüber hinaus hat die Familie Tress das Lokal in eine rustikale Moderne überführt – Holz mit Charakter, die Farben Beige und Grau, aufgelockert durch bunte Kissen. Und im Zentrum steht die rotgekachelte Schanktheke, der Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaft, die nicht nur am Sonntag auch nachmittags durchgängig warme Küche mit stark schwäbischem Einschlag bietet – der Name „Heimatküche“ ist also alles andere als eine Floskel.

Der wahre Seelentröster schwebt nach kurzer Zeit duftend an den Tisch: eine Hochzeitssuppe, der man schon nach dem ersten Löffel gerne das Jawort gibt: Eine echte Brühe bildet das geschmackliche Fundament. Im Sud tummeln sich Brät- und Lebernocken, eine außerordentlich saftig-würzige Maultasche sowie in heißem Fett zubereitete Backspätzle. Damit legt die Küche gleich ein sattes Stück Schwabenglück vor. Die Erwartungen, die man als Gast mit dem Namen Tress verbinden darf, rühren auch vom guten Ruf des Bio-Hotel-Restaurants Rose in Hayingen her. Außerdem kocht Simon Tress auch im Fernsehen und schreibt Kochbücher. Aus dem Bio-Ansatz der Rose habe man schließlich das Heimatküchenkonzept entwickelt, heißt es auf der Webseite des Lokals. Will heißen: Bio-regional geht es auch in Bechingen zu. Außerordentlich selbstbewusst preisen die Wirtsleute zum Hauptgang auf der Karte das „beste Schnitzel Oberschwabens“ an. Ob es tatsächlich jedem Vergleich standhalten würde, ist allerdings nicht amtlich. Zwar sind die dünnen Tranchen vom Rücken des Schwäbisch-Hällischen Schweins in ihrer würzigen Kräuterpanade sicher nicht verkehrt. Allerdings ist ihr Knuspermantel nicht locker souffliert, sondern eher flach und kompakt. Schmecken tut’s trotzdem – übrigens auch die bemerkenswerten hellen Pommes samt der Schale, die zwar rustikal sind, aber nichts gemein haben mit den oft künstlich schmeckenden Steakhouse-Fritten.

Die ergänzende Beilage Spätzle offenbart eine lange und flache Variante der traditionellen Teigwaren, eher weich, gekrönt von Butterbröseln. Einwandfrei im Geschmack und begleitet von einer tiefdunklen Bratensoße, die würztechnisch ein bisschen schwach ist und eine ungewöhnlich süßliche Aromatik aufweist.

Der Abschluss – eine Crème brûlée – ist zwar mehr Pudding als Creme, doch mit viel karamellisierter Zuckerschicht ein lecker zu löffelndes Finale. Und überhaupt: Nur wer nichts selber macht, erlebt auch keine Schwankungen. Eine authentische Natur- und Heimatküche darf ruhig ein bisschen variieren, wenn sie dafür handgemacht ist.

Heimatküche Bechingen

Ehinger Straße 12

88499 Riedlingen

Telefon 07373-2882

www.heimatkueche-bechingen.de

Geöffnet Dienstag bis Sonntag durchgehend ab 11.30 Uhr, Montag Ruhetag. Hauptgerichte 9,90-19,90 Euro.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen