Illegale Konkurrenz für seriöse Kleidersammler

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Johannes Nuß

Was passiert eigentlich mit der Kleidung, die in einen Altkleidercontainer geworfen wird? Sobald sich die Klappe schließt, beginnt eine ungewisse Reise, bei der sich so mancher fragt, wo sie endet. Das war der ursprüngliche Ansatz zu diesem Zeitungsbeitrag. Im Zuge der Recherchen allerdings ist die Redaktion der Schwäbischen Zeitung in Riedlingen auf eine Firma gestoßen, die offensichtlich illegal und ohne Genehmigung im Stadtgebiet agiert. Es stellte sich heraus, dass dieser Sammler bereits Ende November in Friedrichshafen im Bodenseekreis aufgefallen ist. 20 bis 30 Prozent verlören caritative Sammler wie die Malteser oder die Aktion Hoffnung von der Diözese Rottenburg-Stuttgart dadurch, weiß ein Brancheninsider zu berichten, der seinen Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte.

Kriminelle Geschichten

Das in der Branche der Kleidersammler beim besten Willen nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, ist kein Geheimnis. „Das sind teilweise schon riesen kriminelle Geschichten, die da laufen“, berichtet der Insider, der bei einer Recycling-Firma in einem benachbarten Landkreis arbeitet.. „Wir versuchen seit Jahren gegen solch dubiose Sammler vorzugehen“, sagt auch Thomas Ahlmann vom Dachverband der seriösen Sammler, „Fairwertung“. Es komme auch vor, dass beim Dachverband Menschen anrufen und mitteilen, dass sie plötzlich über Nacht einen Container vor die Tür gestellt bekommen haben. „Als Privatperson habe ich da nicht so eine leichte Handhabe wie beispielsweise eine Kommune. Ich darf den Container zwar entfernen, muss ihn aber vorhalten, weil es sonst Diebstahl wäre. Steht der illegale Container auf dem Grund der Kommune, darf diese ihn nach einer gewissen Zeit auch verwerten oder zerstören“, so Ahlmann weiter. Das bestätigt auch Dr. Bernhard Oberts, Leiter des Amtes für Umwelt- und Arbeitsschutz des Landkreises Biberach. „Als Privatperson kann ich den Container beispielsweise hinter das Haus räumen, muss aber den Aufsteller auffordern, diesen zu entfernen. Erst wenn der Aufsteller nach mehrmaligen Aufforderrungen nicht tätig geworden ist, habe ich die Möglichkeit den Behälter selber zu entsorgen.“

Die illegalen Container sind in Riedlingen zwar alle auf privaten Grundstücken postiert, müssen aber trotzdem von der unteren Abfallwirtschaftsbehörde des Landkreises genehmigt werden. Die beiden Behälter sind zunächst recht unauffällig und einer von beiden auch nicht direkt einsehbar von der Straße aufgestellt. Auch ein Logo einer sozialausgerichteten Einrichtung fehlt. In großen Lettern prangt auf ihnen „Ihre Kleider- und Schuhspende. Wir suchen: gut erhaltene Kleidung, Bett- und Haushaltswäsche, gut erhaltene Schuhe.“ In etwas kleinerer Schrift steht auf einem weiteren Aufkleber: „Wir suchen weitere Stellplätze für Container von Privatpersonen, Gewerbe, Städte und Gemeinden. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Bitte melden Sie sich, es lohnt sich! Wir zahlen bis zu 350 Euro jährlich.“ Als Kontakt wird dabei lediglich eine Handynummer genannt. „Das ist typisch. Häufig erreicht man aber unter diesen Nummern überhaupt niemanden“, berichtet der Insider weiter, dem die betreffende Firma geläufig ist. Zu finden sind die Container einmal im Industriegebiet Mancherloch auf dem Parkplatz eines Kleidungsdiscounters und im innerstädtischen Bereich gegenüber der Arbeitsagentur.

Auch beim Ordnungsamt der Stadt Riedlingen ist von den Containern nichts bekannt. „Normalerweise müssen solche Container genehmigt werden“, sagt Stefan Kuc vom Ordnungsamt. In Riedlingen lägen keine Anträge von Sammlern vor.

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