Hommage an Reinhard Mey

Lesedauer: 5 Min
 Die Musikgruppe „Chanson de la vie“ nach ihrem Auftritt, (von links) Juliane Hernandez, Klaus-Jürgen Kauß und Mea Kauß.
Die Musikgruppe „Chanson de la vie“ nach ihrem Auftritt, (von links) Juliane Hernandez, Klaus-Jürgen Kauß und Mea Kauß. (Foto: Lorena Neubrand)
Lorena Neubrand

Die Musikgruppe „Chanson de la vie“ hat ein Benefizkonzert im Kapuzinerkloster in Riedlingen gegeben, dessen Spenden der Riedlinger Conrad-Graf-Musikschule zugute kommen. Der neue Diakon der Langenenslinger Seelsorgeeinheit, Klaus-Jürgen Kauß, sang und spielte Gitarre und wurde dabei von Juliane Hernandez an der Klarinette und von seiner Frau Mea Kauß an mehreren anderen Instrumenten begleitet. Die Musiker spielten für die zahlreichen Zuhörer ein vielschichtiges Programm, das mit Witz, Charm und passenden Texten ein wenig zum Nachdenken anregte.

Das Programm des Abends gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil war hauptsächlich Reinhard Mey gewidmet. Seine Texte waren den Musikern dabei besonders wichtig. Das Programm zeigte, dass die Lieder von Reinhard Mey sowohl lustig und fröhlich, als auch traurig sein und zum Nachdenken anregen können. Mit dem Stück „Gut, euch zu sehn“ von Hannes Wader begrüßten Klaus-Jürgen Gauß, seine Frau Mea und Juliane Hernandez den voll besetzten Saal, um das Programm danach mit Reinhard Meys „Das Meer“ weiterzuführen. Klaus-Jürgen Kauß verknüpfte das Stück mit den heutigen Klima-Diskussionen, zu denen der Text mit den Beschreibungen des Meeres und der Verschmutzung durch den Menschen gut passt. Darauf folgte das Instrumentalwerk „Petite Fleur“ von Sidney Bechet. In Reinhard Meys „Dr. Nahtlos, Dr. Sägeberg und Dr. Hein“ wurden mit Charme und Witz ärztliche Diagnosen in Frage gestellt. Das mexikanische Stück „Besame Mucho“ von Consuelo Velaquez brachte internationales Flair in das Konzert. Im Schlussteil der ersten Konzerthälfte folgten weitere Lieder von Reinhard Mey wie „Mein Apfelbäumchen“, „Lied auf dem Grunde meines Bierglases gelesen“ und „Ich liebe meine Küche“.

Der zweite Teil des Konzertprogramms hing mit dem 9. November zusammen. Die Musiker erinnerten mit speziell dafür ausgewählten Titeln an die Pogromnacht im Jahre 1938, in der im Zuge der Judenverfolgung des Nationalsozialismus gezielt Synagogen angegriffen und niedergebrannt wurden. Das melancholischste Stück des Abends war Meys „Die Kinder von Izieu“. Es handelt von 44 Kindern, die während der Judenverfogung deportiert wurden und schließlich in Birkenau zu Tode kamen. Passend zum geschichtlichen Hintergrund des Tages sollte es eine mahnende Wirkung haben. Ähnliche historische Bezüge hat das Lied „Oj dortn dortn“, das von einem getrennten jüdischen Liebespaar im Wahrschauer Getto handelt, das nicht zusammenkommen kann und sich daher mit Briefen verständigt. Mit Reinhard Meys „Kaspar“ wurde die Ausgrenzung von Mitmenschen, ein weiteres sehr aktuelle Thema, angeschnitten. Schließlich konnten die Zuhörer bei einem wunderbaren Klarinettensolo von Juliane Hernandez im Stück „The Klezmer’s Freilach“ ein wenig ihren eigenen Gedanken nachgehen.

Natürlich durfte bei einem Abend, der zu Teilen eine Hommage an Reinhard Mey bildete, sein wohl bekanntestes Lied „Über den Wolken“ nicht fehlen. Zusammen mit dem Gesang von vielen aus dem Publikum schwelgten die Musiker über den Wolken. Nach viel Applaus verabschiedete sich die Gruppe „Chanson de la vie“ mit Reinhard Meys Titel „Gute Nacht Freunde“. Die gesammelten Spenden des Benefizkonzertes kommen den Musikschülern der Conrad-Graf-Musikschule zugute und machen die Anschaffung von neuen Instrumenten und Noten möglich.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen