Hoffnung auf einen Neuanfang

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Bruno Jungwirth

Marcus Schafft wird neuer Bürgermeister von Riedlingen. Für viele war der Wahlausgang am Sonntag eine große Überraschung. Wir haben uns am Tag danach in Riedlingen umgehört.

Hochwasserschutz war eines der großen Themen im Wahlkampf. Wolfram Jänisch hat sich dort deutlich positioniert. Von daher ist es für den Vorsitzenden der Bürgerinitiative Hochwasserschutz, Helmut Emrich , die große Frage, wie der neugewählte Bürgermeister zu diesem Thema steht. „Aufgrund einer Krankheit konnte ich ihn auf einer Veranstaltung nicht direkt fragen. Aber für Herrn Schafft war dies kein großes Wahlkampf-Thema.“ Es würde Emrich schon interessieren, wie es nach 2014 weiterläuft und wie es Schafft mit dem Vorteilsausgleich für die Anwohner hält. Emrich war vom Ergebnis nicht komplett überrascht: „Ich habe immer gesagt, dass im zweiten Wahlgang die Karten neu gemischt werden und dass es knapp wird.“

Die Wahl ist in den Teilorten entschieden worden, wie in Neufra, wo Schafft 50 Prozent zugelegt hat. Ortsvorsteher Hermann Hennes , der sich im Vorfeld deutlich für Amtsinhaber Hans Petermann ausgesprochen hat, glaubt, dass Jänisch nach dem 1. Wahlgang zu wenig in den Ortsteilen gemacht hat. Aus seiner Sicht ist bei den Leuten auch der Eindruck entstanden, dass er sich von seinen Unterstützern zu sehr führen ließe – bis hin zum Vorwurf der „Cliquenwirtschaft“. Er glaubt, dass die Petermann-Wähler im zweiten Wahlgang einen kompletten Neuanfang wollten, auch was das Alter der Kandidaten betrifft.

Wirtschaft und Wirtschaftsförderung waren ein großes Thema im Wahlkampf, bei dem auch der Handels- und Gewerbeverein (HGR) genau hinhörte. Die HGR-Vorsitzende, Kornelia Eisele zieht folgende Erkenntnis aus dem Wahlausgang: Wähler, vor allem in den Teilorten, haben sich für einen Neuanfang entschieden. „Wir als Wirtschaftsverbände sollten dieses Signal aufnehmen und die Bevölkerung der Teilorte einladen sich aktiv am Stadtentwicklungsprozess zu beteiligen“, so Eisele, und fuhr fort: „Unsere Erwartung an Herrn Schafft mit Blick auf seine Wahlversprechen: Dass er eine offene und konstruktive Gesprächs- und Beteiligungskultur forciert und mit den Wirtschaftsverbänden Impulse zur Stärkung des Wohn- und Wirtschaftsstandorts setzt.“

Auch Roland Uhl von den Grünen, zeigte sich vom Ergebnis überrascht. Dennoch sieht er ein Teilergebnis erreicht, dass der Amtsinhaber nicht mehr gewählt wurde. „Ich gehe davon aus, dass bei allen Themen ein Neuanfang gemacht werden kann. Wir haben so viele Baustellen, die noch nicht zu Ende geführt wurden“, so Uhl. Er hoffe, dass der Streit der Vergangenheit angehöre und dass es zu einem wirklichen Neuanfang komme.

Mit Schafft hat Riedlingen nun einen Bürgermeister mit CDU-Parteibuch, auch wenn dies von ihm wenig und auch von der hiesigen CDU nicht nach außen getragen wurde. Die hielt sich weitgehend bedeckt, wie auch der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Markus Mark bestätigt. „Die CDU hat sich immer rausgehalten, weil die Kandidaten überzeugen müssen“, so Mark. Eine Bürgermeisterwahl sei in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. Mark zeigte sich über das Ergebnis überrascht. Man habe mit beiden Kandidaten im Vorfeld gute Gespräche geführt, so Mark. „Eine Wahl vorauszusagen funktioniert nie. Ein zweiter Wahlgang ist komplett was anderes, wie man nun in aller Brutalität gesehen hat.“ Es sei schon bemerkenswert, dass Schafft die 20 Prozent aufgeholt habe. Mark freut sich auf die Zusammenarbeit mit Schafft im CDU-Vorstand, dem Schafft kraft Amtes angehört.

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