Hitze am Arbeitsplatz: ZfP-Mitarbeiter verlangen Abhilfe

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Rund 30 Mitarbeiter des ZfP Fachpflegeheims in Riedlingen beteiligten sich am Protest.
Rund 30 Mitarbeiter des ZfP Fachpflegeheims in Riedlingen beteiligten sich am Protest. (Foto: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Sommer, Sonne, Hitze: Alles schön und gut, wenn man Urlaub hat oder sich in kühlere Räume zurückziehen kann. Doch weil dies im Fachpflegeheim des ZfP weder für Patienten noch für die Pflegekräfte der Fall ist, hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch zu einer Protestaktion aufgerufen. Denn im Fachpflegeheim gebe es keine Durchlüftung, Temperaturen über 25 Grad seien häufig gegeben, so Verdi. „Die Arbeitsbedigungen sind unerträglich“, erklärt die Gewerkschaft. Das ZfP hat Abhilfe durch drei Kühlgeräte angekündigt.

Ein buntes Bild bot sich am Mittwoch gegen 12.30 Uhr vor dem Fachpflegeheim in direkter Nachbarschaft zum Kapuzinerkloster. Über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – bei über 50 Angestellten des ZfP-Fachpflegeheims insgesamt – hatten sich vor dem Eingang versammelt, mit bunten Regen- oder Sonnenschirmen, mit Sonnenbrillen und Hüten auf dem Kopf wollten sie für ihr Anliegen werben. „Privat können wir uns schützen, im ZfP müssen wir schwitzen“, war auf dem Plakat zu lesen.

Hintergrund: 2012 sind die Gebäude für das Fachpflegeheim neu gebaut worden. Allerdings ist das ZfP nicht Eigentümer, sondern Mieter. Schon bald haben sich Mitarbeiter in den Sommermonaten über die unerträgliche Hitze in den Wohn- und Arbeitsräumen beschwert. „Innenliegende Räume haben keine Fenster“, sagt dazu der Verdi-Vertrauensmann Bruno Sing. Diese haben nur eine Lichtkuppel. Folge: Im Sommer gibt es in diesen Dienstzimmern keinen Durchzug, die Hitze staut sich. Was nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Patienten mehr als anstrengend ist. Aber nicht nur. In diesen Räumen werden auch Medikamente gelagert, was – zitiert Sing eine Apothekerin – nicht sein sollte.

Mehrfach sei den Mitarbeitern eine Verbesserung der Situation durch kleinere technische Maßnahmen versprochen worden, so Verdi. Doch ihre Situation verbesserte sich nicht wirklich. „Im Juli 2017 beantragte der Personalrat den Einbau von Klimatisierungsgeräten in den Dienstzimmern. Trotz mehrerer Gespräche, trotz verschiedener Temperatur-Messungen, gibt es bisher immer noch keine Entscheidung von Seiten der Dienstelle“, so Bruno Sing.

Doch diese Entscheidung ist inzwischen gefallen, sagt Christoph Vieten, Regionaldirektor Donau-Riss am ZfP Südwürttemberg. Er kann den Protest der Mitarbeiter verstehen, findet es sogar gut, dass Verdi dies aufgegriffen hat. „Das ist nachvollziehbar“. Denn die Pflege sei ja auch körperliche Arbeit und das sei sei bei den Temperaturen besonders anstrengend. Darunter leiden aber vor allem die Patienten, die häufig durch Medikamenteneinnahme Hitze sehr schlecht vertragen.

Temperaturmessungen

Das Thema ist Vieten schon länger bekannt. 2016 hat der Vermieter erste leichte bauliche Veränderungen vorgenommen. Doch um Forderungen gegen den Vermieter geltend machen zu können, bedarf es einer verlässlichen Grundlage. Um die zu bekommen, sind nun im Juni Temperaturmessungen veranlasst worden. Auch damals seien die Temperaturen schon hoch gewesen, allerdings nicht so extrem wie derzeit. Die Werte liegen nun seit 14 Tagen vor. Das Ergebnis: Die Temperaturen bleiben dauerhaft unter 30 Grad. Das heißt: Arbeitsrechtlich besteht kein Handlungsbedarf (siehe unten). Das heißt in dem Fall: Auch der Vermieter musste nicht tätig werden.

Doch das ZfP will sich nicht auf diesen Punkt zurückziehen. Er habe vergangene Woche mit dem technischen Leiter gesprochen. Und: Drei Klimatisierungsgeräte für die innenliegenden Dienstzimmer sind bestellt, betont Vieten. Bruno Sing hört diese Nachricht gerne. „Dann war die Protestaktion erfolgreich“, so Sing.

Hintergrund

Die Arbeitsstättenverordnung sieht folgende Regelung vor: Arbeitgeber sind angehalten, Maßnahmen zu ergreifen (reflektierende Vorrichtung an Fenster, Sonnenschutzverglasung, Vordächer) wenn die Temperatur durch Sonneneinstrahlung 26 Grad überschreitet. Grundsätzlich ist der Arbeitgeber aber erst verpflichtet, tätig zu werden, wenn die Lufttemperatur im Raum 30 Grad übersteigt. Dann muss der Arbeitgeber wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Belastung der Beschäftigten zu reduzieren. (

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