Hermann Münst ist als Gespannfahrer beim Bächtlefest im Einsatz

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Hermann Münst (links) mit Gespann und Wagen – ein Foto von 2009.
Hermann Münst (links) mit Gespann und Wagen – ein Foto von 2009. (Foto: privat)
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Zwei Pferde, vier oder sechs: Etwa 60 Gespanne – eins schöner als das andere – bereichern am Montagmorgen, 16. Juli, den historischen Festzug beim Bächtlefest in Bad Saulgau. Ein Routinier unter den Fahrern ist Hermann Münst aus Neufra bei Riedlingen. Er ist zum 38. Mal mit dabei. Zum 38. Mal gehört der Festzug zu seinen Pflichtterminen. „Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt der 77-Jährige.

Georg Wetzel aus Braunenweiler hatte Münst vor mehr als 30 Jahren darauf angesprochen, ob er denn nicht als Gespannfahrer beim Bächtlefest mitmachen wolle. Und Hermann Münst zögerte keine Sekunde. „Es ist eine Leidenschaft von mir. Bei mir hat Wetzel mit der Anfrage einen Volltreffer gelandet“, sagt Münst, der außer dem Bächtlefest auch beim Blutritt in Weingarten, beim Rutenfest in Ravensburg oder beim Schützenfest in Biberach sein Gespann führt. Das Bächtlefest in Bad Saulgau will er nicht missen. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn die Zuschauer einem zujubeln und Beifall klatschen.“

Die Zuschauer müssen eine Zeitlang warten, bis sie das Gespann von Münst – zwei Württemberger – zu Gesicht bekommen. Münst führt schon seit Jahrzehnten das Gespann im dritten Teil des Festzugs: Nummer 76, romanische Kirche um 1100. Hermann Münst bringt außer seiner Freude am Gespannfahren reichlich Erfahrung mit. Er kennt den Festzug von früher und von heute. „Damals waren es nicht so viele Zuschauer“, sagt Münst, dem die Anzahl der Besucher aber egal gewesen sei. Einmal sei er eine Postkutsche mit Ehrengästen gefahren – dem ehemaligen Landrat Jürgen Binder und dem früheren Bad Saulgauer Bürgermeister Günter Strigl. „Das war einmalig“, sagt Münst, der ins Schwärmen gerät, wenn er seine Erlebnisse beim Bächtlefest schildert. Und er hatte viele Erlebnisse, viele schöne Momente.

Das Bächtlefest lobt Münst vor allem wegen seiner guten Organisation – weil Begleitpersonen dabei sind und die Verkehrssicherheit gewährleistet wird –und dem freundschaftlichen Umgang unter den Gespannfahrern. „In Bad Saulgau läuft alles genau richtig, eigentlich perfekt“, sagt Münst, der sich nur Sorgen um den Nachwuchs macht. „Es dürften schon ein paar junge Fahrer mehr sein. Wir Alten sterben doch alle irgendwann“, ergänzt er. Richard Frey, Präsident des Bürgerausschusses, kennt Münst ebenfalls schon sehr lange, ehrte ihn vor ein paar Jahren für seine 35. Teilnahme. „Ein alter Hase“, sagt Frey über Münst. Doch Frey sieht im Gegensatz zu Münst eher die Tendenz, „dass junge Fahrer nachrücken“.

Kennt die Strecke auswendig

Vor dem historischen Festzug am Montag, 16. Juli, wird Hermann Münst sein Gespann dem Anlass entsprechend bereits am Samstag herrichten. „Ich muss das Geschirr polieren. Wir wollen ja schließlich gut aussehen“, sagt Münst, bevor er am frühen Montagmorgen seine beiden Pferde mit dem Hänger von Neufra zur Wagenhalle nach Bad Saulgau fährt, wo er und die anderen Fahrer etwa zweieinhalb Stunden vor Beginn des Festzugs bereits erwartet werden.

Hermann Münst kennt die Abläufe aus dem eff-eff. Er kennt auch fast alle Gespannfahrer, die seine Leidenschaft mit ihm teilen. Und er kennt die Strecke, die er mit seinem Gespann zurücklegen muss, in- und auswendig. Trotz der Routine schüttet Hermann Münst vor jedem Festzug Adrenalin aus. „So lange das noch der Fall ist, bin ich sicher dabei, außer sie wollen mich nicht mehr haben.“

Der Bürgerausschuss wird keinen Grund haben, auf Hermann Münst zu verzichten. 2020 wäre er zum 40. Mal als Gespannfahrer ein wichtiger Akteur beim Bächtlefest. „Das 40. Mal will ich auf jeden Fall noch erleben.“

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