Helfen bringt Freude: Bildung ist einzige Chance für die Kinder

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 In Burkina Faso fliehen viele Menschen vor den Terroranschlägen.
In Burkina Faso fliehen viele Menschen vor den Terroranschlägen. (Foto: Vince Vinosa)
Mechthild Kniele

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. Zurzeit erschüttern Terroranschläge den 20-Millionen-Einwohner-Staat. Viele Menschen sind auf der Flucht, Lebensmittel sind knapp, Eltern nehmen ihre Kinder von den Schulen, weil sie keinen Sinn in einer langen Schulbildung sehen.

Pfarrer Emanuel Sawadogo versucht seit langem zu helfen, indem er mit Unterstützung aus Riedlingen versucht, Kindern zur Schulbildung zu verhelfen. Unterstützt wird seine Arbeit nun auch von der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“.

Burkina Faso besitzt keinen direkten Zugang zum Meer, alles muss teuer importiert werden und für die mehr 20 Millionen Einwohner gibt es wenig Arbeitsplätze.

Negativ auf die Wirtschaft des Landes wirkt sich zudem der Klimawandel aus. In der nur acht bis zehn Wochen dauernden Regenzeit gab es in den vergangenen Jahren nur geringe Niederschläge, die Trockenheit führt zu mageren Ernten.

2015 kam es nach einer demokratischen Wahl zu einer Aufbruchsstimmung, doch momentan herrscht Terror im Land, immer wieder kommt es zu brutalen Anschlägen.

Viele fliehen vom unsicheren Norden unter anderem in die Umgebung von Kaya. In der Diözese Kaya mussten einige Schulen geschlossen werden, da dort jetzt Flüchtlinge leben. Unterricht kann so nicht oder nur unter katastrophalen Bedingungen stattfinden.

In der Diözese ist Pfarrer Emanuel Sawadogo, der Theologie und Erziehungswissenschaften studiert hat, zuständig für die 30 katholischen Schulen der Diözese mit 200 Lehrern und 3000 Schülern.

Dort können auch Kinder lernen, deren Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können. Diese Schulen haben einen guten Ruf, es werden gute Abschlüsse erzielt.

Unterstützt wird Pfarrer Emanuel von Riedlinger Familien und vom „Treffpunkt Weltkirche“ der katholischen Kirchengemeinde Riedlingen.

Der Geistliche, der in Europa studiert und in Riedlingen zweimal die Urlaubsvertretung für Pfarrer Walter Stegmann übernommen hat, ist 2010 nach Burkina Faso zurückgekehrt, um beim Aufbau des Erziehungswesens zu helfen.

„Mein Volk braucht mich“, sagt er und „Bildung ist die einzige Chance, mein Land zu entwickeln.“ Dank der finanziellen Unterstützung aus Riedlingen konnten Schulbänke angeschafft werden, damit die Kinder nicht mehr auf dem Boden sitzen müssen, sich jetzt aber oft zu fünft in eine kleine Bank quetschen.

Kisten mit didaktischem Material wurden kauft, die allerdings von Schule zu Schule transportiert werden müssen, bei Entfernungen von bis zu 90 Kilometer.

Unterstützt werden auch die Schulkantinen, wobei die Ernährungssituation so schlecht ist, dass die Kinder, die häufig einen kilometerlangen Schulweg haben, Töpfe mit Essen nach Hause tragen, um ihre Familien zu unterstützen. Pfarrer Sawadogo hat ein Moped bekommen, um die weiten Wege von Schule zu Schule zurücklegen zu können.

Am Ende der Kräfte

Im Moment konzentriert sich die Hilfe aus Deutschland auf Nahrungsmittel, um auch den Flüchtlingen zu helfen. Geld für Planen wurde bereitgestellt, um Notunterkünfte zu bauen. Pfarrer Emanuel Sawadogo selbst ist am Ende seiner Kräfte: Er musste wegen Mangelernährung schon ins Krankenhaus, denn die staatlichen Gehälter für Lehrer werden nur sehr schleppend ausbezahlt und sind sehr gering.

Spendengelder aus Deutschland kommen direkt bei Pfarrer Emanuel an, der sich verpflichtet hat, korrekte Verwendungsbelege nach Deutschland zu schicken, sodass die Spender sicher sein können, dass nirgendwo Geld „versandet“. Reisen nach Burkina Faso sind wegen der angespannten politischen Situation derzeit nicht möglich, es ist viel zu gefährlich.

So kann die Not nur gelindert werden durch die Überweisung von Spenden und diese sind so wichtig, damit die Kinder weiterhin die Schule besuchen können. Viele Eltern sehen aufgrund der prekären Lage im Land wenig Sinn in einem langen Schulbesuch, sie nehmen ihre Kinder von der Schule, um sie ohne Schulabschluss direkt in die Schneider-Berufsschule zu schicken.

Burkina Faso, das bis 1960 französische Kolonie war und bis 1984 Obervolta hieß, ist auf Hilfe angewiesen und die SZ-Leser können mit ihren Spenden im „Land des aufrichtigen Menschen“ (so die wörtliche Übersetzung) helfen.

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