Gute Lacher statt „Herz-Schmerz“

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 Opa Anton ist sich mit Rosi (rechts) und deren Mutter Klara (links) nicht einig.
Opa Anton ist sich mit Rosi (rechts) und deren Mutter Klara (links) nicht einig. (Foto: Elena Borst)

Nun sitzt er da. Eiserne Ketten winden sich um seinen Körper und hindern ihn an jeder Bewegung. Diese Fesseln hat sich Opa Anton (Paul Gulde) in Pflummern selbst angelegt. Es ist der Ausgangspunkt für die Komödie „Alles bestens geregelt“ von Bernd Gombold, die das Publikum im Konrad-Villinger-Gemeindehaus am Wochenende mit überzeugenden Schauspielern unterhalten hat.

Doch von Beginn an. Opa Anton hat sich selbst in Ketten gelegt. Er ist nämlich in Hungerstreik. Schließlich protestiert er gegen seine Schwiegertochter, die Jungbäuerin Rosi (Corinna Nisch). Die hat nach dem Unfalltod ihres Mannes den Hof übernommen und mit dem Geld der Lebensversicherung nicht nur für Anton eine seniorengerechte Wohnung in den Hof eingebaut. Das obere Stockwerk im alten Gebälk bietet jetzt auch Platz für Feriengäste. Damit versucht sie, über die Runden zu kommen. Rosi: „Wir brauchen das Geld.“ Dass bald Fremde auf seinem Hof ein- und ausmarschieren, damit ist Anton überhaupt nicht einverstanden und streikt. Und die Seniorenwohnung werde er erst recht nicht betreten: „Vorher schlafe ich im Kuhstall.“

Der Hungerstreik erledigt sich aber schon bald von selbst, als die taffe Rosi ihrem Schwiegervater ein Frühstück schmackhaft macht. Der blickt darauf gen Himmel und meint: „Suche mich nicht in der Unterführung. Ähm, führe mich nicht in Versuchung.“ Das Frühstück sieht für ihn dann aber wohl doch zu lecker aus. Da kann man seinen Hungerstreik ja schon mal unterbrechen, denkt sich Anton.

Schutzschicht vor Drachen

Es dauert nicht lange, da kommt Rosis Mutter Klara (Rosita Pfeiffer) auf dem Hof vorbei. Der putzfaule Opa Anton kann sie nicht leiden. Sie habe den Sauberkeitswahn, meint er. Und den bekommt er auch gleich zu spüren. „Jetzt machen wir aus dir einen ganz neuen Menschen“, meint Klara. Gegen die Grundreinigung in der Badewanne wehrt sich Anton allerdings vehement, schließlich mag er seinen Dreck und schreit lauthals: „Aufhören! Ich habe eine Wasserallergie.“ Doch das Bad zeigt seine Wirkung, frisch geschrubbt und rasiert tritt er wieder auf die Bühne. Für ihn aber nur „Shampoo-Gestank“. Waschen ist für ihn das Schlimmste. Denn: „Meine Haut braucht eine gewisse Patina. Als Schutzschicht vor Drachen wie dir“, meint er zu Klara. Für die Putzattacke revanchiert sich Anton im späteren Verlauf der Geschichte im Übrigen noch bei der sauberkeitsliebenden Klara mit einer Dreck-Kur.

Bald kommt auch Rosis knauserige Nachbarin Brunhilde (Sabrina Vogel) vorbei, die den Cent nicht zweimal umdrehen muss, sondern diesen gar nicht erst ausgibt. Am liebsten schaut sie bei Rosi nämlich vorbei, um Dinge mitgehen zu lassen, die bei Rosi laut Brunhilde ja sowieso nur herumliegen. Ihre Diebestouren rechtfertigt sie stets damit, dass sie sich ja nicht alles leisten könne. Sie habe ja kein Geld aus einer Lebensversicherung, im Gegensatz zu Rosi. Da spottet auch Anton über Brunhildes Sparsamkeit: „Kannst du eigentlich das Schwarze unter meinen Fingernägeln auch noch brauchen?“ Zu Recht: So wandern etwa Frühstücksbrötchen, Klopapier und vor allem die Klatschzeitschrift „Herz-Schmerz“ in Brunhildes Tragekorb. Um diese Zeitschrift dreht sich unterdessen so einiges in „Alles bestens geregelt“. Nicht nur Postbotin Lisa (Sabine Blum) vertraut darin den Tipps der Redaktion in Sachen Liebe. „Mir läuft schon noch der Richtige vor den Roller“, glaubt sie. Bei ihren Flirt-Versuchen scheitert Lisa aber noch kläglich: „Du bist der Stöpsel in meiner Badewanne.“

Liebe vergeht – Hektar besteht

Auch Opa Anton versucht in der Zeitschrift sein Glück und schaltet eine Kontaktanzeige für seine Schwiegertochter Rosi. Codewort: „Liebe vergeht – Hektar besteht.“ Als daraufhin der Stotterer Gustav Glitzer (Daniel Bühler) auf der Suche nach Liebe auf den Hof kommt und sich auch noch Wanderer Reinhard Kümmernich (Hubert Lotzer) dorthin verirrt, entwickeln sich weitere witzige Verwechslungen. Gustav spricht stets die falsche Frau an, Reinhard bringt als vermeintlicher Tierarzt ein Kalb mit zur Welt.

Als dann der Schriftsteller Hajo Hassmann (Andreas Reuchlin) als Feriengast und später seine Freundin Sonja (Michaela Binder) auf dem Hof anreisen, nimmt die Geschichte eine entscheidende Wendung. Hajo will nämlich ungestört an seinen Büchern schreiben. Dumm nur, dass Rosi der Mann bekannt vorkommt. Denn sie besitzt ein Buch von ihm. Und dumm nur, dass Hajo frauenfeindliche Bücher schreibt, in denen Behauptungen aufgestellt werden, wie: „Viele Männer, von denen man denkt sie seien gestorben, sind nur verheiratet.“

Passend zum Titel des Theaterstücks regelt Opa Anton am Ende alles bestens. Denn er findet heraus, wer die wahre Identität hinter dem Pseudonym „Britta von Schwallerbach“ ist, die Frauen in der Zeitschrift „Herz-Schmerz“ Beziehungstipps gibt. Das ist nämlich Hajo. Und das, obwohl er in seinen Büchern frauenfeindlich schreibt. Wenn das an die Öffentlichkeit gerate, werde es Hajos Karriere zerstören, meint Anton. Kurzerhand erpresst Anton darum den Schriftsteller: Antons Schweigen gegen monatlich so viel, dass er keine Fremdenzimmer mehr vermieten muss. Hajo willigt ein. Alles scheint in bester Ordnung. Doch dann die böse Überraschung für Anton: Rosis Mutter Klara soll bei ihm einziehen, weil die Fremdenzimmer ja jetzt frei bleiben. „Ihr werdet euch bestimmt gut ergänzen und vertragen“, ist sich Rosi sicher. Anton ruft aus: „Womit habe ich das nur verdient? Frau Britta von Schwallbach, kommen Sie bitte wieder zurück!“

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