Gesundheitstourismus als Vision für die Stadt

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Redaktionsleitung

Den Tourismus in Riedlingen stärken und weiter ankurbeln – darüber wird in Riedlingen schon lange diskutiert. Doch wie? Der Tourismusexperte der SRH Fernhochschule, Professor Philip Griesser, rät, auf zwei Schwerpunkte zu setzen: Auf Naturtourismus und auch auf Gesundheitstourismus. Dort sieht er definitiv Potenziale. Allerdings müssen aus seiner Sicht die Verantwortlichen nun die Weichen stellen beim Gesundheitszentrum. „Ein Gesundheitscampus ist definitiv eine Chance“, sagt Griesser.

Naturtourismus vor allem durch die Radfahrer des Donau-Radwanderwegs – das ist und bleibt für Griesser ein Tourismuszweig auf den die Stadt weiter setzen sollte. Mit dem Donauradwanderweg hat sie auch ein Premiumprodukt. „Beim Thema Wandern und Radfahren ist Riedlingen schon aktiv“, sagt der Leiter des Studiengangs Hotel- und Tourismusmanagement. Aber aus seiner Sicht kann und sollte dieses Spektrum noch ausgebaut werden.

Die Stadt Riedlingen sollte ihr Profil schärfen und sich im Markt klarer positionieren, rät der Profi. Zielgruppe sind aus seiner Sicht die „Best-Ager“, also Menschen im Rentenalter. Ziel müsse es sein, dass die Radler oder Touristen bereits im Vorfeld wissen, dass es Riedlingen gibt und was sie dort erwartet. Das muss herausgearbeitet und bekannt gemacht werden. Wie? Auf Messen präsent sein, die Online-Präsenz ausbauen, sich in Printmedien zeigen und digitales Marketing betreiben.

Angebote verbinden

Aber darüber hinaus hat Griesser eine weitere Tourismus-Vision für Riedlingen: den Gesundheitstourismus. „Das ist eine weitere Chance, die ich ganz klar für Riedlingen sehe“, sagt er. Gerade angesichts der Planungen für ein Gesundheitszentrum, könnte man diese Aspekte mit einfließen lassen. Er sieht auch die Möglichkeit den Gesundheitstourismus mit dem Naturtourismus zu verbinden – die Angebote für Radfahrer und Wanderer mit den Gesundheitsvorsorgeaspekten zu einem Paket zu schnüren.

Voraussetzungen: Dass neue Dienstleistungen am Gesundheitszentrum angeboten werden, so dass es zum Gesundheitscampus wird – Ernährungswissenschaftler, Ärzte, Sport- und Physiotherapeuten müssten Hand in Hand arbeiten. „Dies kombiniert mit gesundheitsfördernden Aspekten durch Aktivitäten in der Region könnte einen schönen Impuls geben“, sagt Griesser. Er erinnert an das Beispiel „glutenfreies Scheidegg“, das sich mit diesem Profil Bekanntheit erworben hat.

Bei der Diskussion um notwendige und wirtschaftlich tragfähige Hotelkapazitäten in Riedlingen ist der Tourismusexperte hingegen vorsichtig. Den Bau des Hotels Gudrun hält er für absolut zielführend, gerade durch die Synergieeffekte mit dem „Gasthaus Rosengarten“. Aber nicht nur: Das Hotel weise ein absolut regional authentisches, nachhaltiges Konzept auf, so Griesser.

Bei den weiteren Hotelplänen am Stadthallenareal kommt es auch für ihn auf die Positionierung am Markt an. Die in der Diskussion einst angedachte Profilierung als Outdoor-Hotel hält er auf den ersten Blick für tragfähig: Ein Hotel, dass bewusst auf die Möglichkeiten in der Region setzt – das Radfahren, das Kanufahren auf der Donau, das Stand-up-Paddling, einem möglichen Kletterpark sowie dem Wandern und Klettern auf der Alb oder im Donautal. „Bei dieser klaren Positionierung bin ich bei ihnen“, so Griesser. Damit könnte man sich im Wettbewerb deutlich abgrenzen und auch 30- bis 50-Jährige ansprechen. Ein solches Hotel hätte dann auch positive Impulse für die ganze Stadt, „das bedeutet eine Belebung für ganz Riedlingen“, ist er überzeugt.

Mit dieser Ausrichtung würde es für ihn sogar noch eine rundere Sache geben: Naturtourismus, Outdoor-Hotel und Gesundheitscampus könnten wie Zahnräder ineinander greifen und sich gegenseitig ergänzen.

Es braucht einen Kümmerer

Was für ihn wichtig ist: Es braucht einen Kümmerer; einen, der dieses Thema treibt. Das sollte für ihn ein Netzwerker sein; einer, der bereits Erfahrung im Gesundheitswesen oder im Gesundheitstourismus und damit die entsprechenden Kontakte hat. Der Kümmerer sollte diese Idee Stück für Stück bekannt machen. Zuerst in der Region, dann Zug um Zug bei den entsprechenden Verbänden oder interessierten Kreisen im überregionalen und nationalen Bereich.

Griesser schätzt den Tourismus zwar als wichtig für Riedlingen ein, aber derzeit nicht als tragendes wirtschaftliches Standbein. Aber das könnte sich mit der konsequenten Umsetzung der Idee vom Gesundheitstourismus ändern. „Wenn wir wirklich die Vision des Gesundheitscampuses umsetzen, steckt deutlich mehr Potenzial dahinter“, sagt Griesser. Und bezieht sich mit dem „wir“ bewusst selbst ein. Gern sei er bereit mit seinen Kontakten und seinen Erfahrungen zu helfen, sagt der Tourismusexperte.

Doch zunächst müssten die Riedlinger von dieser Idee eingenommen und für diese Ideen begeistert werden. Das sollte vom Bürgermeister über den City- und Marketingverein an die Bürger herangetragen werden, bevor es weitere Kreise ziehen kann. Doch wenn dies der Fall ist, könne mit einem Zeithorizont von fünf Jahren eine Gesundheitsdestination Riedlingen aufgebaut werden.

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