Nach den Plänen von Sana sollen in Riedlingen ergänzende ambulanten Versorgungsangebote etabliert werden.
Nach den Plänen von Sana sollen in Riedlingen ergänzende ambulanten Versorgungsangebote etabliert werden. (Foto: Thomas Warnack)
Waltraud Wolf

Dem Sana-Geschäftsführer Andreas Ruland war bei der Kreistagssitzung in Aßmannshardt wichtig, nicht nur über Riedlingen zu sprechen, sondern darzulegen, was in den vergangenen sieben Jahren von der Betreibergesellschaft Sana Kliniken Landkreis Biberach entwickelt worden ist. Man habe zwar „nicht alles richtig gemacht“, könne jedoch „erhobenen Hauptes in die Diskussion“ gehen. Die Zwischenbilanz könne sich sehen lassen.

Er beleuchtete zunächst die gesetzlichen – auch neu gefassten – Rahmenbedingungen, welche die Situation verschärft hätten und legte sie anhand von Zahlen dar, wie sie sich für die Sana Biberach auswirkten, nämlich um einen um 1,1 Millionen reduzierten Überschuss. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Neubaus bezifferte er ab 2021 mit einer zusätzlichen Belastung durch Abschreibungen und Zinsen in Höhe von 2,6 Millionen Euro.

Begeisterung klang aus seinen Worten über den Gesundheitscampus am Hauderboschen als „Zentrum der Gesundheitsversorgung im Landkreis Biberach“ mit dem fünfstöckigen Krankenhaus-Neubau und einem Ärztezentrum als „wunderbare Ergänzung“. Sana ist mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Euro beteiligt, wovon das Land 62,6 Millionen an Fördermitteln einbringt. Die Eingliederung der neurologischen Klinik Dietenbronn begründete er mit rückläufigen stationären Aufnahmen. Gemeinsame Zielsetzung von Sana, der Amsel-Stiftung und dem Landkreis Biberach sei, ein stationäres Versorgungsangebot insbesondere für Multiple-Sklerose-Erkrankte, am Standort Biberach zu erhalten, plus der ambulanten neurologischen Versorgung. Die Zukunftsperspektive für Laupheim liegt in der Sicherstellung eines stationären Versorgungsangebotes mit 80 Betten für die Älteren-Medizin, davon 30 für die Akutgeriatrie und 50 für die geriatrische Rehabilitation. Dazu wird die geriatrische Reha von Biberach nach Laupheim verlagert.

Mit der Etablierung dieses Gesundheitszentrums wird in Laupheim auch künftig rund um die Uhr eine internistische Notfallversorgung zur Primär- beziehungsweise Erstversorgung vorgehalten. Die chirurgische Grundversorgung, einschließlich der Behandlung von Arbeits-, Schul- und Wegeunfällen, sei in Riedlingen durch einen Arzt der SI-Praxisklinik gesichert, in Laupheim dank der unfallchirurgischen Praxis des medizinischen Versorgungszentrums Laupheim GmbH.

Dank dieses Zentrums können verschiedene ambulant-fachärztliche Dienste geleistet werden. In Laupheim selbst in der Unfall- und Viszeralchirurgie, in der Gastroenterologie und Pneumologie, in Ochsenhausen in der Chirurgie und Orthopädie, in Bad Schussenried in der Gynäkologie/Geburtshilfe, in Biberach in der Neurologie und in Riedlingen in der Inneren Medizin.

Als „erfolgreich weiterentwickelt“ stellte Ruland die stationären medizinischen Versorgungsangebote dar, so seien in der Allgemein- und Viszeralchirugie, der Gynäkologie und Geburtshilfe, der Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie die bestehenden Abteilungen ausgebaut worden. Dazu wurden neue Abteilungen geschaffen, so mit der Neurogolie mit spezieller Behandlung von Schlaganfall-Patienten, der Pneumologie, der Thoraxchirurgie und der Urogynäkologie. Zertifizierte Zentren wurden unter anderem für die Behandlung von an Darm-, Brust- und Prostatakrebs Erkrankten gebildet und auch für Endoprothesen. Die minimalinvasive Chirurgie konnte in einem interdisziplinären Zentrum zusammengefasst werden. Der Kompetenz wegen bedient man sich verschiedener Kooperationen, so mit dem RKU Ulm im Bereich der Radiologie, mit dem Klinikverbund des Uniklinikums Ulm bei der Betreuung von Neugeborenen und mit dem Klinikverbund Kempten-Oberallgäu, was die Neurochirurgie anbelangt.

Rulands Resümee: Die Gesundheitsversorgung war, ist und bleibt für alle Akteure eine große Herausforderung. Man befinde sich dabei in dem Spannungsfeld zwischen den Wünschen der Bevölkerung und den politischen und gesetzlichen Vorgaben. Dabei gehe es darum, es finanzieren und das Personal vorhalten zu können. Er machte deutlich, die politische Zielrichtung zur Zentralisierung von stationären Versorgungsangeboten und Spezialisierungen werde über gesetzliche Vorgaben wie die Pflegepersonaluntergrenzen-Versorgung oder das Pflegestärkungsgesetz mit finanziellen Anreizen oder Abschlägen erzwungen.

Seine Einschätzung: Innerhalb dieser Rahmenbedingungen sei man im Landkreis Biberach auf einem guten Weg mit der Zentralisierung der stationären Versorgung mit Neubau in Biberach und Ärztezentrum, Spezialisierung mit einem Zentrum für Älterenmedizin in Laupheim, plus Gesundheitszentrum und der Etablierung von ambulanten ergänzenden Versorgungsangeboten innerhalb des Landkreises, ein Part, der Riedlingen zukommt.

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