Entschuldigung zahlt sich aus

Lesedauer: 5 Min
 Ein Einspruch gegen Geldstrafe wurde vor dem Amtsgericht verhandelt.
Ein Einspruch gegen Geldstrafe wurde vor dem Amtsgericht verhandelt. (Foto: Symbol: dpa/Uli Deck)

„Den Mist, den ich früher gemacht habe, werde ich bestimmt nicht mehr machen“, versicherte ein 21-jähriger in einer Verhandlung vor dem Riedlinger Amtsgericht. Zu diesem „Mist“ zählte auch die Missachtung eines polizeilichen Platzverweises. Das Gericht hatte nun über seinen Einspruch gegen die dafür verhängte Geldbuße von 200 Euro zu befinden. Letztlich kommt er jetzt 50 Euro billiger davon – unter anderem zahlte sich seine Entschuldigung bei den Polizisten aus, die als Zeugen gehört wurden.

Die beiden Beamten schilderten in der Verhandlung, was sich in der Nacht auf den 27. Januar gegen 2.20 Uhr auf der Ziegelhüttenstraße in Riedlingen ereignete. Wegen eines Tumults vor dem katholischen Gemeindehaus rückte die Polizei mit vier Streifen aus Riedlingen und Ehingen an. Dort war eine Geburtstagsparty aus dem Ruder gelaufen. Für Ärger sorgte eine Gruppe von 15 bis 20 Besuchern, die gar nicht eingeladen waren. Ein Gast wurde dabei verletzt, außerdem ging etwas zu Bruch. In der Folge wurden gegen einige Beteiligte Platzverweise ausgesprochen – so auch gegen den 21-Jährigen. Weil er den Anweisungen der Polizei nicht Folge geleistet und sich aggressiv verhalten habe, erhielt er zehn Monate später einen Bußgeldbescheid wegen eines Verstoßes gegen das Polizeigesetz.

Gegen den legte der junge Mann über seinen Anwalt Einspruch ein. Als Auszubildender habe er eine Vergütung von lediglich 800 Euro. Mehr als die Hälfte davon müsse er für den Schuldendienst aufbringen - insgesamt etwa 7000 Euro für Prozesskosten und Schmerzensgeld in einem anderen Fall. 50 Euro habe er bereits wegen des Vorfalls vor dem Gemeindehaus bezahlt. Das Bußgeld von 200 Euro übersteige seine finanziellen Möglichkeiten: „Ich muss meine Eltern fragen, ob sie mir Geld geben.“

Von seiner anfänglichen Darstellung, er habe sich gegenüber der Polizei einsichtig verhalten, rückte der 21-jährige allerdings ab. „Ich finde Ihr Diskussionsverhalten sehr anstrengend“, wies ihn Richterin Dr. Julia Wichmann im Laufe der Verhandlung zurecht. Entsprechendes konnte auch der Polizeihauptkommissar berichten, der den Platzverweis erteilt hatte: „Wir haben mit Sicherheit mindestens fünf Minuten diskutiert.“ Irgendwann habe man „einen Knopf dranmachen“ müssen – auch aus taktischen Gründen, um den Pulk aufzulösen. Das bedeutete in dem Fall, dass der junge Mann mit Handschließen fixiert und mit dem Polizeiauto nach Hause gebracht wurde. Unterwegs habe sich ihr Fahrgast beruhigt. Für diesen „Service“ wurden dann die erwähnten 50 Euro in Rechnung gestellt.

Der heute 21-Jährige wie auch die anderen Beteiligten seien für ihn durchaus keine Unbekannten gewesen, sagte der Polizist: „Wir haben mit der Gruppe im Sommer ein Riesenproblem gehabt.“ Vor allem nach Alkoholkonsum sei es rund gegangen. Allerdings könne er auch bestätigen: „Die sind alle gerade ruhiger geworden.“ Dass es zumindest bei ihm so bleiben werde, versicherte der 21-Jährige: „Ich will erwachsen werden“. Bei den Polizisten entschuldigte er sich ausdrücklich für sein Verhalten.

Das hielt ihm auch die Richterin in ihrer Entscheidung zugute. Zwar könne er sich nicht unter Verweis auf seine Schulden wegen anderer Rechtsverstöße einen „Rabatt“ erhoffen: „Das soll ja auch weh tun.“ Allerdings habe er sich in einer schwierigen Phase befunden. Außerdem solle er den Anreiz für seine Ausbildung nicht verlieren. Die reduzierte Geldbuße in Höhe von 150 Euro könne er in Monatsraten à 30 Euro abstottern. „Ich hoffe, dass die positive Tendenz anhält“, schloss die Richterin die Verhandlung.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen