Eine „Autobahn-Baustelle“ auf der Bundesstraße

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Fräsmaschine „Simone“ ist derzeit zwischen Riedlingen und Ertingen im Einsatz und fräst den zwölf Zentimeter dicken Belag ab.
Fräsmaschine „Simone“ ist derzeit zwischen Riedlingen und Ertingen im Einsatz und fräst den zwölf Zentimeter dicken Belag ab. (Foto: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Seit Dienstag ist die B 311 zwischen Neufra und Ertingen wieder gesperrt. Nach der Unterbrechung wegen des Kreismusikfests wurden die Belagsarbeiten nun auf diesem Abschnitt aufgenommen. Diese Sanierung ist und war dringend notwendig, sagt der Projektleiter für das Regierungspräsidium, Pius Benner. Nach 18 Jahren war das Material mürbe. Und nun wird mit Hochdruck gearbeitet, dass die Straße bis zum 7. Juli fertig ist. Kein einfaches Unterfangen, denn von der Größe des Projekts entspricht dies einer Autobahnbaustelle.

Die Zahlen, die Pius Benner und der Bauleiter des Bauunternehmens Strabag, Armin Spatscheck, zu dieser Baustelle nennen, sind beeindruckend. Rund sieben Kilometer werden erneuert. Auf 72 000 Quadratmetern muss der Belag der Straße abgefräst werden; 16 000 Tonnen an Material, das von der B 311 entfernt wird und 16 000 Tonnen, die wieder verbaut werden. „Das entspricht 665 Fuhren mit einem Sattelzug“, sagt Spatscheck. Und Benner ergänzt: „Von der Quadratmeterzahl her ist das wie bei einem Autobahnlos.“ Und auch von den Kosten: die liegen bei 2,3 Millionen Euro. „Für eine Bundesstraße schon eine große Summe.“

Arbeitsgemeinschaft gebildet

In einer Arbeitsgemeinschaft von Strabag mit dem Bauunternehmen Storz wird die Straße instand gesetzt. Alleine wäre das in der Zeit kaum zu bewerkstelligen, heißt es von den Unternehmen. Zumal dafür auch große Fertiger und Beschicker notwendig sind, die man so kurzfristig gar nicht so einfach bekommt. Mit 16 Mann sind die beiden Unternehmen auf der Baustelle, die Fahrer der Lkw gar nicht eingerechnet.

Im vergangenen Jahr wurde festgestellt, dass eine Sanierung der B 311 auf diesem Teilstück notwendig ist, sagt Pius Benner. Denn regelmäßig fahren Messfahrzeuge auf den überörtlichen Straßen und prüfen deren Zustand. Rissbildungen werden so erkannt, Spurrillen und die Abnutzung der Deckenschicht. Und nach der Messung war klar: Hier ist Handlungsbedarf. Im Anschluss daran haben Spezialisten vom Straßenbauamt anhand eines Bohrkerns noch genauer hingeschaut. Mit dem Ergebnis: Das Material ist ermüdet, die Sanierung muss angegangen werden.

Das ist letztlich auch kein Wunder. Im Jahr 2000 ist die Bundesstraße auf diesem Teilstück zwischen Riedlingen und Ertingen Süd gebaut worden. Und die hohen Verkehrszahlen und schweren Belastungen auf dieser Strecke zeigen nun nach 18 Jahren ihre deutlichen Spuren. Die B 311 ist auf einer Skala in die zweithöchste Belastungsklasse eingestuft worden. Nur noch stark befahrene Autobahnen sind noch höher klassifiziert; nicht erstaunlich, muss doch die B 311 als Querverbindung die fehlende Autobahn ersetzen.

Im ersten Teilabschnitt ist die Strecke zwischen der sogenannten Kaiserkreuzung (bei Silit) und Neufra erneuert worden. Dazu wurden zwölf Zentimeter des Belags abgefräst. Das Material werde im Übrigen wieder zu 100 Prozent im Straßenbau wiederverwertet, sagen sie. Aber in diesem Teilstück mussten nicht nur die Deckschicht und die darunter liegende Binderschicht, sondern auch die Asphalt-Tragschicht abgebaut werden. In diesem Bereich war diese sanierungsbedürftig. In diesem Zug wurden auch noch Altlasten entsorgt: 600 Tonnen Teer wurden aus dem Boden geholt, so Benner. Doch dieser Teil ist bereits fertig und sehr zur Zufriedenheit von Pius Benner ausgeführt.

Seit Dienstag ist nun der zweite Bauabschnitt dran. Auch hier wird zuerst die Schicht abgefräst, ehe nächste Woche die neuen Beläge aufgebracht werden. Für die oberste Asphaltschicht sind große Maschinen notwendig. Dabei fahren zwei Fertiger parallel nebeneinander, um die komplette Fahrbahnbreite von elf Metern in einem Zug aufbringen zu können. Vorteil: Es gibt keine Kanten und keinen Versatz, wie dies etwa der Fall gewesen wäre, wenn zunächst ein Fahrstreifen und danach der andere Fahrstreifen eingebaut worden wären.

Mindestens 150 Grad Celsius

„Beliefert“ werden die Fertiger vom sogenannten Beschicker, der kontinuierlich über ein Rollband den Asphalt in den Fertiger fließen lässt. Und der Beschicker wird seinerseits wieder von Lastwagen angefahren, die das Material liefern. Die müssen im Übrigen mit einer Thermowanne ausgestattet sein, denn der Asphalt muss bei einer Temperatur zwischen 150 und 190 Grad Celsius eingebaut werden. Wenn er zu kalt ist, kann er nicht verwendet werden.

Derzeit liege man gut im Zeitplan, so Spatscheck. Allerdings kann auch das Wetter den Bauherren noch einen Strich durch die Rechnung machen. Denn für die abschließenden Markierungsarbeiten braucht es regenfreie Tage. Sind die nicht gegeben, könnte es sich noch etwas verzögern. Dennoch sind Benner und Spatscheck sehr optimistisch, dass die Straße bis zum 6. Juli wieder befahrbar ist und damit die Zeiten der Umleitungen vorbei sind. Die Straßenbauer wissen um die höhere Belastung für die Anwohner, aber es habe keine anderen Möglichkeiten für Umleitungsstrecken gegeben, betont Benner. Und danach ist die Straße für zehn bis zwölf Jahre wieder saniert.

Kein Verständnis haben sie und auch Josef Ebe, Bauaufseher beim Regierungspräsidiums, hingegen für die ausländischen Lkw, die sich nur auf ihre Navis verlassen und mehrere Verbotsschilder ignorieren und sich dann wundern, wenn sei durch die Innenstadt fahren müssen. Kein Verständnis haben sie auch für die Falschfahrer, die vergangene Woche der Hindenburgstraße kommend bei der Kaiserkreuzung auf dem Abbiegeast gegen die Fahrtrichtung auf die B 311 eingefahren sind. Und das waren viele, sagen sie. „Dass hier nichts passiert ist, war Glück“, sagt Armin Spatscheck. Dass die Bauarbeiter sich dazu noch anpöbeln und beleidigen lassen müssen, ist dann noch die Krönung des Ganzen.

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