„Ein Zungenregister klingt wie eine Autohupe“

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Charly, die Kirchenmaus, fühlt sich wohl bei so vielen Kindern.
Charly, die Kirchenmaus, fühlt sich wohl bei so vielen Kindern. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Die Empore der Christuskirche in Riedlingen war mit Kindern und ihren Eltern prall gefüllt, als Jürgen Berron als Organist seine Orgel sprechen ließ. Doch als Orgelmaus Charly auftauchte, gab es viele Unterbrechungen, denn die Orgel ist ein interessantes Instrument.

Zum wiederholten Mal hat Jürgen Berron ein Orgelkonzert für Kinder angeboten. Auch diesesmal war es eine kindgerechte Begegnung mit der Orgel. „Daher will ich auch nicht viel sagen, sondern wir lassen die Orgel sprechen“, meinte er, an die Kinder gewandt. Berron stellte dazu ein heiteres Rondo von Justin Heinrich Knecht vor, der vor rund 250 Jahren als Musikdirektor in Biberach gelebt hat. Auffallend war schon jetzt, dass eine Orgel ganz verschiedene Klangwirkungen hat.

Das hat Orgelmaus Charly aufgeweckt. Im Regensburger Dom, wo sie eigentlich zuhause war, wurde es ihr wegen des ständigen Baulärms zu laut. Nun fand sie in Riedlingen eine kleine schnuckelige Kirche so richtig zum Schlafen, doch auf der Empore gab es jetzt auch Lärm. So kam Charly mit seinem Käsefrühstück und erzählte von seiner Tante Auguste, die auch so orgelbegeistert war. Dabei wollte Berron doch Bachs berühmte Toccate in d-moll vorspielen, doch Charly hatte so viele Fragen, die offensichtlich auch die Kinder interessierten.

„Da gibt so viele Röhren links und rechts“, staunte Charly. Der Organist erklärte, dass das die Pfeifen sind, die man zum Spielen braucht. „Tante Auguste konnte Blockflöte spielen“, warf Charly ein. Daran erklärte Berron, dass in den Pfeifen sich eine Luftsäule bewegt, die Pfeife selbst aber nicht wackelt, wie Charly vermutete. Unterschiedlich lange Pfeifen geben unterschiedlich klingende Töne. So besitzt die Orgel ein buntes Klangspektrum, was aber nichts mit dem Käsespeck zu tun hat, auf den Charly scharf ist. Doch die „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“, das gefiel der Kirchenmaus gut. „Endlich etwas, was auch ich kenne.“

Orgelpfeifen glänzen. „Sind sie aus Silber?“ wollte Charly wissen, „dann bist du als Organist ein reicher Mann, denn die Orgel mit den Pfeifen gehört sicher dir.“ Berron erklärte daraufhin das Mischungsverhältnis der Pfeifen allgemein und den Unterschied zwischen Holz- und Metallpfeifen. Doch Charly wollte eigentlich einen roten Ton. Kinder durften nun in einzelne Pfeifen blasen und damit eigene Versuche starten, wie sich so ein Ton anhört. Musik kann beruhigend sein, aber auch festlich wie etwa bei Mendelssohn beim Einzug zu einer Hochzeit. Daher ist es wichtig, dass eine Orgel verschiedene Register hat. Das sind wohl die Knöpfe, die den Charly so interessierten. Register seien Einheiten wie Familien, erklärte Berron, 56 Pfeifen etwa bei der Familie Prinzipal entsprechen den 56 Tasten auf einem Manual der Orgel. Register sind ganz unterschiedlich eben wie Familien auch. „Eine Zungenregister klingt aber wie eine Autohupe“, meinte ein kleiner Knirps und erntete dafür viel Gelächter.

Nachdem der Organist zur Freude von Charly die Titelmelodie zur „Sendung mit der Maus“ vorgestellt hat, weil Charly diese doch besonders gut kennt, durfte er endlich auf zwei hell klingenden Manualen über dem dunklen Pedal die von ihm geliebte Bach-Toccata spielen. Die Kinder waren aufmerksam, manche wussten schon viel über Pfeifen und Instrument, und alle freuten sich über ein kleines Käse-Geschenk, das der lustige Charly für alle mitgebracht hatte.

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