Ein- und Auswanderergeschichten gesucht

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 Menschen, die im 18. Jahrhundert in Riedlingen darbten, beim Studieren des Werbezettels zur Auswanderung in dem Theaterstück „K
Menschen, die im 18. Jahrhundert in Riedlingen darbten, beim Studieren des Werbezettels zur Auswanderung in dem Theaterstück „Kleine Stadt. Große Welt.“ (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Aus- und Einwanderungen aus und in die Donaustadt sollen neben dem Fluss beim Riedlinger Theatersommer 2020 eine bedeutende Rolle spielen. Dazu ist der Autor des neuen Theaterstücks, Peter Höfermayer, auf der Suche nach neuen Ein- und Auswanderergeschichten aus Riedlingen – neben den bereits als Besonderheiten verbrieften Auswanderern.

Man denke an den berühmt gewordenen Conrad Graf aus Riedlingen, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien zum kaiserlich königlichen Hof-Fortepianomacher avancierte oder an den Braumeister Friedrich Johann Miller, der 1855 mit seiner Familie nach Amerika auswanderte, um den Grundstein für die heute zweitgrößte Brauerei in den Vereinigten Staaten zu legen.

Während er den Schritt als bereits Wohlhabender wagte, trieb zumeist die pure Not die Menschen in andere Länder, so zu Beginn des 18. Jahrhunderts vornehmlich nach Ungarn. Der von Valentin Ulrich 1718 gedruckte Werbezettel animierte dazu. Spätestens seit dem Theaterstück „Kleine Stadt. Große Welt.“, das 2016 und 2017 in Riedlingen gespielt wurde, ist dies den Riedlingern gegenwärtig. Hungerjahre veranlassten zu Auswanderungen, so auch 1854 den Glockengießer Jakob Manz, der sich nicht mehr in der Lage sah, seine Familie zu ernähren. Sein Ziel Amerika war während des Dritten Reiches Zufluchtsort jüdischer Familien aus Riedlingen, um Terror und Tod zu entkommen, was nicht allen gelang.

Doch Riedlingen hat auch in anderer Richtung Geschichte geschrieben, so mit der Aufnahme der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem ungarischen Szarazd, einer ganzen Dorfgemeinschaft, die sich selber ihre Häuser in der Eichenau baute. Ludwig Walz ist das zu verdanken, Riedlinger Bürgermeister von 1947 bis 1956. Die schicksalshafte Begegnung zwischen dem Ehepaar Walz und dem Arbeit suchenden Johann Trautmann war eine der berührendsten Szenen im Stück „Kleine Stadt. Große Welt.“

Sehr engagiert war Riedlingen aber auch bei der Aufnahme von Spätaussiedlern Ende des vergangenen Jahrhunderts und stellt sich derzeit der Herausforderung von Flüchtlingen vornehmlich aus arabischen und afrikanischen Ländern.

Wagnis eingegangen

Eine ganze Fülle von Stoff also für Peter Höfermayer, der – zusammen mit Carola Schwelien – 2020 nicht nur als Regisseur beim Riedlinger Theatersommer wirken will, sondern auch als Autor. Und er ist auf der Suche nach weiteren Aus- und Einwanderungs-Geschichten aus früherer oder auch jüngerer, vielleicht auch zukünftiger Zeit. Wer hat vor, den Schritt einer Auswanderung zu machen, fragt er, oder wer kennt jemanden, der das Wagnis bereits eingegangen ist? Interessant sind für ihn auch Einwanderungs-Geschichten. Deshalb geht sein Aufruf an alle, die selber etwas zu dem Thema beitragen können und wollen und denken, dass ihr Schicksal in das Theaterstück einfließen kann, das 2020 an die Erfolge von 2016 und 2017 anknüpfen möchte.

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