Ein Tagebuch als Symbol für Völkermord

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Redaktionsleitung

Im Rathaus Riedlingen wird am Mittwoch, 9. Januar, ab 18 Uhr die Ausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ eröffnet. In der Ausstellung erzählen große Bildwände vom Leben der Anne Frank. Das jüdische Mädchen hat sich über längere Zeit vor den Nazis versteckt und diese Zeit in ihrem Tagebuch festgehalten, ehe sie ermordet wurde. Die Ausstellung, die vom Berliner Anne-Frank-Zentrum konzipiert wurde, ist noch bis zum 31. Januar im Riedlinger Rathaus zu sehen.

Das Tagebuch der Anne Frank sei ein Symbol für den Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten und ein sehr persönliches Dokument der Lebens- und Gedankenwelt einer jungen Schriftstellerin, heißt es in der Ankündigung des Anne-Frank-Zentrums. In der Ausstellung wird über das Leben und die Zeit des jüdischen Mädchens berichtet. In Bildtafeln wird ihr Leben in Frankfurt, ihre Flucht, die Zeit in Amsterdam – ihre glückliche Kindheit und ihre schwere Zeit im Versteck – bis hin zu den schrecklichen sieben Monaten in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen dargestellt. Viele private Fotos erlauben einen Einblick in das Leben der Familie.

Gleichzeitig wird die Geschichte der Anne Frank eingebunden in den historischen Zusammenhang, wird verbunden mit der Geschichte der Weimarer Republik und den Aufstieg der Nationalsozialisten bis hin zur Judenverfolgung und den Holocaust. Kernstück der Ausstellung ist der Gedenkraum, der sich der langen Zeit des Mädchens im Versteck widmet. Audiozitate würdigen Anne Frank als Tagebuchschreiberin und Chronistin ihrer Zeit, so das Zentrum. Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Tagebuchs seit dessen Veröffentlichung und bietet Raum für Fragen im Hier und Heute.

Die Ausstellung ist vom Berliner Anne-Frank-Zentrum (AFZ) konzipiert, doch tragen etliche regionale Akteure zum Gelingen und zur Realisierung bei. So sind das Demokratiezentrum Oberschwaben, der Kreisjugendring, das Bündnis für Demokratie und Toleranz sowie die Bruno-Frey-Stiftung mit im Boot.

Schüler übernehmen Führungen

Doch hauptsächlich sind es Schüler und Lehrer von fünf Riedlinger Schulen, die sich für die Ausstellung engagieren. „Jugendliche begleiten Jugendliche“ heißt das Konzept, das bei der Wanderausstellung verfolgt wird. Rund 30 Schülerinnen und Schüler haben sich bereit erklärt, Führung zu übernehmen. In einer zweitägigen Ausbildung werden sie vom AFZ darauf vorbereitet, vornehmlich für Schulklassen, aber auch für die Öffentlichkeit, rund zweistündige Führungen zu übernehmen. Beteiligt sind Schüler der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule, der Realschule, der Beruflichen Schule, des Kreisgymnasiums sowie des Kolping-Bildungszentrums, berichtet Karen Maurer, Schulsozialarbeiterin an der Joseph-Christian-Schule. Die Schüler sind in der neunten Klasse oder älter.

Darüber hinaus haben sich Schüler dieser Schulen in den vergangenen Tagen auch am Aufbau der Ausstellung beteiligt, die im ersten und zweiten Obergeschoss des Rathauses zu sehen ist. Ein Arbeitskreis aus fünf Lehrern dieser Schulen und Karen Maurer haben zudem das Begleitprogramm auf die Beine gestellt (siehe unten).

Bei der Eröffnung ist folgendes Programm vorgesehen. Nach einem Klezmer-Musikstück werden Bürgermeister Marcus Schafft und Landrat Dr. Heiko Schmid ein Grußwort sprechen. Nach einem erneuten Musikstück folgen Ansprachen von Andreas Heinzel und Friederike Höhndorf (beide vom Demokratiezentrum Biberach) und dann von Patrick Siegle vom Anne-Frank-Zentrum. Danach ist eine Kurzführung durch die Ausstellung geplant, die von Schülern gemacht wird.

Begleitprogramm

Ausstellungsführungen für Gruppen oder Einzelpersonen bis maximal 30 Personen

Termine: Donnerstag, 17. Januar, 15 bis 17 Uhr; Dienstag, 22. Januar, 15 bis 17 Uhr und Donnerstag, 31. Januar, 15 bis 17 Uhr; Um vorherige Anmeldung wird gebeten unter Telefon 07371/927446 oder 07371/18312; per E-Mail an: schulsozialarbeit.riedlingen@online.de.

Die Ausstellung kann auch ohne Führung zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.

Lesung von Charlotte Mayenberger

Termin: Mittwoch, 16. Januar, von 19 bis 20.30 Uhr im Richard-Hohly-Saal der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule. Charlotte Mayenberger liest Passagen aus ihrem Buch „Die Erinnerung darf nicht enden“ über Moritz Vierfelder und die Familie Bernheim. Die Lesung wird durdch das Musikensemble „KBZ Riedlingen und Freunde“ umrahmt.

Musikensemble „KBZ Riedlingen und Freunde“

Termine: Freitag, 18. Januar, 15 Uhr und Mittwoch, 30. Januar, 18 Uhr im Rathaus Riedlingen. Das Musikensemble unter der Leitung von Bernd Geisler trägt verschiedene Musikstücke vor, unter anderem Mauthausen Kantate, Klezmer Stücke, Bert Brecht „Was ist der Mensch ohne einen Pass?“; Shahba: Lied über Aleppo oder „Der Deserteur“ von Boris Vian.

Stolpersteine-Führung

Termin: Samstag, 19. Januar, ab 10 Uhr; Treffpunkt am Rathaus; Jörg Boßler bietet eine Führung zu den Stolpersteinen in der Stadt an. Diese erinnern an Opfer des Nationalsozialismus in Riedlingen.

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