Ein Riedlinger Schatz wird vorgestellt

Lesedauer: 4 Min
Winfried Aßfalg (links) und Berno Heymer (rechts) betrachten eines von Gertrud Wiedra restaurierten Hinterglasbild. (Foto: Eva Winkhart)
Schwäbische Zeitung
Eva Winkhart

Der Altertumsverein Riedlingen präsentiert seine bedeutende Hinterglasbildersammlung nun nicht nur im Museum Schöne Stiege, sondern auch in einem Buch: Berno Heymer und Winfried Aßfalg „Hinterglasmalerei“. In einem gut besuchten Vortrag in der Schalterhalle der Kreissparkasse Riedlingen zeigte Professor Dr. Berno Heymer, profunder Kenner dieser Kunstgattung aus Ulm, an ausgesuchten Beispielen, wie er solche Bilder zuzuordnen versucht.

Jedes Zeitalter habe seine ganz bestimmten Techniken, Malstile, Motive und auch Rahmen, mit deren Hilfe er die Bilder nach ihrer Herkunft (Provenienz) einordnen und bestimmten bekannten Malern zuschreiben könne. Allerdings beschreibt er selber dieses Vorgehen oft als „Spekulation“.

Zu Beginn machte Heymer dem Publikum den Unterschied zwischen Glasmalerei und Hinterglasmalerei deutlich. Bei erster Form werden die Farbpigmente in die flüssige Glasmasse eingefügt. So entstehen beispielsweise Kirchenfenster. Zum Durchblicken. Dagegen: Blickt man auf die Farben hinter der Glasscheibe, kann nicht hindurch sehen, das Licht wird reflektiert – die Hinterglasmalerei.

In einem Überblick zeigte Heymer, dass seit 2000 Jahren diese zweite Technik angewandt wird, mit christlichen und profanen Motiven bis in die Moderne. Das Besondere an der Hinterglasmalerei: Der Künstler gestaltet sein Bild schichtweise nach rückwärts; zuerst wird der Vordergrund gemalt, dann der Mittelgrund, zum Schluss der Hintergrund. Ganz anders als auf Leinwand oder Papier.

In seinen Fotografien der Schauseite und der entsprechenden Malseite diverser Bilder konnte er dieses Vorgehen verdeutlichen. Sah man auf der Schauseite einen sorgfältig ausgestalteten Spitzenkragen in weiß und rot mit durchscheinendem Gold, waren auf der Malseite die Schichten zu erkennen, abgedeckt vom Gold.

Bezugnehmend auf seine Arbeit mit den Riedlinger Bildern erklärte Heymer, dass er die umfangreiche Sammlung nach ihrem Entstehungsgebiet und ihrer Entstehungszeit ordnete. Dabei war die Schwierigkeit, dass nur drei der 246 Bilder eindeutig signiert sind. Bei den restlichen 243 mussten Maler, Alter und Herkunft bestimmt werden. Dies gelang ihm auch – bis auf sieben. Sie erscheinen im Buch als „Provenienz unbekannt“.

Wie akribisch und nahezu detektivisch Heymer dabei vorging, erzählte er an verschiedenen Beispielen. Der Rahmen gebe ihm meist einen ersten Hinweis auf die Zeit der Entstehung – wenn er denn noch im Original vorhanden ist. Danach beschäftige ihn das Motiv; Kleinigkeiten gäben Auskunft über den Dargestellten. Daran knüpfe dann seine Forschungsarbeit.

Seine dritte Vorgehensweise hätte bei Winfried Aßfalg manches Zittern hervor gerufen: Er öffnete die Bilder und schaute unter die verschiedenen Schichten der Rückseite. Deren Machart, die verwendeten Farben und Metalle führten ihn dann in eine bestimmte Richtung. Sie in ein Zeitraster einzuordnen und in etwa einem Personenkreis als Hersteller zuzuordnen sei Ziel seiner Vorgehensweise.

So entstand mit Heymers Hilfe dieses besondere Buch der zerbrechlichen Kunstwerke: die Jahresgabe des Altertumsvereins Riedlingen. Es behandelt einen Schatz, eine Besonderheit des Museums Riedlingen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen