Ein Porträt von Pater Gregor Sorger, das von seiner Verwandten, der Riedlinger Künstlerin Gerda Sorger gemalt worden ist.
Ein Porträt von Pater Gregor Sorger, das von seiner Verwandten, der Riedlinger Künstlerin Gerda Sorger gemalt worden ist. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Weltweit werden Christen in vielen Ländern der Erde für ihren Glauben verfolgt. Oft bis zum Tod. So wie Pater Gregor Sorger. Der Benediktiner, dessen Bruder in Riedlingen lebte, starb am 15. November 1950 in einem „Gefängnisloch“ in Nordkorea. Auch wenn dies vor fast 70 Jahren geschah, vergessen ist es nicht. Für diesen Märtyrertod soll der Pater seliggesprochen werden. 2008 wurde dieses Verfahren begonnen, nun kommt es in die entscheidende Phase.

„Pater Gregor war ein sehr lieber Mensch, sehr hilfsbereit und um seinen Nächsten besorgt. Ich werde ihn nie vergessen“, schrieb Pater Odilo Ramroth 1954 an Friedrich Sorger. Der jüngere Bruder des Paters lebte in Riedlingen, ebenso wie die Künstlerin Gerda Sorger heute noch, die weitläufig mit Pater Gregor verwandt ist. Pater Sorger stammte ursprünglich aus Spaichingen, studierte zunächst Jura und trat 1927 in die Erzabtei Beuron ein. Er studierte dann noch Theologie und Philosophie. Pater Gregor sei ein Geistesmensch gewesen, sagt Pater Willibrord Driever aus der Abtei St. Ottilien, der sich intensiv mit dem Leben und Tod Pater Sorgers beschäftigt hat und der als „Postulator“ eine wichtige Rolle im Seligsprechungsprozess spielt.

1937 wurde Pater Sorger in die Beuroner Neugründung nach Japan gesandt. Nach Auflösung des Priorats kehrte er nicht nach Beuron zurück, sondern blieb in Asien, um missionarisch und pastoral zu wirken. „Er hat dort etwas für sich entdeckt, was er in Beuron nicht leben konnte“, sagt Pater Willibrord. Sorger ging 1940 in die Abtei Tokwon nach Nordkorea. In Tokwon war er vornehmlich als Lehrer tätig. „Er gab Unterricht in Musik, in Englisch und Deutsch. Er war bei den Mittelschülern beliebt“, schreibt Pater Odilo in seinem Brief an Friedrich Sorger.

Doch in den Wirren des Koreakriegs gerät Pater Sorger 1949 mit weiteren Patres und Nonnen in kommunistische Gefangenschaft. Zunächst kommt er in ein Gefängnis nach Pyongyang. „Schon der Aufenthalt im Gefängnis griff seine Gesundheit stark an. Von dauernden Durchfällen ermattet, kam er ins Lager und kam auch dort nie mehr zur Kraft“, schreibt die Lagerärztin und Benediktinerin Dr. Diomedes Meffert. Das Gefängnisloch sei ein „eiskalter, roh gedeckter Raum über dem blanken Erdboden“ gewesen. „Zu Essen gab es nichts als hie und da gesottene Maiskörner.“ Und in einer anderen Beschreibung aus dem Lager heißt es dann später: „Pater Gregor Sorger ist schon am dritten Tage ganz steif. Er verliert das Bewusstsein und stirbt in den Armen seiner Ärztin.“

Doch bei allen Schikanen und der körperlichen Schwäche – seinen Glauben hat der Benediktinerpater nicht verloren. „Allen Lagergenossen ist es wohl unvergesslich, wie er auf den weiten Wegen (...) stets den Rosenkranz in der Hand trug“, berichtet Dr. Meffert. Und in seinem Brief an Friedrich Sorger schreibt Pater Odilo: „Pater Gregor hat schwer unter seinem Schicksal gelitten, aber sich doch zur vollen Hingabe an den Willen Gottes durchgerungen. (...). Bei einem Fliegerangriff in Manpo (...) sah ich ihn allein in einem Zimmer aufrecht knien und beten.“ Und weiter unten heißt es: „Nach seinem Tod hatte Ihr lieber Bruder einen ganz himmlischen, engelhaften Gesichtsausdruck, viele von uns waren davon tief beeindruckt.“

Diese Nähe zu Gott im Tod ist auch ein Kriterium für das Seligsprechungsverfahren. Als Märtyrer soll Pater Sorger selig gesprochen werden. Die Initiative dafür ging von Süd-Korea aus, wie Pater Willibrord berichtet, da die Kirche in Nordkorea – wo das Martyrium stattfand – nicht mehr handlungsfähig sei. Von der südkoreanischen Benediktinerabtei Waegwan wurde der Prozess zur Seligsprechung Pater Gregor und seiner Gefährten eröffnet.

In der Gesinnung Jesu

Doch nicht jeder Getötete ist auch ein Märtyrer, wie Pater Willibrord erläutert. „Die Kirche hat genaue Kriterien.“ Der Getötete muss demnach den Tod bewusst in der Gesinnung Jesu und in der Feindesliebe angenommen und der Verfolger muss aus Hass gegen den christlichen Glauben gehandelt haben. Das alles wird in einem langen Verfahren geprüft (siehe Kasten). Doch Pater Willibrord glaubt, dass das Verfahren bei Pater Sorger in zwei Jahren abgeschlossen ist. Dann könnte der Pater auch hier in der Region als Seliger verehrt werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen