Ein kleines Privat-Konzert

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 Der Conrad Graf-Flügel, an dem Winfried Aßfalg sitzt, wird inspiziert von dem Pianisten Dmirty Ablogin (von links), Alfred Gros
Der Conrad Graf-Flügel, an dem Winfried Aßfalg sitzt, wird inspiziert von dem Pianisten Dmirty Ablogin (von links), Alfred Gross, Richard Heinzelmann, Jean Luc Iffrig und Michel Waechter. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Ich bin jedes Mal fasziniert von seiner musikalischen Wärme“, geriet der junge Pianist Dmitry Ablogin über den Conrad Graf-Flügel in Riedlingen ins Schwärmen. Ihn hatte Alfred Gross am Freitag für ein Privat-Konzert der ganz besonderen Art engagiert. Der Reutlinger unterrichtete Cembalo an der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen und an der Musikhochschule Stuttgart. Im Ruhestand widmet er sich jetzt der Konzerttätigkeit am Cembalo und seiner Sammlung historischer Instrumente. Sein Interesse daran führte ihn vor einigen Jahren zum Conrad Graf-Flügel nach Riedlingen und zu Winfried Aßfalg. Der wiederum wollte damals Empfehlungen für brillante Pianisten auf eben diesem Instrument und Gross nannte ihm Stefania Neonato, die am 27. April ein weiteres Mal zu einem Galerie-Konzert erwartet wird.

Als Kirchenmusiker lernte Gross zudem Jean Luc Iffrig kennen, Organist im Straßburger Münster und wiederum befreundet mit dem Straßburger Pianisten und Musikhochschullehrer Michel Gaechter. Sein Interesse an der Interpretation auf historischen Instrumenten führte die Männer zusammen und gemeinsam nach Riedlingen. Gaechter ist Besitzer eines Nachbaus eines Graf-Flügels und mit dessen Diskant-Register nicht ganz zufrieden. Deshalb brachte er seinen Klavierbauer Benjamin Renoux mit nach Riedlingen, der das Instrument inspizierte, um sich technische Anregungen zu holen, beobachtet auch von seiner jungen Auszubildenden.

Unschätzbare Kostbarkeit

Zu den aufmerksamen Zuhörern dieser privaten Konzertstunde gehörten zudem die Frau von Alfred Gross, Nicole Schwindt, die eine Professur an der Musikhochschule in Trossingen inne hat, die neue Vorsitzende des Altertumvereins, Christa Enderle, und nicht zuletzt Richard Heinzelmann, der den Flügel zuvor gestimmt hatte. Beeindruckt war aber auch Michael Schieble, neues Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Biberach, deren Stiftung BC – pro arte den Graf-Flügel erworben und ihn als Leihgabe in Riedlingen aufgestellt und Riedlingen damit eine unschätzbare Kostbarkeit beschert hat. Von der Museumsmannschaft waren Wolfram Teschner und Gerhard Diesch anwesend, der das Geschehen mit der Kamera einfing.

Dmitry Ablogin kam die Aufgabe zu, mit Werken von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Robert Schumann, Franz Xaver Dussek alle Facetten des Flügels auszuspielen und die Besonderheiten der einzelnen Register heraus zu stellen. Es war ein Hörgenuss. Beim Klavierspiel von Dmitry Ablogin habe man das Gefühl, er würde den Flügel „streicheln“, der gelockt werden müsse, schwärmte Gross. Auf Zuruf Wunsch-Kompositionen hören zu dürfen, das beglückte die hochkarätigen Fachleute.

Alfred Gross war auf den Pianisten aufmerksam geworden, als er im September 2018 online den Chopin-Wettbewerb auf historischen Instrumenten in Warschau verfolgte und Dmitry Ablogin als einen der Finalisten hörte. Den Preis hat er nicht gewonnen, „doch er war der Beste“, hält Gross fest, der sogleich Kontakt zu dem Musiker knüpfte und ihn vor wenigen Wochen schon einmal nach Riedlingen brachte. Ablogin ist weltweit unterwegs. Nach dem Abschluss seines Klavierstudiums in Moskau führte ihn das Interesse an historischen Instrumenten nach Frankfurt, wo er sein zweites Masterstudium in der Hammerklavier-Klasse von Professor Jesper Christensen abgeschlossen hat.

Nicht nur er zeigte sich begeistert von dem Flügel, auch aus dem Munde der anderen Musikfachleuten kamen Attribute wie „wunderschön“ oder die Feststellung, sein Klang sei „schwer in Worte zu fassen“. Dafür schmeichelten die dem Graf-Flügel entlockten Töne den Ohren der Zuhörer und animierten auch Michel Gaechter zum Spiel auf dem Instrument des kaiserlich-königlichen Hof-Fortepianomachers aus Wien, der in Riedlingen seine Wurzeln hatte. Deshalb versäumte es Aßfalg auch nicht, auf die Kostbarkeiten hinzuweisen, die der Altertumsverein zu bieten hat, neben zwei Lithografien eine Elfenbein-Alt- Blockflöte mit der Gravur „von Beethoven, geerbt Konrad Graf“.

Noch ganz beeindruckt von dem Musikerlebnis in Riedlingen fuhren die Gäste aus Straßburg zusammen mit dem jungen Pianisten nach Reutlingen, um dort die alten Instrumente von Alfred Gross bewundern und bespielen zu können.

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