Ein bleibendes Hörerlebnis

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Die Musikkapelle Grüningen entführte in die Welt der Sagen und Legenden – und auch ins Grüninger Schloss.
Die Musikkapelle Grüningen entführte in die Welt der Sagen und Legenden – und auch ins Grüninger Schloss. (Foto: Jonas Grathwohl)
Jonas Grathwohl

Beim Doppelkonzert in der hervorragend gefüllten Stadthalle Riedlingen haben der Musikverein Grüningen und die Musikkapelle Pflummern den etwa 350 Zuhörern ein vielseitiges Konzert geboten. Neben bekannten, prägnanten Melodien aus der Weltgeschichte waren auch Unbekanntes und zünftige Blasmusik zu hören, die rundum begeisterten.

Gleich zu Beginn eröffnete die Musikkapelle Pflummern unter der Leitung von Alexander Baur mit „Tirol 1809“ das niveauvolle Jahreskonzert. Wolfgang Wössners Arrangement „Bruce Springsteen on Stage“ ist eine melodienreiche und interessante Hommage an den Star. Die etwa 30 Musikerinnen und Musiker ließen ihre Instrumente facettenreich erklingen, um eindrucksvoll und kraftvoll die Stimmung in den bekannten Musikstücken Bruce Springsteens wiederzugeben. Stücke wie „Dancing in the Dark“ oder „Glory Days“ verbanden die Blechbläser rauschend in eine Verbindung mit dem Schlagwerk der Musikkapelle Pflummern.

Die Handlung des Musikstücks „The Witch and the Saint“ („Die Hexe und der Heilige“) von Steven Reineke könnte getrost auch im 17. Jahrhundert in Oberschwaben gespielt haben, als dort Hexenverbrennungen stattfanden. Das Musikstück beschreibt den Überlebenskampf zweier Schwestern. Gleich zu Beginn startete das Stück mit drei Schlägen, um die Dramatik zu steigern. Rasseln, Querflöten, wilder und fester, vielschichtige Harmonien, unterschiedlichen Klangfarben und unregelmäßigen Taktfolgen zeichneten das Stück aus, bei dem die Melodie dennoch stets erkennbar und die bedrohlichen Percussions im Vordergrund blieben.

Blues ist eine Musikrichtung, die nicht jedem Zuhörer gefällt. Der Musikverein Pflummern aber hat „The Blues Factory“ nach Jacob de Haan mitfühlend und auch mitreißend mit hüpfenden Triolen der Blechbläser und Dämpfern an den Trompetenregistern dargeboten. Als Abschluss ließ die Musikkapelle Pflummern „Joe Cocker“ nach einem Arrangement Wolfgang Wössners erklingen, das Woodstock und die größten Hits des bereits 2014 verstorbenen Sängers erinnerte. Nicht ohne eine Zugabe – der deutsche Militärmarsch „Hoch Heidecksburg“ – ließen die Zuhörer die Musikkapelle Pflummern von der Bühne ziehen.

Auch der Musikverein Grüningen bescherte mit seiner Auswahl an Musikstücken ein bleibendes Hörerlebnis und entführte die Zuhörer in das Reich der Mythen, Sagen und Legenden. Facettenreich hatten Nachwuchsdirigent Patrick Helfert und Stammdirigent Stefan Kopp vielfältige und interessante Musikstücke ausgewählt, die der Musikverein Grüningen gekonnt darbot. „Blue Ridge Sage“ von James Swearingen wurde mit einem mal stillen, mal gewaltigen Gesamtorchester eröffnet. Neben dem ruhigen Auftakt zeigt das Musikstück auch ein tänzerisch schnelles Thema der Holzbläser und einen romantisch-stilvollen Mittelteil. Die Zuhörer wurden in den Osten der USA versetzt, in dem das Blue Ridge Gebirge liegt. Land und Leben, aber auch die Vertreibung der dort lebenden Indianerstämme und das Überleben ihrer Nachfahren wurden hier vorgestellt.

In die tiefen Täler des Schwarzwaldes ging es mit den rund 35 Musikerinnen und Musiker beim Stück „Dramatic Tales“ nach Markus Götz. Das Liedgut wurde im Jahr 2018 bei der 750-Jahrfeier der Stadt Todtmoos uraufgeführt und vertont eine örtliche Sage, nach der die Einwohner aus einem Sumpf mit giftigen Dämpfen gerettet wurden. Seitdem ist die Stadt im Schwarzwald auch bei Pilgern und Wallfahrern bekannt. Die Musikerinnen und Musiker begannen das tück rauschend und effektvoll, ein sentimentales Gegenthema leitete dann über in eine schneller werdende Musik, in dem sich vor allem das Schlagwerk des Orchesters anschließt.

Im Grüninger Schloss

Die Legende vom Grüninger Schloss hat Hans Blank in der Suite „Das alte Schloss“ vertont. Im makellosen Zusammenspiel der einzelnen Register zeigten die Grüninger ihre Verbundenheit zur Heimat und zu den Schlossbesitzern, der Familie von Hornstein. Die Melodie beginnt ganz zart, mit Nebelschwaden und einer Solopassage der Hörner bis hin zum Tutti im fließenden Vierertakt. Ein Tanz im Walzertakt beschreibt den Schlossgarten mit grüner Wiese und duftenden Blumen. Im dritten Teil spielen Musikanten im Schlosshof auf, kompakte Klänge wechseln mit transparenten Passagen, mit vorwärtsdrängenden Abschnitte und leicht ins Ohr gehenden Themen. Die vierte Passage beschreibt dann die Geisterstunde zur Mitternacht mit einem heulenden, polternden, kichernden Schlossgespenst. Der Abschluss des Musikstücks bildet die Träumerei, denn das alte Schloss erstrahlt dort wieder im neuen Glanz.

In einem wunderbaren Klanggemälde präsentierten die Musiker „Moby Dick“ von Michael Geisler und mit „We are the World“ nach Michael Jackson und Lionel Richie als Zugabe, das als Spendensong für eine Hungersnot in Äthiopien komponiert wurde, beendete der Musikverein Grüningen das mit viel Applaus bedachte Doppelkonzert.

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