Ein Bachfan mit Doktorhut in Daugendorf

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 Priester und Kirchenmusiker: Pfarrvikar Mayanja tritt die Nachfolge von Pfarrvikar Uwe Grau in Daugendorf an. Am Sonntag wird e
Priester und Kirchenmusiker: Pfarrvikar Mayanja tritt die Nachfolge von Pfarrvikar Uwe Grau in Daugendorf an. Am Sonntag wird er ins Amt eingeführt. (Foto: Bruno Jungwirth)
Redaktionsleitung

Seit 2007 ist Pfarrer Mayanja Gonzaga in Deutschland. Zuletzt war er vier Jahre in Mössingen tätig. Nun kommt der 42-jährige Ugander nach Daugendorf und tritt die Nachfolge von Uwe Grau an. „Oberschwaben ist für mich ganz neu, das wird spannend“, sagt der Pfarrvikar. Am Sonntag wird Pfarrer Mayanja bei einem Gottesdienst in St. Georg offiziell in sein Amt eingesetzt.

Im Pfarrhaus in Daugendorf stapeln sich etliche Umzugskartons. Erst am vergangenen Sonntag ist der 42-Jährige in Mössingen verabschiedet worden. Seither ist er nun in Daugendorf und ist schon ganz angetan. Eine schöne Gegend, sagt er. Und ein beeindruckendes Haus. „Ich bin inspiriert von diesem Pfarrhaus“, erzählt er. In dem Gebäude zu wohnen, das einst die Äbte aus Zwiefalten als Sommerresidenz nutzten, sei eine überwältigende Erfahrung, erzählt er in fließendem Deutsch.

Aber es ist noch etwas anderes, das ihm gut gefällt: Dass die Menschen aus Daugendorf ihm offen begegnen. Bei seinen Spaziergängen sei er bereits angesprochen worden. „Es ist selten, dass man Leute trifft und sich gleich ein Gespräch entwickelt“, findet er.

Pfarrer Mayanja Gonzaga Lutwama, wie er mit vollem Namen heißt, stammt aus der Nähe der ugandischen Hauptstadt Kampala. Er hat zwölf Geschwister, stammt aus einer religiösen Familie. Mit zehn Jahren hatte er bereits den Wunsch Priester zu werden. Mit elf Jahren ging er in ein Priesterseminar, das mehr als 100 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt war. In Uganda hat er Theologie und Philosophie studiert und wurde 2004 zum Priester geweiht. Drei Jahre hat er hernach dort in der Seelsorge gearbeitet, ehe er 2007 nach Deutschland kam.

„Am Anfang war es schwer, die Heimat zu verlassen“, sagt er. Dieser „Kulturschock“ hat er inzwischen längst überwunden. Deutschland sei für ihn inzwischen auch ein Stück Heimat geworden. In Rottenburg hat er Kirchenmusik studiert und auch den Abschluss gemacht. Zudem hat er in Deutschland am Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Tübingen promoviert. Seit Thema: „Kleine christliche Gemeinschaften“. Die Amtskirche mit den großen Seelsorgeeinheiten und den wenigen Priestern erreicht die Menschen nicht mehr. Ihm geht es darum, die Botschaft von Jesu zu den Menschen zu bringen. Also lautet doch die Frage: „Wie die Kirche gestalten, dass die Botschaft bei den Menschen ankommt?“

Unter kleinen christlichen Gemeinschaften versteht er wirklich kleine Zellen – mehrere Familien, die sich zusammenschließen und Glauben gemeinsam leben. Der Messgang am Sonntag sei zentral, aber zu wenig: „Den Glauben gemeinsam gestalten ist sehr wichtig“, sagt er – jeder solle seinen Platz in der Kirche finden. Dieses Thema, davon ist er überzeugt, ist nicht nur eines für Deutschland oder Europa. In Afrika, Asien oder Lateinamerika sei das schon verbreitet. Auch in Deutschland gibt es Ansätze. Hier gibt es auch Gruppen, die etwa die Bibel teilen... Aber, so seine Erfahrung, meist bleiben die Menschen unter Gleichgesinnten. Er würde gerne diese Grenzen aufbrechen: „Das ist nicht genug für ein lebendiges Christentum. Man muss offen sein, dass alle Zugang dazu haben.“

Neben seinem Beruf hat Pfarrvikar Mayanja noch eine weitere Leidenschaft, die er auch weiter pflegen will: die Musik beziehungsweise die Kirchenmusik. Schon in frühen Jahren hat am Seminar Klavier gelernt, in Deutschland hat er das Studium der Kirchenmusik erfolgreich abgeschlossen. Das will er auch in Daugendorf pflegen. Er könnte sich auch vorstellen, in der Region Orgelkonzerte zu geben. Die Möglichkeit zu üben hat er in seiner Wohnung mit seiner digitalen Orgel. Die ist zwar auch noch eingepackt, steht aber schon an der richtigen Stellen.

Ganz ins Schwärmen gerät der 42-Jährige, wenn er über den Komponisten Johann Sebastian Bach spricht. Schon als kleiner Junge habe ihm Bach gefallen, erzählt er: „Die Barockmusik von Bach ist die beste, die es gibt“, sagt er. Diese treffe die Seele, das Herz, bewege den ganzen Menschen. „Sie ist genial“, sagt er.

Vergangene Woche hat sich der Pfarrer aus Mössingen verabschiedet. Aber es war kein Abschied unter Tränen. „Wir haben vier Jahre gemeinsame Zeit gefeiert, es war ein Fest.“ Er wird noch zu den Menschen in Kontakt halten, aber auch durch einen Verein, den er ins Leben gerufen hat: den Cecilia Förderverein Uganda, der Projekte in Uganda unterstützen will.

Und nun ist er in Oberschwaben, in Daugendorf. Weil hier direkt nach seinem Studium eine 100 Prozent-Stelle frei war, weil ihm die Region gefallen hat, hat er zugesagt, die Nachfolge von Pfarrvikar Grau anzutreten. Bisher war er eher in evangelisch geprägten Gegenden eingesetzt. Aber Pfarrer Mayanja ist keiner, der den Blick nach hinten richtet: „Ich komme hierher ganz glücklich, ganz zufrieden, ganz erfüllt.“

Vieles bringt er durch seine Erfahrungen mit für diese Arbeit in der Region. Nur eines fehlt ihm noch: ein Fahrrad, erzählt er schmunzelnd. Zumindest hätten ihm dies die Menschen in Gespräche erzählt, dass er das hier braucht.

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