Drangvolle Enge in der Berufsschule in Burkina Faso

Lesedauer: 5 Min
Mechtild Kniele

Die Corona-Pandemie ist weltweit zu beobachten und auch das afrikanische Land Burkina Faso ist betroffen, eines der ärmsten Länder der Welt. Es gibt keinen direkten Zugang zum Meer, alles muss teuer importiert werden und für die über 20 Millionen Einwohner gibt es wenig Arbeitsplätze. Für die Bewohner ist dies jedoch nicht das vordergründige Problem; viel größere Sorgen bereiten Flüchtlinge und Vertriebene, die vor dem islamischen Terror im Norden des Landes in die Stadt Kaya im Süden geflohen sind. Kaya ist ein Bischofssitz in Burkina Faso und die Wirkungsstätte von Dr. Emanuel Sawadogo, der Theologie und Erziehungswissenschaften studiert hat und Deutschland gut kennt. Er war auch schon ein paar Mal in Riedlingen, um Pfarrer Walter Stegmann in den Sommerferien zu vertreten und er pflegt darüber hinaus viele persönliche Kontakte in der Donaustadt. In diesem Jahr waren pandemiebedingt keine Reisen für ihn möglich, doch die sozialen Medien ermöglichen einen regen Austausch.

Der Geistliche versorgt Marlene Müller vom Treffpunkt Weltkirche über WhatsApp nicht nur mit Textnachrichten, sondern auch mit Bildern, welche häufig noch eindringlicher die große Not des Landes verdeutlichen.

Traumatisierte Frauen und Kinder

In Kaya, einer Stadt mit 90 000 Einwohnern, halten sich derzeit 400 000 Flüchtlinge auf, die im Süden bleiben wollen. Viele Frauen und Kinder sind darunter, die viel Unmenschliches ansehen mussten und häufig traumatisiert sind. Dazu kommt noch eine Hungersnot im Land, denn die Regenzeit im Sommer war so heftig, dass die Niederschläge die Saat weggespült hatten und so ist die Ernte weitestgehend ausgefallen. Die Lebensmittelpreise haben sich verdoppelt und Dr. Emanuel Sawadogo fürchtet, dass durch den anhaltenden Klimawandel keine Besserung in Sicht sein wird.

Umso wichtiger ist es, dass Kinder und Jugendliche Schulen besuchen und eine vernünftige Ausbildung beginnen können, denn nur dies sichert ihnen eine Existenz. Dankbar ist der Priester für jede Art von Unterstützung aus Riedlingen, denn gerade bei der Schneider-Berufsschule, die es seit fünf Jahren gibt und die der Geistliche aufgebaut hat, ist die Nachfrage enorm. Hier werden vor allem Frauen, aber auch Männer mit Behinderungen, für die es in Burkina Faso keine Arbeit gibt, ausgebildet im Schneiderhandwerk. Das duale System der Bundesrepublik dient als Vorbild und so teilt sich der Unterricht in Theorie und Praxis.

Drangvolle Enge in der Schule

Für 60 Personen sind die Schulräume vorgesehen, doch über 140 Auszubildende besuchen diese Schule, so dass in drangvoller Enge unterrichtet werden muss. Viele Frauen haben ihre Kinder dabei, die sonst ohne Aufsicht wären und diese müssen den ganzen Tag auf dem Schulhof verbringen. Dringend muss diese sehr nutzbringende Schule erweitert werden, doch momentan ist kein Geld da zum Bauen. Dass die Schule effektiv arbeitet, zeigt übrigens die hohe Rate von erfolgreichen Abschlüssen: 98 Prozent erhalten nach drei Jahren ihr Abschlussdiplom und eine eigene Nähmaschine. Diese ist Garant für Arbeit und eine Existenzgrundlage für die Frauen und Männer, die am Rand der Gesellschaft leben müssen.

Meist gelesen in der Umgebung
Mehr Inhalte zum Dossier
Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen