Dieser Wohlklang geht unter die Haut

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 Andreas Koller musiziert mit der Brass Band Oberschwaben-Allgäu in St. Georg.
Andreas Koller musiziert mit der Brass Band Oberschwaben-Allgäu in St. Georg. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Die Brass Band Oberschwaben-Allgäu hat in St. Georg mit Klangvielfalt und harmonischer Reinheit begeistert. Diese Wohlklänge gingen unter die Haut. Schade, dass sich nur relativ wenige Besucher für dieses besondere Klangerlebnis Zeit genommen haben, zumal die Blasmusikszene in unserer Region doch recht gut aufgestellt ist.

Wer sich unter Brass Band lediglich ein Zusammenführen möglichst vieler und durchweg lauter Blasmusik vorstellt, wurde beim Auftritt der Brass Band Oberschwaben-Allgäu eines Besseren belehrt.

Entstanden vor 200 Jahren bei den Gruben- und Textilarbeitern in Nordengland, hat sich diese Weise des Musizierens in der Sphäre eines sinfonischen Blechblasorchesters angesiedelt. Lediglich Marimbaphon und ausgewählte Vertreter der Schlagzeugszene erweitern den in sich geschlossenen Metallbläser-Klangcharakter ohne jegliche Art technischer Unterstützung oder Verstärkung.

Die Brass-Band-Szene in Deutschland, so stellte der Dirigent Andreas Koller fest, sei noch sehr jung. Als eine der Vorreiterinnen zählt die Brass Band Oberschwaben-Allgäu zu den Pionieren dieser Art konzertanten Musizierens. Das spürte man auch beim Auftritt in Riedlingen an dem in allen Phasen ungemein homogenen Klang.

Erhabene Klänge in der Kirche

Erhabene Töne eines Quartetts im rückwärtigen Raum der Kirche bildeten im Verbund mit dem Plenum den dezenten Auftakt zu einem Hörerlebnis der besonderen Art. Erst im Verlauf von „Remointze“ von Ludovic Neurohr weitete sich der Gesamtklang zu einem vielschichtigen, jedoch in sich harmonisch abgeschlossenen Klangvolumen voll interessanter Strukturen. Solistische Passagen etwa der Posaunen fanden ihren Widerhall als gedämpfte eingängige Antwort auch in den tiefen Registern, die im zartem Piano endeten.

Von ganz anderer Art „Crown Imperial“ von William Walton: federnd, rhythmisch mit klar ausgewiesenen Eckpunkten in moderner gut strukturierter Tonsprache. Doch auch hier sorgten lyrische Momente vom Euphonium für orchestrale Vielfalt. Klare Akkorde und rhythmisch durchzogene Sequenzen der marschähnlichen Thematik galten als königliche Reverenz wie auch als interessantes Gesicht der Band.

Im Gotteshaus erklang passend mit weichen Klängen des Plenums das „Pie Jesu“ von Andrew Lloyd Webber. Liedhafte Passagen als Zwiegespräch zweier Cornets berührten die Zuhörer durch ihren bezaubernden Wohlklang.

Auch „Riften Wed“ von Julie Giroux beginnt mit getragener Thematik im Klangbereich der tiefen Register. Sie bildeten in ihrer Beschaulichkeit die Basis für aufsteigende Tendenzen etwa der Trompeten. Doch alles blieb so transparent, dass auch die spezielle Klangfarbe von zwei Marimbaphons mühelos ins musikalische Geschehen eingebunden werden konnte. In dieser klanglichen Ausgewogenheit könnte man sich bis zum Schlussakkord verlieren.

In eine andere musikalische Sphäre passte das Wilhelm-Tell-Finale von Gioachino Rossini. Schwungvoll, voll innerem Temperament, musizierte das Orchester brillant und virtuos, was mit besonders viel Beifall gewürdigt wurde. In eine geographisch und musikalisch andere Gegend führten die Musiker die Zuhörer mit „Nimrod“ von Edward Elger. Der englische Komponist ist bekannt für musikalisch gut ins Ohr gehende Werke. So weist auch „Nimrod“ melodische Sequenzen auf, die mit viel Empfindungskraft homogen abgerundet in Szene gesetzt wurden. Besonders der klanglich gut ausgearbeitete Wechsel zwischen voluminösen und diskreten Phasen zeigte den hohen Stand der Musiker.

„Shine As The Light“ zeigte abschließend noch einmal den Klangreichtum der gut besetzten Brass Band in all ihren faszinierenden Schattierungen. Kurzgefasste und fast unvermittelt strahlende Passagen bildeten eine Balance von melodischer Thematik und effektvoller Darstellung. Solistische Passagen wechselten mit Kleingruppen innerhalb der Register. Sie ließen die Komposition in immer wieder verändertem Licht erscheinen, sodass das gesamte Instrumentarium von den Bläsern bis zum Glockenspiel sich in seiner Klangvielfalt ausleben konnte.

Den Applaus im Stehen beantwortete die Brass Band Oberschwaben-Allgäu mit einer wunderbar harmonisch abgerundeten Zugabe. Besonders die Wärme von Tenorhörnern und Euphoniums als Gegenwert zu hellen Passagen des Solisten zeigte, auf welch hoher Qualitätsstufe die Brass Band Oberschwaben-Allgäu musiziert.

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