Die „prominente Fachwerkstadt“ beeindruckt

Lesedauer: 6 Min
Waltraud Wolf

Der Gang durch die Stadt hat am Anfang der Veranstaltung der „Fachwerk-Triennale 2019“ der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte am Dienstag in Riedlingen gestanden. Bürgermeister Marcus Schafft und vor allem Stadtbaumeister Wolfgang Weiss zeigten in Begleitung des Sanierungsbeauftragten der Stadt, Clemens Künster, und seines Mitarbeiters Mathieu Chupin, womit Riedlingen als Fachwerkstadt punkten kann, aber auch, wo noch Handlungsbedarf besteht. Vor allem Geschäftsführerin Maren Sommer-Frohms äußerte sich beeindruckt von dem bereits Sanierten und erkannte die Herausforderungen bei anstehenden Objekten.

Bevor man der Mühlinsel und dem „Schwanen“ zustrebte, dem Projekt, dem die besondere Aufmerksamkeit an diesem Tag galt, stellte Stadtbaumeister Weiss noch die gemeinsamen Pläne von Stadt und Investoren vor: Nach dem Abbruch eines Schuppens soll die Stadtmauer wieder sichtbar werden, danach wird der Vorplatz gemeinsam angelegt mit Aufgang zu der Parkanlage beim Rathaus.

Erhalten und weiterentwickeln

Als „positives Beispiel, wie es gehen kann, wenn alle an einem Strick ziehen“ bezeichnete Weiss das Vorhaben, das einher geht mit der Stadtsanierung und später am Mühlbach mit der Gartenschau-Planung. Zurück im Kapuzinerkloster, bezeichnete Bürgermeister Schafft Riedlingen als eine „sehr prominente Fachwerkstadt“ mit auch architektonischen Besonderheiten. Das unter Denkmalschutz stehende Gesamtensemble und Einzelobjekte sorgten für Herausforderungen, böten aber auch Chancen. Mehr als zehn Millionen Euro seien in den vergangenen 20 Jahren in die Stadtsanierung geflossen. Es gelte, das Mittelalterliche zu erhalten, aber auch weiter zu entwickeln, mahnte er. Riedlingen als nachhaltige Stadt müsse im Bau- und Denkmalrecht diskutieren, wie sie verwirklicht werden könne.

Gut aufgestellt sah er Riedlingen bei den demografischen Voraussetzungen, liege das Durchschnittsalter doch bei 48 Jahren. Die Hälfte der Menschen, die nach Riedlingen zugezogen seien, hätten einen deutschen Pass, ein Viertel komme aus dem europäischen Raum, vermerkte er zu einem der Themen, die auch die Fachwerk-Triennale beschäftigt.

Geschäftsführerin Maren Sommer-Frohms benannte die Schwerpunkte der Fachwerk-Triennale 2019 der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, die erstmals in Riedlingen tagte. Zum Thema Klimaschutz in Fachwerkstädten soll im Freilichtmuseum Hessenpark ein Musterhaus für zeitgenössisches Wohnen im historischen Fachwerk entstehen. Weitere Städte stellen sich in Pilotprojekten der energetischen Erneuerung einer Fachwerkstadt. Zum Stichwort Bürgerfonds haben sich Initiativen gebildet, die sich für historische Fachwerkstädte und Ortszentren engagieren, um sie erhalten zu können.

„Schwanen“ ist beherztes Projekt

Riedlingen gehört mit der Sanierung des „Schwanen“ und dem angrenzenden Neubau zum dritten Schwerpunkt: Integration und Qualifikation. Zum einen, weil die beiden Gebäude auch für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung gedacht waren und zum anderen, weil am Bau Migranten gearbeitet und dadurch Qualifikationen erworben haben und damit ein Stück weit Integration stattgefunden hat. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Baugewerbe, „auch eine große Chance“, so Sommer-Frohms. Sie nannte die Sanierung des „Schwanen“ mit Erstellung eines Neubaus ein beherztes Projekt, in dem Stadt und Investoren für sie beispielhaft zusammengewirkt hätten und zeigte sich beeindruckt.

Bürgermeister Schafft hatte es zuvor ein „echtes Vorzeigeprojekt“ genannt, mit dem sozialer Wohnungsbau und Fachwerk-Altstadt gezielt verknüpft worden seien, um die Altstadt und deren Strukturen zu stärken.

Die AG ist 1978 entstanden in der „Euphorie des Denkmalschutzes“. Sie sieht als ihre Aufgabe an, die Attraktivität und Lebensqualität in den Fachwerkstädten zu steigern. Dass man hier vielleicht auch andere Wege gehen müsse, um heutigen Ansprüchen zu genügen, wurde bei der Diskussion deutlich. So sagte Bürgermeister Schafft, für ihn sei am wichtigsten, dass ein denkmalgeschütztes Haus genutzt werde. Themen, die bei der Abschlussveranstaltung in Berlin angesprochen werden könnten, wie auch die dringende Forderung von Axel Henle, für Investoren und Eigentümer Rechtssicherheit bei der Bemessungsgrundlage für die Abschreibung und bei den Zuschüssen zu sorgen.

Notwendig seien hierzu externe Berater, wurde festgehalten. Uwe Ferber von der StadtLand GmbH, welche die Arbeitsgemeinschaft betreut, könnte sich hierzu sogar einen Workshop vorstellen. Profitieren könnten davon die Eigentümer im neu aufgelegten Landessanierungsprogramm mit der städtebaulichen Erneuerungsmaßnahme Weilerstraße – Zentrum – Mühlvorstadt, von Mathieu Chupin vom Büro Künster dargelegt, wie auch die bereits abgeschlossenen Stadtsanierungsgebiete.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen