Die neue Rolle der Schulanfänger

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Prof. Angela Teichert von der SRH Fernhochschule.
Prof. Angela Teichert von der SRH Fernhochschule. (Foto: SRH Fernhochschule)
Schwäbische Zeitung

Viele Kinder fiebern der Einschulung entgegen, die Eltern sind aufgeregt und sind stolz auf das Kind mit der großen bunten Schultüte. Doch was bedeutet dieser Eintritt in die Schule für die Kinder? Prof. Dr. Angela Teichert, Studiengangsleiterin für Soziale Arbeit (B.A.) an der SRH Fernhochschule mit Sitz in Riedlingen, hat sich mit dieser Frage genauer befasst.

Viel Aufmerksamkeit wird auf den Wechsel vom Kindergarten in die Schule gerichtet, weil er zu einer gelingenden Kindheit beiträgt: „Der Eintritt in die Schule ist ein ganz besonderer Übergang für die Kinder, denn sie bekommen eine neue Rolle und damit einen neuen Status. Neue Rollen sind immer mit neuen Aufgaben, Anforderungen und Kompetenzen verbunden und stärken so das Selbstbewusstsein. Eine neue Rolle muss jedoch immer erst erlernt werden,“ erklärt Prof. Teichert.

Gerade Erstklässler freuen sich auf ihre neue Rolle und sind stolz, allein zur Schule zu gehen mit einem Ranzen voller Bücher, bedeutet es doch ein Stück Selbstständigkeit. Mit dem Schulstart steigert sich allerdings auch das Lernpensum und durch die Hausaufgaben wird die Freizeit knapper. „Zudem stellen die Eltern hohe Erwartungen an ihre Kinder und füllen die Nachmittage zusätzlich mit Freizeit- und Sportaktivitäten – die Tage sind durchgetaktet,“ so die Professorin. „Dabei werden Kinder oftmals mit der Idealvorstellung eines Schulkindes verglichen. Dies führt dazu, dass sich die Kinder als unvollkommen wahrgenommen fühlen.“ Bereits die Jüngsten fühlen sich so unter Druck gesetzt und es baut sich Stress auf. Die Folge ist ein Teufelskreis: Die Kinder verlernen kreativ zu sein sowie ihre Freizeit selbstständig und sinnvoll zu gestalten.

Den Eltern empfiehlt sie daher, gelassen zu bleiben und sich auf die Werte einer glücklichen Kindheit zu besinnen. „Viele Eltern sprechen vom Ernst des Lebens oder sagen ‚du musst lernen, damit später etwas aus dir wird‘. So wird die Schule ausschließlich auf die Zukunft gerichtet. Kinder können allerdings die Zukunftsorientierung nicht überblicken, die Gegenwart verliert dadurch für sie an Bedeutung. Eltern sollten nicht zulassen, dass die Kindheit zu einer ‚Durchgangsphase‘ wird. Wichtig ist, den Schulkindern Raum für Kreativität und Entfaltung zu geben.“

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