Die Erinnerung an einen „Gerechten unter den Völkern“ wachhalten

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 Bürgermeister Marcus Schafft, Joachim Mußotter, Marlis Glaser, Angelika Mauch und Markus Mußotter (von links) vor den beiden Bi
Bürgermeister Marcus Schafft, Joachim Mußotter, Marlis Glaser, Angelika Mauch und Markus Mußotter (von links) vor den beiden Bildern, dem Porträt von Ludwig Walz und „Ludwig pflanzt einen Baum“. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Sehr berührend war die Bildübergabe im Riedlinger Rathaus, die am 30. Todestag zur Gedenkstunde für Ludwig Walz wurde. Nicht die Entstehung der Eichenau, die seiner Initiative und seinem Einsatz als Riedlinger Bürgermeister von 1947 bis 1954 zu verdanken ist und 150 Flüchtlingen Heimat bot, stand dabei im Mittelpunkt. Gewürdigt wurde sein Einsatz für jüdische Mitbürger und hier insbesondere für die jüdische Gemeinde in Buttenhausen während des Dritten Reiches.

Zwischen 1934 und 1942 brachte er einmal wöchentlich bei Nacht Lebensmittel auf die Alb. Und er scheute sich trotz der Gefahr für sich und seine Familie auch nicht, Juden noch während ihrer Deportation mit Essen zu versorgen. Eine davon war die Familie des Rabbiners Naphtali Berlinger. Er selber starb im Konzentrationslager in Theresienstadt an Auszehrung. Seine Tochter Jette Gut-Berlinger war es, die Ludwig Walz zur Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ in Israel vorschlug, dem Ehrentitel für nichtjüdische Personen, die während der nationalsozialistischen Diktatur ihr Leben für die verfolgten Juden einsetzten.

Bild im öffentlichen Raum

Und hier kommt Marlis Glaser ins Spiel, die Malerin aus Attenweiler, die es sich in ihrem „Abraham-Projekt“ zur Aufgabe gemacht hat, Porträts von jüdischen Verfolgten und Überlebenden zu malen und sie so dem Vergessen zu entreißen. Sponsoren, wie der einstige Verleger und Redaktionsleiter der Schwäbischen Zeitung in Ehingen, Veit Feger, sorgen dafür, dass diese Bilder im öffentlichen Raum gezeigt werden können. So auch in Riedlingen, wo jetzt das Porträt von Ludwig Walz im Sitzungssaal seinen Platz gefunden hat. Dazu das Werk „Und Ludwig pflanzte einen Baum“, gehört doch das Pflanzen eines Baumes mit zu der Auszeichnung als „Gerechter unter den Völkern“.

Video-Botschaft aus New York

Eine Video-Botschaft von Aron Berlinger aus New York machte den Anwesenden im Sitzungssaal auf eindrucksvolle Weise deutlich, welche Wertschätzung Ludwig Walz ob seines Einsatzes genoss. Begegnungen mit der Familie Berlinger gab es nach dem Krieg in Israel und Deutschland.

Wenn sie die zu Porträtierenden nicht mehr selber erleben könne, suche sie sich einen Zugang über Briefe, Berichte und Schilderungen zu der Person, so die Malerin. Im Falle von Ludwig Walz hätten sie insbesondere die Briefe inspiriert, die er an die Berlingers geschrieben habe. Aus ihnen wird seine enge Verbundenheit zu der Familie, aber auch zu ihrem Glauben deutlich. „Wie gerne wäre ich in Shavei Zion in Gemeinschaft derer, die in der Synagoge sind…“ Seine Beziehung zum Judentum, zu Freunden, zu ihm wichtigen Menschen in Israel, seine Güte, seine Liebe zu Menschen und natürlich, das Pflanzen eines Baumes seien wichtige Aspekte bei der Gestaltung der beiden Bilder gewesen, die zusammen gehörten. Dies drückte sich bei der Wahl der Farben aus, „in der Farbigkeit mild, ohne zu starke Kontraste“, aber auch im Gesichtsausdruck, der Güte ausstrahlt.

„Wie gut ist es, dass es Menschen wie Ludwig Walz gab, Mut machend und Menschlichkeit zeigend, ohne antijüdische Ressentiments oder Geringschätzung des Judentums“, hielt sie fest. Und: „Es ist gut, dass es heute Sponsoren wie Veit Feger gibt, der das ermöglicht“. Seit 2008 bezahle und spende er Bilder für Schulen, Kommunen, Museen und kirchliche Einrichtungen zur Erinnerung an die deutsch-jüdische Geschichte.

Musste für Engagement büßen

Veit Feger sagte zu seiner Zusammenarbeit mit Marlis Glaser: „Ich kaufe bei ihr Porträts, die sie malt von wichtigen Menschen, zu deren Gedächtnis wir beitragen wollen.“ Dabei sei ihm wichtig, dass diese Bilder an einem auffallenden Ort hängen würden, denn: „Sie sind für die Öffentlichkeit gedacht“. Dafür, dass das Bild von Ludwig Walz im Sitzungssaal seinen Platz fand, dankte er der Stadt. Der Ertinger Künstler Gerold Jäggle – der das Relief von Ludwig Walz schuf, das 2016 am Rathaus angebracht wurde – habe ihn für das Projekt vorgeschlagen und Heimatforscher Prof. Winfried Aßfalg den Wunsch dem Bürgermeister vorgetragen.

Für ihn, so Feger, sei an der Person Ludwig Walz auch wichtig gewesen, dass er für sein Engagement insbesondere für jüdische Menschen in Buttenhausen büßen musste. Man vergegenwärtige sich leider viel zu wenig, dass der Tapfere und Recht handelnde oft für sein Verhalten nicht gelobt, sondern bestraft werde. Sei Walz auch dank eines Aufsatzes von Eberhard Zacher nicht vergessen, so war es Fegers Anliegen, den evangelischen Pfarrer Julius Vogt mehr ins Bewusstsein zu rücken: Als Walz es nicht mehr wagte, die Häuser der Juden in Buttenhausen zu betreten, war er es, der die Waren entgegen nahm und verteilte.

Leben und Werk

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Bürgermeister Marcus Schafft Leben und Wirken von Ludwig Walz Revue passieren lassen und an die Benennung einer Straße nach ihm 2009 erinnert. An der Gedenkstunde teilgenommen haben mit Angelika Mauch und Jürgen und Markus Mußotter auch drei Enkel, die aus Lörrach, Nürnberg und Rosenheim angereist waren. Kurz ging Schafft auch auf den Werdegang von Marlis Glaser ein, die in Baltringen geboren wurde und 1998 wieder nach Oberschwaben zurückkehrte. 2004, 2007 und 2008 erschienen von ihr Kataloge mit Bildern zu Else Lasker-Schüler, Symbole jüdischer Feiertage und Bäume aus Jerusalem, Bilder über Menschen in Shavei Zion und deutschsprachige Emigranten und Überlebende des Holocaust und deren Kinder in Israel.

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