Container brennen vor Flüchtlingsheim

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

In einer Gemeinschaftsunterkunft in Riedlingen sind von Unbekannten gegen 2.15 Uhr in der Nacht auf Samstag Papiercontainer angezündet worden. Zudem wurden Hakenkreuz-Schmierereien rund um das Gebäude in der Gammertinger Straße angebracht. Die Kriminalpolizei ermittelt. Eine Gefahr für die 47 dort untergebrachten Flüchtlinge aus Syrien bestand nicht.

Gegen 2.30 Uhr ging der Notruf der Flüchtlinge bei der Polizei ein, berichtet der stellv. Leiter des Staatsschutzes, Erwin Kaufmann. Auch die Leitstelle Biberach wurde kurz darauf informiert. Als Polizei und Feuerwehr dann wenige Minuten später vor Ort waren, hatten die Bewohner des Hauses den Brand in den Containern bereits gelöscht.

Ob die Container vorsätzlich angezündet wurden, wird von der Polizei untersucht. Nach derzeitigem Stand gibt es keinen Hinweis auf Brandbeschleuniger, so der Leiter der Kriminalpolizeidirektion Ulm, Bernd Hummel. Die beiden Container könnten auch durch weggeworfene Zigaretten in Brand geraten sein. Dies wird weiter untersucht. „Wir können nichts ausschließen und nichts bestätigen“, so Hummel.

Parolen und Schmierereien

An einem Container und einer Hauswand entlang finden sich ausländerfeindliche Schmierereien. An die Toiletten- und Duschcontainer, an Fenstern und Wände sind acht Hakenkreuze – wenn auch falsch herum hingeschmiert – angebracht.

Die Ermittlungen der Kripo Ulm sind angelaufen, die Spurensicherung ist seit dem frühen Morgen auf dem Gelände unterwegs, die Flüchtlinge werden befragt. Derzeit gebe es noch keine konkreten Anhaltspunkte, so Hummel gegen 9 Uhr am Samstagmorgen.

Gesucht wird derzeit nach fünf Jugendlichen, die gegen 22 Uhr beim Flüchtlingsheim waren. Vier Männer und eine Frau seien in den Hof gekommen und haben das Gespräch mit den Flüchtlingen gesucht. Die fünf waren alkoholisiert, so die Polizei. Nach ersten Befragungen der Syrer verlief das Gespräch entspannt, heißt es von der Kripo. Ob diese Jugendlichen mit den Schmierereien in Zusammenhang stehen, könne derzeit noch nicht beantwortet werden, so Hummel.

Dass es derzeit im ganzen Land ausländerfeindliche Aktionen gibt, bestätigen die Polizisten. Auch Papiercontainer brennen immer wieder. Doch brennende Container und rechte Schmierereien gemeinsam haben eine andere Qualität. „Im Kreis Biberach hatten wir diese in den vergangenen zehn Jahren nicht“, heißt es von der Polizei.

Angst unter den Flüchtlingen

Unter den Syrern, die seit rund einer Woche in diesem Flüchtlingsheim untergebracht sind, herrscht gedrückte Stimmung. „Viele haben Angst, dass es nochmals passiert“, sagt einer von ihnen. „Wir verstehen nicht, warum dies jemand macht? Die Menschen in dieser Stadt waren bisher alle freundlich zu uns.“ Sie seien doch nur hier, weil die humanitäre Lage in ihrem Heimatland sie dazu gezwungen habe. Die Flüchtlinge hoffen nun auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen durch Landkreis und Stadt.

Verantwortliche vor Ort

Verantwortliche von Stadt und Kreis waren in der Nacht noch vor Ort. So haben sich bereits in den frühen Morgenstunden die Riedlinger Hauptamtsleiterin Anita Missel, der zuständige Sachgebietsleiter im Landratsamt Jürgen Kraft und der Leiter des Kreissozialamts, Hermann Kienle sowie weitere Mitarbeiter des Landratsamts um die Flüchtlinge gekümmert. Auch Landrat Dr. Heiko Schmid und die Bürgermeister-Stellvertreterin Dorothea Kraus-Kieferle haben sich am Morgen in der Gammertinger Straße ein Bild gemacht. Gemeinsam werde man nun überlegen, wie man die Sicherheit verbessern könne, ohne Zäune hochzuziehen, so der Landrat. „Wir wollen keinen Ghetto-Charakter“, sagte Schmid.

Die Polizei sucht Zeugen. Wer in der Nacht auf Samstag im Bereich des Flüchtlingsheims verdächtige Fahrzeuge oder Personen bemerkt hat und Hinweise geben kann, sollte sich bitte mit der Kriminalpolizei in Ulm in Verbindung setzen. Telefon 0731/188-0.

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