Aus für Riedlinger Klinik: Bürgerinitiative mahnt bei Sana mangelndes Konzept an

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 Axel Henle nahm für den BI-Vorstand Stellung zum Ergebnis der Kreistagssitzung in Aßmannshardt.
Axel Henle nahm für den BI-Vorstand Stellung zum Ergebnis der Kreistagssitzung in Aßmannshardt. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Riedlinger Krankenhauses erkennt in dem Beschluss des Biberacher Kreistags für die Verwaltung und die beteiligten Partner „klare Vorgaben zur Entwicklung der Gesundheitsversorgung im Raum Riedlingen“, geht aber mit Sana-Regionalgeschäftsführer Andreas Ruland hart ins Gericht.

Als „zynisch“ kritisiert wird dessen Verhalten gegenüber einem Interessenten für ein auf „Riedlingen abgestimmtes medizinisches Konzept“, dem beschieden worden sei, dass Sana ihm keine Betten zur Verfügung stelle und die Raumschaft sich diesbezüglich ans Sozialministerium wenden solle.

Als „nicht zielführend, respektlos gegenüber den betroffenen Bürgern und ein fatales Signal“ wird Rulands Bemerkung gewertet, Patienten könnten auch zu Ärzten nach Sigmaringen und Bad Saulgau gehen.

Bereits seit 2013 sei es der Bürgerinitiative ein großes Anliegen, ablösende Strukturen zum stationären Bereich zu schaffen, um auf die Ambulantisierung des Leistungsspektrums in Riedlingen reagieren zu können.

Die BI habe beides als zwei parallel verlaufende Prozesse betrachtet. Dazu sollten Möglichkeiten geprüft werden, um stationäre spezialisierte Strukturen, analog zum Modell Laupheim, erhalten zu können.  

Das „vermeintliche Vorhaben“ der Sana, dies ohne Spezialisierung bewerkstelligen zu können, habe die BI kritisch begleitet. Den Hinweis von Minister Manfred Lucha, dass das Haus aufgrund unterlassener Entwicklung nicht mehr benötigt werde, „können wir nachvollziehen“, so BI-Vorstands-Mitglied Axel Henle.

Beklagt wird überdies ein mangelndes Konzept von Sana zur Umwidmung von Krankenhäusern in ambulante Versorgungstrukturen, wie das Land Baden-Württemberg dies fördere und ausdrücklich wünsche.

Auch bei der Kreistagssitzung sei dies nicht vorgelegt worden. BI-Vorstandsmitglied Axel Henle verweist in diesem Zusammenhang auf einen Besuch des gesamten Vorstandes der Bürgerinitiative am 14. Dezember 2015 im Sozialministerium bei Dr. Monika Vierheilig.

Schon damals sei die Notwendigkeit eines solchen Konzeptes dargelegt und danach von der Bürgerinitiative bei Sana und Landkreis immer wieder angemahnt worden. Rulands Hinweis auf einen halben benötigten Facharzt-Sitz seitens der Kassenärztlichen Zulassungsstelle könne man nicht als Konzept für Riedlingen betrachten.

Henles Vorwurf geht noch weiter: „Herr Ruland agiert gezielt gegen die Ambulantisierung vor Ort und hat in der Kreistagssitzung angekündigt, dass der OP für ambulante Eingriffe in Riedlingen ab 30. Juni 2020 nicht mehr zur Verfügung steht“.

Damit sei für den Vorstand der BI klar, dass Ruland die Ambulantisierung vor Ort nicht unterstütze, „sondern die ambulanten Strukturen Riedlingen wegnehmen möchte“.

Auf die Wortmeldung von Kreisrat Alfred Braig eingehend, der äußerte, dass eine Facharzt-Zulassung sich wohl kaum über Druck von Sana, Landkreis und anderen erreichen lasse, erklärt der BI-Vorstand: Für Riedlingen gelte wieder das Prinzip Hoffnung.

Das Resümee des BI-Vorstandes ist bitter: Aufgrund von Ankündigungen in der Vergangenheit, denen sich Ruland „in den letzten Jahren kaum verpflichtet gefühlt hat“, falle es ihm schwer, Versprechungen Glauben zu schenken.

Das Urteil ist noch rigoroser: „Der durch Sana aufgrund unterlassener Entwicklung und unprofessionellen Handlings einer Klinikschließung entstandene Totalschaden verdeutlicht, dass Sana mit Herrn Ruland nicht in der Lage ist, eine kreisweite Versorgung zu leisten oder durch Schaffung von ablösenden Strukturen dem Strukturwandel zu begegnen.“   

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