Auf eigenen Beinen in die Selbstständigkeit

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Statt sie mit dem Auto zu fahren, sollten Eltern mit ihren Kindern den Weg in die Schule üben.
Statt sie mit dem Auto zu fahren, sollten Eltern mit ihren Kindern den Weg in die Schule üben. (Foto: Peter Gercke/dpa)
Eva Winkhart

„Schule hat begonnen“, ist auf den leuchtend gelben Spannbändern nahe den Schulen zu lesen, dazu die Bitte, langsam zu fahren. Die Gemeinden installieren diese großformatigen Hinweise der Verkehrswacht zum ersten Tag im neuen Schuljahr. Am höheren Verkehrsaufkommen, an mehr Linienbussen, mehr Radfahrern, mehr Fußgängern ist dieser Tag auch für die anderen Verkehrsteilnehmer deutlich sichtbar. Die ganz Winzigen, bei denen der Schulranzen fast größer ist als das Kind, die neuen Erstklässler, stoßen erst im Laufe der Woche zur Menge der in die Schulen Strömenden. Die Sicherheit aller Schüler ist nun besonders im Fokus – auch bei der Polizei.

In den ersten beiden Schulwochen werden die Schulwege und die gefährlichen Stellen vor den Schulen konsequent überwacht, so der stellvertretende Revierleiter der Polizei in Riedlingen, Guntram Rößler. Morgens, zum Schulanfang, und um die Mittagszeit, zum Ende des Vormittagsunterrichts, werden Fußgänger und Fahrräder beobachtet, die Räder eventuell überprüft. Besonders wird auf Auffälligkeiten geachtet, wenn Eltern die Kinder mit dem Auto zur Schule bringen oder von dort abholen. Dabei wählten die Autofahrer nicht unbedingt den sicheren Weg, so Rößler. Gefährliches Rangieren und zu hohe Geschwindigkeit wären in der Vergangenheit häufiger Anlass zur Sorge gewesen. In diesen Fällen würden Gespräche geführt, auf Fehler hingewiesen, auf optimales Verhalten eingewirkt; Sanktionen stünden im Hintergrund. Hin und wieder müssten Eltern überzeugt werden, dass die Sicherheitsaspekte besonders in diesen Bereichen wichtig seien. „Eltern sind im Fokus, denn die haben Vorbildfunktion“, sagt Rößler. Auch sollten die Eltern ihren Kindern den geübten und bekannten Schulweg zutrauen und ihnen vertrauen, die Polizei und die Schulen in der Verkehrserziehung unterstützen: „Wenn die Eltern uns nicht unterstützen, haben wir es schwer.“

Übereinstimmend äußern sich dazu auch die Schulleiter der Grundschulen im Bereich um Riedlingen. An den Elternabenden zu Schuljahresbeginn werde die Schulwegsicherheit besprochen, die Eltern auf die neuralgischen Punkte um das Schulgelände und die strikten Halteverbote hingewiesen. Verkehrserziehung sei in allen Klassen obligatorisch. Auch die Sicherheitsweste, die jedes Kind bei der Einschulung bekommt, biete einen gewissen Schutz und sollte regelmäßig benützt werden. Verkehrserziehungsbeauftragte im Lehrerkollegium sind Ansprechpartner und Koordinatoren. In den meisten Schulen, beispielsweise in Langenenslingen, hängen Schulwegpläne aus.

Martin Romer, Rektor der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule in Riedlingen, weist auf den Elternbrief hin, der den Schulkindern am ersten Schultag ausgehändigt werde. Darin sei der Aspekt Schulwegsicherheit der erste Punkt, auch mit dem Fingerzeig auf die kommende dunkle Jahreszeit. Dass Eltern nur in Ausnahmefällen ihr Kind mit dem Auto bringen sollten, ist hier ebenfalls verzeichnet. Romer sagt dazu: „Schulreif heißt auch, dass das Kind bei zumutbarer Entfernung zu Fuß in die Schule geht.“ Geübt soll der Schulweg vorher sein. Die Buskinder der Eingangsklassen würden in den ersten Tagen von den Klassenlehrern zum Bus begleitet. Außerdem organisiert die Schule jedes Jahr mit dem örtlichen Busunternehmen und der Polizei in den ersten Schulwochen ein Bussicherheitstraining, bei dem das korrekte Verhalten an der Bushaltestelle und im Bus trainiert werde.

Auch in Bad Buchau an der Federseeschule ist solch ein Bustraining Teil des Schulanfangs für die neuen Erst- und Fünftklässler. Mit einer Besonderheit in Bezug auf die Sicherheit für Schüler kann die Federseeschule punkten: Sie hat Schülerlotsen. Mindestens 20, so Rektorin Elisabeth Sontheimer-Leonhardt, sind ausgebildet; zwei haben täglich Dienst am Zebrastreifen vor der Schule. Mit Warnweste und Kelle sorgen sie für ein sicheres Queren der Straße vor und nach dem Unterricht. Betreut von einer Lehrkraft, gehen sie auch in die Klassen, um sich und ihre Aufgabe vorzustellen. Einen Schulwegeplan erhalten die Eltern der ersten Klassen am Eingangselternabend; Hinweise zur Verkehrssicherheit sind auf der Homepage der Schule zu finden.

Das Bustraining für die Erstklässler gibt es ebenfalls in der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule in Ertingen, so Rektor Markus Geiselhart. Und auch hier müssten Eltern immer wieder darauf hingewiesen werden, nicht die Bushaltestelle zuzuparken oder in zweiter Reihe ihr Auto abzustellen, um gefährliche Situationen für die Schüler zu vermeiden.

In Unlingen, sagt Rektorin Andrea Häbe, fahren die Klassenlehrer in der ersten Zeit mit den neuen Buskindern gemeinsam. Und im Oktober werde an der Donau-Bussen-Schule ein Fahrrad-Aktionstag veranstaltet, für alle Grundschüler. Dabei übten sie an verschiedenen Stationen die Sicherheit auf und mit dem Rad; das mitgebrachte Fahrrad werde überprüft.

Ein Schulweg zu Fuß oder – nach der Radfahrprüfung in der vierten Klasse – mit dem Fahrrad zurückgelegt, biete den Kindern eine Möglichkeit, mit einander zu kommunizieren. Das ist für Rektorin Silvia Volz in Uttenweiler ein nicht zu übersehender Aspekt, der zur Kindheit gehöre: „Das geht häufig verloren.“ Und sie ergänzt: „Die Kinder wachsen an ihren Aufgaben.“

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