Auf den Spuren des KZ-Häftlings Kupfer-Koberwitz

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Beklemmende Eindrücke haben die Jugendlichen der Beruflichen Schule bei ihrem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau gesammelt.
Beklemmende Eindrücke haben die Jugendlichen der Beruflichen Schule bei ihrem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau gesammelt. (Foto: Berufliche Schule)
Schwäbische Zeitung

Eine bewegende Fahrt haben 82 Schüler der Beruflichen Schule in Riedlingen angetreten. Zusammen mit ihren Lehrern Nikolai Winter, Lucia LaNoce, Irina Kretschmar, Doris Hagel, Jens Boss und Vera Magino fuhren sie zur KZ-Gedenkstätte Dachau, um dort mehr über die Zeit des Dritten Reichs und den Umgang mit damals „nicht gewollten“ Menschen zu erfahren.

Gleich bei der Ankunft begrüßten drei Führer die Klassen, um sie in den nächsten zweieinhalb Stunden zu begleiten. Museumsführer Hans Thiel veranschaulichte den Schülern der Klassen 2BFW/H1 und 1BKFH die Schicksale der Gefangenen mit Hilfe von Zitaten eines Häftlings namens Edgar Kupfer-Koberwitz. Dieser hatte es geschafft, die Zeit im KZ zu überleben und zugleich noch Tagebuch zu führen. Machbar war für ihn eine solch „ungeheure“ Tat, weil er als Schreiber des KZ Zugang zu Stift und Papier hatte und seine Aufschriebe in einer lockeren Bodenplatte verstecken konnte.

Sarkastische Inschrift

Thiele führte die Schüler und ihre Begleiter zuerst an einen Übersichtsplan des damaligen KZs, erläuterte dessen Entstehung und die heutige Bestimmung als Gedenkstätte. Anschließend ging es auf den Spuren Kupfer-Koberwitz’ durch das allseits bekannte Eisentor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ zu einer Birkengruppe, die am Rande des Appellplatzes steht. Dort wurde zuerst einmal über den Sarkasmus der Torinschrift nachgedacht – den Schülern wurde dort sogleich bewusst, dass dieses Lager in Dachau eine einzige Schmähung der Würde und der Integrität der Inhaftierten gewesen sein muss.

Anschließend führte der Gang ins Museum, wo den Schülern der Prozess der Häftlingsaufnahme vor Augen geführt wurde. Die Inhaftierten mussten sich in Reihen vor großen Schreibtischen aufbauen und nach Aufruf dort ihre Kleider und all ihre Habe abgeben. Sodann erhielten sie eine Nummer, die ihren Namen für die Lagerzeit ersetzte. Anschließend ging es für sie zum Waschen und Ankleiden und dann waren sie Häftlinge des NS-Regimes im KZ Dachau.

Geschockt und irritiert sind wohl die richtigen Begriffe, um die Reaktionen der Schüler auf diese Vorgänge und weitere im KZ Dachau begangene Gräueltaten zu beschreiben. Auch die Schlaf- und Waschsäle zeigten den Schülern, wie eng und beklemmend die Inhaftierten leben mussten. Ende 1944 lebten über 63 000 Häftlinge im KZ Dachau und seinen Außenlagern: Das Lager selbst war für zirka 5000 Menschen ausgelegt.

Lagerunterlagen zufolge kamen in der Lagerzeit rund 32 000 Menschen zu Tode, der Ausstellungskatalog im KZ Dachau selbst spricht sogar von mehr als 41 500 Toten. Viele der Einzelexekutionen oder auch die Erschießung tausender russischer Kriegsgefangener blieben in den Unterlagen des Lagers unerfasst. Am Ende der fast zweieinhalbstündigen Führung waren die Schüler zwar ziemlich erschöpft, aber auch angefüllt mit neuem Wissen zu einer sehr dunklen Etappe der deutschen Geschichte.

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