Auch im Alltag gab es Widerstand

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Die Schülerinnen bei der Ausstellungseröffnung (von links) Paula Ziegler, Victoria Rebhun, Pauline Kegele und Julie Erdmann (es
Die Schülerinnen bei der Ausstellungseröffnung (von links) Paula Ziegler, Victoria Rebhun, Pauline Kegele und Julie Erdmann (es fehlt: Matthias Hering); rechts sind die Schulleiterin Anja Blüthgen sowie Gemeinderat Jörg Boßler zu sehen. (Foto: Fotos: jungwirht)
Redaktionsleitung

Sophie und Hans Scholl sind bekannt als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, genauso Georg Elser oder Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Doch gab es auch den Widerstand im Kleinen, im Alltag? Damit hat sich eine Gruppe von fünf Schülern des Kreisgymnasiums in Kooperation mit dem Gymnasium in Bruneck/Südtirol befasst. Ihr Ergebnis: Es gab viele Menschen, die sich im Alltag den Anordnungen des Regimes widersetzten.

Am Freitagabend ist die Ausstellung „Un-Angepasst“ im Foyer der Kreissparkasse eröffnet worden. Festrednerin vor rund 40 Besuchern war die Lokalhistorikerin Charlotte Mayenberger aus Bad Buchau, die den Schülern Lob zollte: „Ich war erstaunt, was ihr alles zusammengetragen habt.“ Zuvor hatte der stellvertretende Regionaldirektor Herbert Fisel die Gäste begrüßt und ebenfalls an einen Akt des Widerstands erinnerte: Dass die Panzersperren in Neufra zu Kriegsende trotz SS-Anordnung nicht errichtet wurden.

Seit Jahren beschäftigen sich Schüler unter der Leitung von Lehrer Otmar Schneider mit dem Thema des Widerstands gegen die Nationalsozialisten. Ausstellungen gab es bereits zu Graf von Stauffenberg, zu Frauen im Widerstand und nun Widerstand im Kleinen. Gemeinsam mit Schülern des Gymnasiums in Bruneck haben sich die Riedlinger näher mit dem Thema beschäftigt und ihre Facetten dieser Thematik näher beleuchtet.

Zunächst habe man das Thema Widerstand näher definiert und sich bewusst für den „kleinen Widerstand“ entschieden, erläuterte Otmar Schneider. Die Frage „Was hätte ich gemacht?“ könne jeder für sich selbst beantworten, wie er damals reagiert hätte. Die großen Beispiele des Widerstands seien zu groß, um sich daran zu orientieren, so Schneider. Der Fokus wurde gerichtet auf den „angepassten Widerstand“ – ein Begriff, den Schneider von Charlotte Mayenberger entlehnte.

Jule Erdmann aus Pfronstetten hat sich näher mit dem Thema „kirchlicher Widerstand“ befasst und Zeitzeugen gesucht. Und wurde bei der Freundin ihrer Oma fündig: Die 88-Jährige berichtete von ihrer Mutter, die gegen den Willen der Nazis am Ort ihre Zwangsarbeiter mit am Tisch sitzen ließ und auch Zwangsarbeiterinnen am Ort Essen zukommen ließ. Auch davon, dass ihre Eltern heimlich BBC hörten – was sie aber erst später realisierte.

Pauline Kegel hat sich mit dem Thema der Euthanasie auseinandergesetzt und sich mit dem ZfP in Zwiefalten befasst. So ist sie bei ihren Recherchen etwa auf einen Oberarzt gestoßen, der die ersten Meldebögen für die Patienten nicht ausfüllte. Viktoria Rebhuhn aus Ertingen hat sich mit den Juden in Bad Buchau beschäftigt und dabei ein Interview mit Charlotte Mayenberger zu dem Thema geführt.

Paula Ziegler aus Dürmentingen ist der Frage nachgegangen, wie die Leute auf das missglückte Attentat vom 20. Juli reagiert haben. Und Matthias Hering, der an der Eröffnung nicht anwesend sein konnte, hat sich näher mit dem ehemaligen Riedlinger Bürgermeister Ludwig Walz befasst, der während der NS-Zeit über Jahre Juden in Buttenhausen mit Lebensmitteln unterstützte.

„Allgemeines Interesse an Geschichte“ hat die Schüler dazu veranlasst, sich in der AG zu engagieren – obwohl vier der fünf bereits im nächsten Jahr Abitur machen. Aber auch das Thema hat sie angesprochen, eben weil es nicht um „Heldentaten“, sondern um den Alltagswiderstand ging. Auch die Zusammenarbeit mit Schülern aus Bruneck hat gereizt. Zwei gemeinsame Treffen gab es, ansonsten haben sich die Bruneckser Themen aus ihrer Region gesucht, so wie die Riedlinger dies für hier getan haben. Die Ergebnisse wurden dann ausgetauscht.

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