Redaktionsleitung

„Und glücklich preiset sich die Stadt, die solches aufzuweisen hat...“ – heißt es im Riedlinger Gole-Lied. Aber der Gole herrscht nur in Riedlingen, doch auch in den Teilorten gibt es eine schöne Fasnet. Und während der Gole in Messkirch bei der Ausfahrt das Volk beglückt, wird in Zwiefaltendorf am Rosenmontag Hausfasnet gefeiert – mit Fasnetsmarkt, kleinem, aber feinem Umzug und der Wahl zum „Beschden Häs“ der kreativen Gruppen.

Die Zahl der Zuschauer beim Hausumzug hält sich in Grenzen. Am Anfang steht nur eine Gruppe Versprengter am Straßenrand. Kein Wunder – laufen doch viele Zwiefaltendorfer selbst mit. Auch die Strecke ist nicht allzu lang. Gerade mal 200 bis 300 Meter. Aber das hält die Akteure nicht davon ab, sich mächtig ins Zeug zu legen.

Kreativ und lustig ist dieser Umzug. Die Musikkapelle voran, dann folgen schon die Kreativgruppen: Für alle Besucher gibt es mit den Kindergartenkindern ein Wiedersehen mit der „Sendung mit der Maus“. Kleine Mäuse und blaue Elefanten ziehen durch Zwiefaltendorfs Straßen. Ebenfalls eine Kindheitserinnerung: Hübsche „Barbies“ und „Kens“ der Landjugend sind unterwegs, ehe die Bachbahner und die Hexen des Narrenvereins vorbeimarschieren. Cool die Jungs vom Narrenverein. „Das Leben ist eine Achterbahn“, rufen sie ihr Motto – und dementsprechend haben sie sich verkleidet. „Nach oben“, „nach links“, gibt einer vor – und die ganze Achterbahncrew „fährt“ mit. Weiß und Schwarz gekleidet, als Spielkarten dekoriert, zeigt die Mädelsgruppe ihr Pokerface, bevor es noch raketenmäßig abgeht.

Eine Gruppe in grauen Astronautenanzügen und mit selbstgebastelten Raketen zieht durch die Straßen. „Siedlung?– hebt ab!“, schreien die Astronauten. Beim zweiten Mal klappt es auch mit den Zuschauern: „Siedlung?“ „Hebt ab“, schallt es vom Straßenrand zurück.

Die Gruppe besteht aus Bewohnern von rund zehn Häusern der „Siedlung“, wie Silke Müller hernach erzählt. Rund zehn Häuser machen zusammen mit. So um Weihnachten wird das Motto ausgegrübelt und bis zur Fasnet wird gebastelt. Große Raketen, kleine Raketchen zum Umhängen fürs Publik, der Anzug der Astronauten... Männer und Frauen sind da ordentlich beschäftigt – aber mit Spaß zusammen. Eigentlich ist dieses Kostüm nur für den Hausumzug, allerdings haben sie in diesem Jahr schon einen Tanz beim Ball am Samstagabend aufgeführt.

Auch das Achterbahn-Kostüm der Jungs wird nur beim Hausumzug gezeigt, erzählt Narrenvereinsvorsitzender Steffen Löffler. Vergangenes Jahr war die Gruppe als Kaugummiautomaten verkleidet auch beim Umzug am Fasnetsdienstag zu sehen. Doch dieses Jahr ist der Auftritt in Zwiefaltendorf exklusiv.

Aber es geht ja um noch etwas: um den Pokal fürs „Beschde Häs“. Das wird im Anschluss beim Kinderball im Bürgersaal gewählt. Bereits zum vierten Mal steht die Wahl an. Die ersten beiden Jahre haben die Mädels gewonnen, beim dritten Sieg hätten sie den Wanderpokal behalten dürfen. Das konnte nicht angehen, also haben die Jungs sich vergangenes Jahr ins Zeug gelegt – allerdings trotzdem nicht gewonnen. Der Kindergarten hat das Rennen gemacht. Aber die Gefahr, dass die Mädels den Pokal endgültig behalten dürfen, war gebannt.

Seinen Abschluss findet der Umzug beim Bürgerhaus, wo sich rund 50 bis 100 Zuschauer eingefunden haben, um die Gruppen zu beklatschen. Und die Historie der Bachbahner zu erleben, die hier erzählt und nachgespielt wird. Vor rund 300 Jahren sollen die Zwiefaltendorfer versucht haben mit einem Bahnerschlitten die Aach von Dreck und Pflanzen zu reinigen. Der Erfolg blieb aus – im Gegenteil: Der Holz-Eisen-Schlitten sank auf den Grund und hat den Dreck erst ordentlich aufgewirbelt. Diesem Fehlschlag verdanken die Bachbahner ihren Namen. Am Rosenmontag wird deshalb Jahr für Jahr von den Masken der Schlitten ins Wassere geworfen, um dies zu veranschaulichen.

Die Hausfasnet in Zwiefaltendorf beginnt schon am Morgen beim Fasnetsmarkt. Beim Schloss waren allerlei Stände mit Raritäten, Besonderheiten. Der Narrenverein ist mit seinem Stand etwa ins Mittelalter umgezogen und hat ein entsprechendes Angebot – etwa besondere Seifen – unterbreitet. Aber auch einen Zickenparkplatz hatten sie dabei (siehe Foto), in dem die eine oder andere Besucherin Platz nehmen durfte. Auch SWR 4 war am Montag in Zwiefaltendorf mit seinem Radiomobil präsent und hat den Markt mit den rund 15 Ständen besucht. Für die Kinder hatten die Vereine des Dorfs noch einige Spiele ausgedacht.

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