19-Jähriger muss in den Jugendarrest

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Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss ein 19-Jähriger in den Jugendarrest.
Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss ein 19-Jähriger in den Jugendarrest. (Foto: Archiv: dpa/deck)
Stv. Redaktionsleitung

Mit der geballten Faust hat ein 19-Jähriger drei Mal jungen Männern grundlos ins Gesicht geschlagen. Für die vorsätzliche Körperverletzung und wegen seines Vorstrafenregisters muss der Angeklagte für zwei Wochen in den Jugendarrest. Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung konnte weder ihm noch dem zweiten Angeklagten nachgewiesen werden, der deshalb freigesprochen wurde. „Der verfluchte Alkohol ist das Problem“, sagte Richter Ralph Ettwein vom Riedlinger Amtsgericht.

Der zu Jugendarrest verdonnerte 19-Jährige ist, laut Zeugenaussage, in der Partyszene als Schläger bekannt. Auch mit Richter Ettwein hatte er schon des Öfteren zu tun. Und auch die Security kennt ihn von Veranstaltungen, bei denen er unangenehm aufgefallen ist. Vor Gericht saß am Mittwochmorgen ein junger Mann, der die Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft eher einsilbig beantwortete. Er gab zu, dass er mit der Faust zugeschlagen habe. „Ich war alkoholisiert und hatte mich nicht im Griff.“ Mit den Füßen getreten habe er nicht. „Haben Sie noch nie den Gedanken gehabt, dass bei Ihnen etwas im Argen liegt?“, fragte Richter Ettwein. „Man hört, dass man mit Ihnen auskommen kann, wenn sie nicht betrunken sind.“

Tatort des jüngsten Geschehens war die Exclusiv-Party in Langenenslingen am zweiten Weihnachtsfeiertag im vergangenen Jahr. Bis gegen zwei Uhr sei es, laut Zeugenaussage eines Security-Mannes, relativ friedlich gewesen. Bis dann die Gruppe junger Leute, zu der die beiden Angeklagten gehören, Stress gesucht habe.

Auf den ersten Geschädigten traf der 19-Jährige im Foyer. Der Angeklagte sei auf seinen Kumpel losgegangen und habe zugeschlagen, so ein Zeuge, der gesehen hatte, dass der Angeklagte mit dem rechten Arm, der zu dieser Zeit eingegipst war, ausgeholt habe. Der Angeklagte selbst behauptete mit links geschlagen zu haben. Auch beim zweiten Geschädigten gab es keine Vorgeschichte. Grundlos bekam er einen Faustschlag auf die Nase.

Der dritte Geschädigte wurde zweimal mit der Faust traktiert. Auch wollte er sich daran erinnern, dass er, nachdem er zu Boden gegangen war, mit Füßen gegen den Kopf getreten worden war. Allerdings konnte er vor Gericht nicht genau benennen, wer ihn getreten hatte. Es standen mehrere Leute herum und es war ein ziemliches Gedränge. Alle Zeugen gaben zu, ziemlich alkoholisiert gewesen zu sein, was manche Angaben etwas ungenau machte. Weil der zweite Angeklagte wegen der angeblichen Fußtritte wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht stand, aber zum Zeitpunkt des Geschehens gar nicht mehr auf der Party war, wurde er von dem Vorwurf freigesprochen.

Nicht so der geständige 19-Jährige, der bei Gericht wegen Beleidigung, Körperverletzung und Falschaussage bekannt ist. Er brauche ein klares Stoppsignal, bescheinigte die Jugendgerichtshilfe, die Jugendarrest mit Antiaggressionstraining und einem sozialen Trainingskurs als angemessen sah. „Sie machen sich vieles kaputt“, sagte Richter Ettwein. „Wir haben sie schon drei oder vier Mal hier gehabt. Sie sind kein Stinkstiefel.“ Aber es nütze ja nichts, wenn er sich dann am Wochenende betrinke und zuschlage. Man habe es mit Geld- und Arbeitsauflagen versucht. „Was sollen wir mit Ihnen machen?“, fragte Ettwein. „Es bleibt nur der Dauerarrest.“

Finger weg vom Alkohol

Für zwei Wochen muss der Angeklagte in die Arrestanstalt nach Göppingen und in der Zeit ein soziales Training absolvieren. Der Angeklagte habe ein intaktes Elternhaus, einen Schulabschluss und sei auf der Zielgeraden in der Berufsausbildung, bescheinigte Ettwein.

Er empfahl dem 19-Jährigen, die Finger vom Alkohol zu lassen. Wenn in den nächsten Monaten noch etwas dazu komme, habe er ein riesiges Problem, so der Richter. Dann gehe es um Jugendstrafe – und die beginne bei sechs Monaten Gefängnis.

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