150 Jahre Donautalbahn: Worauf es beim Verlauf der Bahntrasse ankam

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 Die heutige Donautalbahntrasse am Bahnhof Riedlingen.
Die heutige Donautalbahntrasse am Bahnhof Riedlingen. (Foto: Bruno Jungwirth)
Winfried Aßfalg

In diesem Herbst jährt es sich zum 150. Mal, dass die Donautalbahn ihren Fahrbetrieb zwischen Mengen und Riedlingen und ein Jahr später zwischen Riedlingen und Munderkingen-Ehingen aufnahm.

Die Diskussionen über die Streckenführung lagen Jahre zurück und jede Gemeinde entlang der gedachten und geplanten Strecke wollte nach Möglichkeit angefahren werden.

Am „eisernen Band der Schienen“ zu liegen bedeutete in jedem Fall Vorteil. Einen hierzu interessanten Leserbrief eines unbekannten Verfassers veröffentlichte die Riedlinger Zeitung am 23. Dezember 1865: „Der von den Herrn Eisenbahntechnikern aufgesteckten Eisenbahnlinie ist zu entnehmen, daß die Donautalbahn ihren Lauf von Munderkingen aus auf’s linke Donau-Ufer, nicht über’s Dobelthal, an der Alpseite herauf bis Zwiefaltendorf nehmen werde, wo ein Bahnhof erbaut werden soll. Von da aus ginge sie in möglichst gerader Richtung bei Zell über die Donau auf’s rechte Ufer den Riedwiesen zu, zwischen Unlingen und Daugendorf herauf über die Steinbrüche Riedlingen zu.“

Anziehungspunkt für Zugreisende: der Bussen

Zwischen Zwiefaltendorf und Riedlingen soll keine weitere Haltestation entstehen, so dass die nächst gelegenen Gemeinden Unlingen, Daugendorf, Göffingen, Haltingen, Dentingen, Offingen, Aderzhofen, Uigendorf, Dietelhofen und Möhringen Grund genug hätten, „die hohe Regierung um Errichtung einer Station auf der zwei Stunden Strecke zu bitten“.

Der Leserbriefschreiber schlägt vor, „eine Haltestation in der Nähe von Unlingen bei der Säg- oder Kernmühle“ zu errichten. Würde aber keine Haltestation errichtet, so hätte jeder dieser 4000 Bussen-Anwohner ein bis eineinhalb Stunden zur Eisenbahn.

Er verweist auf die „wunderschöne Rundschau vom Schwabenberg Bussen aus mit Blick auf eine der schönsten und reichsten Fruchtkammern in Württemberg“.

Neben der prachtvollen Fernsicht ist der Bussen als Wallfahrtsort ein sehr wohl zu berücksichtigender Anziehungspunkt. Deswegen würde auch die Station Unlingen am Fuße des Bussens für viele Reisende die nächste und natürlichste Gelegenheit gewähren, um den Bussen zu besteigen.

Es wäre zu wünschen gewesen, der Weg hätte den Herrn Minister hierher geführt.“ Von Unlingen aus dauert es noch eine halbe Stunde, um zu Fuß auf den Berg zu kommen, meint der Verfasser des Leserbriefes und fordert die betroffenen Einwohner auf, kein Opfer zu scheuen.

Einmalige Gelegenheit, ans Bahnnetz angeschlossen zu werden

„Einmal versäumt ist für alle Zeiten versäumt – wenn einmal die Eisenbahn an uns vorüberpfeifen würde, so würde jeder Fremde, der vom Bussen herniedersteigt, uns den gerechten Vorwurf machen können, dass wir uns nicht gerührt haben, während wir so im Gegentheil weit mehr in den Eisenbahnverkehr gelangen und zugleich Veranlassung geben würden, daß auch mit der Zeit die verödete Ruine mit ihrer prächtigen Aussicht auf das ganze weite Oberland eine auch ihrem geschichtlichen Interesse entsprechende Restauration erhält.“ Beide Wünsche und Ziele wurden im Prinzip in zeitlichen Abständen erreicht!

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