Wohlklang tschechischer Musik am Sonntagmorgen

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 Francesca Rivinius eröffnete am Sonntag die Orchestermatinee im Bräuhaussaal.
Francesca Rivinius eröffnete am Sonntag die Orchestermatinee im Bräuhaussaal. (Foto: Günter Vogel)

Das Universitätsorchester Ulm unter Leitung von Burkhard Wolf hat in Ochsenhausen ein Konzert mit Martinu und Dvorák gegeben. Francesca Rivinius eröffnete die Orchestermatinee im Bräuhaussaal mit dem 1952 komponierten Rhapsody-Concerto für Viola und Orchester von Bohuslav Martinu, schmeichelte den Zuhörerohren mit dem immensen Wohlklang dieses Instruments. Die italienische Viola, deutsche Bezeichnung Bratsche, ist eine wundersame Kombination aus dunkler Kraft und der Transluzenz einer historischen Viola d’amore.

Im eröffnenden „Moderato“ wird gleich zu Beginn eine romantische Stimmung erzeugt und von der Viola aufgenommen, die eine wunderschöne Cello-Klangtiefe hören lässt. Das Soloinstrument kokettiert mit den hohen Streichern und den Bläsern

Es folgt ein träumerisches „Molto Adagio“, das härter wird, verstärkende Disharmonien aufnimmt. Eine Kadenz fordert und erhält von der Künstlerin virtuose Gestaltungskraft. Nach schnellen Sechzehnteln des darauf folgenden „Allegro“ führt ein ruhiges Andante zum empfindsamen Schluss. Das Konzert hat starke vielfältige Ausdruckskraft und mitreißende, auch volksliedhafte Melodienfolgen. Francesca Rivinius lässt die klanglichen Schönheiten eines außergewöhnlichen Instruments aufblühen, gestaltet die technischen Anforderungen mit überlegener Souveränität.

Antonin Dvorák war ein Meister der klassisch-romantischen Tonsprache, in die er häufig Elemente böhmischer Volksmusik aufnahm. Die 7. Sinfonie d-moll wurde 1885 zu einem neuen Gipfelpunkt im sinfonischen Schaffen des Komponisten, ist der Beginn der drei großen Sinfonien des Komponisten, wie noch die Achte und die Neunte „Aus der neuen Welt.“ In seinem Werk kommen Naturverbundenheit, Religiosität wie auch berauschende Lebensfreude in vielfältigen Formen zum musikalischen Ausdruck.

Das „Allegro maestoso“ beginnt mit geheimnisvollen Urtönen, mit einem ruhigen, aber bedrohlich wirkenden Klangteppich, auf dem eine düstere Melodie ausgebreitet wird. Romantische Bläserphrasen setzen die Klangarchitektur fort. Das mündet in einen geruhsamen Dreiertakt mit repräsentativen Tutti. Der Satz endet pianissimo in düsterer Stimmung. Das „Adagio“ ist ein eher statutarischer Tonsatz mit fülligem tiefem Blech, dann mit Märchen assoziierenden Klangfolgen. Waldweben nannte Richard Wagner derartige Klang-Kumulationen, bei ihm waren es Siegfrieds Träumereien.

Orchestertutti durchbrechen teilweise die weihevolle Holzbläser-Stimmung. Das tänzerische Scherzo beginnt lebhaft, ein wahres Charakterstück von Antonin Dvorák. Das Vivace ist ein markant böhmischer, aber fast wienerisch daherkommender Walzer. Immerhin gehörte des Komponisten Heimat Böhmen damals zur habsburgischen KuK-Monarchie mit Wien als politischem, aber auch künstlerischem Mittelpunkt der Welt. Und Johann Strauß hatte erst einige Jahre zuvor „An der schönen blauen Donau“ und viele andere Walzer geschrieben, damit neue Klangwelten eröffnet.

Mit dramatischem Pathos der Celli eröffnet das Schlussallegro, führt zu dunklen Farben mit kurzen helleren Episoden. Das Finale beginnt mit einer drohenden Geste des Orchesters, welche sogleich einen drängenden und fordernden Charakter annimmt. Schier heraldische Klangelemente entstehen. Der triumphalen Höhepunkt des Satzes ist die strettahafte, dramatische und mitreißende Coda.

Eduard Hanslick, der Kritikerpapst im Wien des 19. Jahrhunderts, schrieb über die Siebte und ihren Komponisten: „Naivität heißt der scheinbar so harmlose, in Wahrheit so mächtige Zauber, welcher diesem Komponisten innewohnt. Freuen wir uns, in unserer reflectierten Zeit noch einem naiv empfindenden, fröhlich schaffenden Talent wie Dvorák zu begegnen!“ Wunderbar formuliert.

Die mehr als 80 Musiker und ihr Leiter Burkhard Wolf machten mit differenzierten, auch großtönigen und dramatischen Streicherfiguren, mit charaktervollen Bläsersätzen, mit der ausgewogen gestaffelten Dynamik die Musik zusammen mit der Bratschistin zu einem wunderbaren vormittäglichen Hörerlebnis.

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