Wie sie zum „Trucker Babe“ bei Kabel eins wurde

Lesedauer: 10 Min
Manuela Richter macht bei Doku-Serie über Truck-Fahrerinnen mit
Eigentlich verdient sie ihr Geld als Arzthelferin – seit zwei Jahren fährt Manuela Richter aus Senden aber einmal die Woche LKW für ein Unternehmen in Wennedach im Landkreis Biberach. Ein privater Fernsehsender fand das alles andere als gewöhnlich: Manuela Richter hat deshalb im Herbst mit einem privaten Fernsehsender einige Folgen für eine Dokuserie abgedreht. Darin geht es natürlich um Truck-Fahrerinnen.

Wenn sie in den 40-Tonner steigt, fühlt sie sich wie die Königin der Straßen: Manuela Richter fährt seit zwei Jahren für das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Bernhard Braunger mit Sitz in Wennedach. Damit hat sich die zweifache Mutter aus Senden einen Kindheitstraum erfüllt – und erobert nun auch die Fernsehwelt.

Ihren Führerschein hat Manuela Richter seit vielen Jahren in der Tasche, als sie sich vor zwei Jahren bei Braunger bewirbt. „2009 habe ich durch meinen damaligen Freund beschlossen, ich mache den Führerschein“, erzählt die heute 29-Jährige. Mit dem Gedanken hatte sie seit Längerem gespielt: „Meine Großeltern hatten einen Fuhr- und Baggerbetrieb.“

 Größtenteils ist die Sendnerin mit dem Kieslastwagen auf Straßenbaustellen im Einsatz.
Größtenteils ist die Sendnerin mit dem Kieslastwagen auf Straßenbaustellen im Einsatz. (Foto: Daniel Häfele)

Daher wuchs sie mit Baustellenfahrzeugen auf und war häufig mit ihrem Vater unterwegs – egal, ob das auf Baustellen oder bei Transportfahrten war: „Für mich war früh klar: Ich möchte das machen und selber hinterm Steuer sitzen.“ Bis es soweit war, sollten noch ein paar Jahre vergehen. Auch, weil sie in diesem Zeitraum zweimal Mutter wurde.

Frauen haben geringere Unfallquote

Fuhrparkdisponent Cedric Fischer zögerte nicht lange, Manuela Richter 2017 einzustellen: „Eine Lastwagenfahrerin ist heute kein Thema mehr. Im Gegenteil: Sie erobern die Männerdomäne nach und nach.“ Unterschiede in der Fahrweise gibt es aber: „Frauen haben in der Regel einen geringeren Spritverbrauch und eine geringere Unfallquote.“

 Fuhrparkdisponent Cedric Fischer unterstützt Manuelas Richter Teilnahme am TV-Format „Trucker Babes“.
Fuhrparkdisponent Cedric Fischer unterstützt Manuelas Teilnahme am TV-Format „Trucker Babes“. (Foto: Daniel Häfele)

Vor Kurzem hat er eine zweite Frau eingestellt, im landwirtschaftlichen Bereich sind weitere zwei Frauen beschäftigt. Insgesamt hat der Betrieb 34 Festangestellte und 60 Aushilfskräfte.

Größtenteils ist Manuela Richter mit dem Kieslastwagen auf Straßenbaustellen im Einsatz. „Das Schöne an meinem Job ist die Freiheit – und das Alleinsein“, sagt die zierliche Frau, die regelmäßig ins Fitnessstudio geht. „Klar, muss ich meine Arbeit erledigen. Aber von hier oben herunter zu blicken – man ist wie ein König beziehungsweise wie eine Königin der Straße.“

Tätigkeit als Arzthelferin reduziert

Ihre Tätigkeit als Arzthelferin reduzierte sie dafür, um immer montags mit schwerem Gefährt durch die Region brausen zu können: „Ich bin die ganze Woche über mit Menschen zusammen. Hier im Führerhaus kann ich machen, was ich möchte.“

Ihre Brummi-Leidenschaft spiegelt sich auch in ihrem Instagram-Profil wider. Auf der Plattform veröffentlicht sie immer wieder Fotos von sich und den Stattelzügen. Darauf aufmerksam wurde der private TV-Sender „Kabel eins“. Dieser suchte nach Kandidatinnen für seine Dokureihe „Trucker Babes – 400 PS in Frauenhand“.

 Wenn Manuela Richter hinterm Steuer sitzt, genießt sie die Freiheit und das Alleinsein.
Wenn Manuela Richter hinterm Steuer sitzt, genießt sie die Freiheit und das Alleinsein. (Foto: Daniel Häfele)

„Ich dachte erst, es ist ein Fake und jemand möchte mich vergackeiern.“ Sie schrieb zurück, holte sich das Einverständnis ihres Chefs und schaffte es bald auf die Mattscheibe. Sechs Drehtage hat sie hinter sich gebracht. Ein Fernsehteam begleitete sie auf einer Baustelle im Ulmer Donautal sowie auf mehrtägigen Fahrten nach Italien und Frankreich. Letztere Tour soll im Herbst im TV zu sehen sein.

Natürlich hat man einen gewissen Frauenbonus, den man aber nicht immer will. Manuela Richter

„Die Dreharbeiten waren anstrengend, weil man ja trotzdem seine Arbeit machen muss“, berichtet Manuela Richter. Gerade auf einer Baustelle, wenn Szenen mehrmals gedreht werden, gerate sie schnell unter Zeitdruck: „Der Einblick hinter die Kulissen war aber total interessant und ich sehe jetzt viele Dinge anders.“ Die Mühe hat sich gelohnt – und zwar für Manuala Richter und den Wennedacher Betrieb gleichermaßen.

„Die Zugriffe auf unsere Homepage und Facebookseite sind deutlich gestiegen“, schildert der Fuhrparkdisponent. „Wir haben auch viele Bewerbungen für Praktika oder Festanstellungen bekommen.“ In Zeiten, in denen Berufskraftfahrer rar sind, ist das ein hohes Gut.

Kein alltägliches Familienmodell

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt für Manuela Richter kein unlösbares Problem dar. Ein Arbeitstag dauert gerne auch mal 13 Stunden. „Ich lebe mit dem Papa im Wechselmodell“, schildert die 29-Jährige. Das heißt: Der fünfjährige Sohn und die vierjährige Tochter sind von Sonntagmittag bis Mittwochabend beim Vater, die anderen Tage bei ihr: „So kann sich jeder auf die Arbeit konzentrieren.“

Und sollten Fahrten in der Nacht oder am Wochenende anstehen, darf sie den Nachwuchs mit zur Arbeit bringen. Dann spielen die Kinder ein Spiel, machen ein Nickerchen oder schauen einen Film auf der Liegefläche, während Mama den Lastwagen steuert: „Die Kinder werden damit groß und lieben das. Sie fragen auch immer, wann sie das nächste Mal mit dürfen.“ Wenn die Kinder zu sehr quengeln, holt sie die Oma ab.

Eine größere Herausforderung ist für Manuela Richter da schon die Enge auf den Baustellen, wie sie aus ihrem Alltag berichtet. Manchmal müsste sie mit dem Sattelzug mehrere Kilometer rückwärtsfahren, was nicht immer leicht sei.

Auch in der Feuerwehr aktiv

Hinzukommt, dass sie keinen festen Lastwagen hat: „Ich bin eine Allrounderin. Die Lastwagen sind von unterschiedlichen Herstellern und demnach sind die Knöpfe verschieden angeordnet.“ Ihre vielfältige Einsetzbarkeit schätzt Cedric Fischer.

 Manuela Richter ist 29 Jahre alt und fährt seit zwei Jahren für das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Bernhard Braunger.
Manuela Richter ist 29 Jahre alt und fährt seit zwei Jahren für das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Bernhard Braunger. (Foto: Daniel Häfele)

„Wenn ich auf neue Baustellen komme, muss ich mich total beweisen“, erzählt die Sendnerin, die auch in der Feuerwehr aktiv ist. Ihr Geschlecht sei dann aber kein Thema mehr: „Natürlich hat man einen gewissen Frauenbonus, den man aber nicht immer will.“ Hilfe nimmt sie nur an, wenn es gar nicht mehr anders geht: „Ich will dann schon auch meinen Mann stehen.“

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