Streichquartett überzeugt mit Kammermusik

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Das Sikorski Quartett ist in Ochsenhausen aufgetreten.
Das Sikorski Quartett ist in Ochsenhausen aufgetreten. (Foto: Günter Vogel)
Schwäbische Zeitung
Günter Vogel

Bei einem Konzert im Bibliothekssaal in Ochsenhausen hat das Sikorski Quartett die Besucher begeistert. Zu hören gab es an diesem Abend Mozarts „Mailänder Quartette, KV 155 -160“, ein Streichquartett von Ravel sowie Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ D 810.

Die Geiger Christian Sikorski und Maria Kranzfelder, Sebastian Wohlfahrt mit der Viola und der Cellist Ulf Tischbirek eröffneten mit Mozarts Quartett KV 159, B-Dur. Der damals 17 Jahre alte Mozart hatte auf einer Romreise Station in Südtirol gemacht, schrieb dort sechs Streichquartette, uraufgeführt in Mailand, von der Musikgeschichte zusammengefasst als . Das Andante des KV 159 ist von etwas behäbigem Charakter, erinnert an einen gemütvollen Spaziergang. Das Allegro ist ein beschwingter Dreiertakt von opernhaftem Charakter, stellenweise bürgerlich aufbegehrend, assoziiert stilistisch die großen Ensembles in Mozarts „Figaro“. Die vier Streicherstimmen lassen sich mit Phantasie den Gesangsstimmen – Bass, Bariton, Tenor und Sopran – nachempfinden. Das abschließende Allegro grazioso gefällt mit lockeren tänzerischen Elementen.

Maurice Ravel hat der Nachwelt ein einziges, aber grandioses Streichquartett hinterlassen. Das Werk fasziniert mit vielfältigen Rhythmen wie auch vielen ungewöhnlichen Harmonien. In der damaligen Musikwelt löste das einen Eklat aus. Man warf Ravel vor,er habe gegen tradierte Kompositionsnormen verstoßen. Musikgeschichtlich betrachtet gelang dem 28-jährigen Komponisten allemal ein früher Geniestreich. Ravel orientierte sich bei der Komposition des Quartetts an der Tonsprache von Claude Debussy.

Zum eröffnenden Allegro moderato fordert der Komponist interpretatorisch „sehr süß“. Die Instrumente umschmeicheln sich in vielfarbigen Klangkombinationen mit stellenweise schwebendem Melos. Zum zweiten Satz schreibt Ravel „ziemlich lebendig; sehr rhythmisch“ und er komponiert einen stilvollen Dreiertakt mit häufigen Pizzicati sowie manchmal schwirrenden Klangwolken. Eine ungemein breite Palette an Ausdrucksnuancen führt Geist und Seele der Zuhörer in weite Phantasie-Gefilde.

Zwischen Leben und Tod

Der dritte Satz „sehr langsam“ verfängt mit träumerischen Melodien und harmonischer Mehrdeutigkeit, die Ravels Melodien schillern und changieren lässt. Raffinierte Klangeffekte sind im Lento zu finden. Der schnelle vierte Satz klingt nervig aufgebracht mit Erregungsfaktor. Dieser Ravel reißt mit, regt auf, fasziniert, strengt an. Man kann dieser Musik unterschiedlich begegnen, auf keinen Fall aber gleichgültig.

Abschließend von Franz Schubert das Quartett „Der Tod und das Mädchen“ D 810. Das erste Allegro bringt stellenweise sehr liedhaftes Melos, immer wieder unterbrochen von kantigen Strukturen. Spannungen zwischen Tod und Leben entstehen. Ein Triolemotiv ist ein wichtiges Klangelement.

Das Andante con moto sind Variationen auf die Einleitung zu Schuberts „Der Tod und das Mädchen“. Eine lyrische Cellomelodie wird umrahmt von kurzphrasigen Klangbewegungen der drei anderen Instrumente. Der Satz endet mit feiner Pianokultur. Das Allegro molto des dritten Satzes ist eher ein freundliches Allegretto im Dreivierteltakt. Das Scherzothema ist eher etwas robust, insgesamt besticht es im Lento durch einen zarten und lieblichen Ton. Das sechsachteltaktige Schluss-Presto imaginiert galoppierende Pferde, die ein Bild des Jagens assoziieren. Dazwischen aufblühende Melodiefetzen kommen von der Violine des Primarius. Das von dieser künstlerischen Meisterleistung hingerissene Publikum erklatschte sich die Zugabe das Menuett aus dem g-moll Quartett von Mozart.

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