Stephan Debeur schöpft Möglichkeiten der Gabler-Orgel aus

Stephan Debeur.
Stephan Debeur. (Foto: Ludwig Kibler)
Schwäbische Zeitung

Die Reihe der Sommer-Konzerte in der Basilika St. Georg wurde mit Orgelmusik französischer und deutscher Meister fortgesetzt. Stephan Debeur, Kirchenmusiker an der Basilika in Weingarten, schöpft die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der historischen Gabler-Orgel aus und demonstriert die bedeutende Rolle der Königin der Instrumente mit weltlichen und geistlichen Kompositionen. Das Programm der musikalischen Abendstunde war entsprechend dreigeteilt, jeweils durch ein festliches Stück im Orgelplenum eingeleitet.

Zunächst die feierliche „Fantasia pro Organo“ BWV 573 von Johann Sebastian Bach als Ausgangspunkt für eine Reihe von sieben unterschiedlichen Miniaturen. Debeur verwendet zarte Streicherstimmen in Kombination mit singenden Flötenregistern, bei Wiederholungen gelegentlich durch den Tremulanten oder einen warmen Prinzipalklang angereichert. So erhält jedes Stück seinen individuellen Charakter und für das Publikum eröffnen sich Klangräume. Vielleicht sogar Träume, wie durch den Hinweis im Programmblatt angeregt. Schließlich ertönt die wunderbare „Vox humana“ als Soloregister in der „Sinfonia“ F-Dur, BWV 156. Quasi als Intermezzo wählt Debeur für den zweiten Konzertteil Orgelmusik mit naturalistischen Elementen. Ein kurzes festliches Vorspiel „Praeambulum“ von Justin Heinrich Knecht liefert den erhabenen Auftakt mit überraschenden harmonischen Wendungen. Danach kurze Rufe des legendären Kuckucksregisters der Ochsenhausener Orgel, gefolgt von einem verspielten „Andante“ mit Reminiszenzen an die fallende Terz und einem „Cantabile“ des Biberacher Meisters im galanten Stil. Tänze, Naturlaute und Vogelkonzert dominieren auch bei den unbeschwerten Barockstücken „Les Canaries“ und „Passepied“ des Bach-Zeitgenossen François Couperin.

Liturgische Orgelmusik des vor 50 Jahren verstorbenen französischen Organisten und Komponisten Marcel Dupré (1886-1971) prägen schließlich den dritten Teil des Orgelrecitals. Stephan Debeur stellt fünf Orgelstücke zu einer musikalischen Andacht zusammen: „Entrée“ als zeremoniell schreitender Einzug, „Cortège et Litanie“ mit Glockenzeichen zu Prozession und Gebet, „Souvenir“ als meditative Erinnerung mit verschwimmenden und tremolierenden Klangflächen, ein „Ave Maria“ mit zart zurückhaltender Zungenstimme und ein prägnanter Abschluss „Final“ erneut mit Glockengeläut, Posaunenpedal und nun modernerer Tonsprache. Mit ihren 3333 Pfeifen ist die Gabler-Orgel durchaus für die unterschiedlichste Stilrichtungen geeignet, wenn auch Musik des Barock und der Klassik durch die historische Temperierung besonders farbenreich und klar zur Geltung kommt.

Stephan Debeur wählt angemessene Tempi und spannt große Melodiebögen. Besonders bei wiederholten Abschnitten verwendet er Verzierungen oder transponiert in die Oktave. Schlusswendungen modelliert er plastisch, oft deutlich verlangsamend und gelegentlich mit Decrescendo-Effekt. Durch seine langjährige Erfahrung an der noch größeren Gabler-Orgel in der Basilika Weingarten begegnet er dem Erstlingswerk des Orgelbaumeisters mit historisch informierter Registrierkunst und großer Spielfreude.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen