Spiel als Groteske ist geschickt gewählt

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Für Moritatensänger Jonas Salzer (links) gab es Sonderapplaus bei der Inszenierung der „Dreigroschenoper“ durch die Theater-AG d
Für Moritatensänger Jonas Salzer (links) gab es Sonderapplaus bei der Inszenierung der „Dreigroschenoper“ durch die Theater-AG d (Foto: SZ- Michael Hänssle)
Schwäbische Zeitung
Michael Hänssle

Viel gespielt und doch schwierig umzusetzen ist das Musiktheaterstück „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Simone Fleischmann entschied sich bei ihrer Inszenierung mit der Theater-AG des Ochsenhauser Gymnasiums für Groteske, verstärkt durch beeindruckende Masken und Perücken. Dies entpuppte sich als gute Wahl für das bekannte Bettler- und Gaunerstück, das eigentlich keine fortlaufende Geschichte erzählt, sondern ein Wirtschaftskrisenstück ist, getragen von Gesangsnummern.

Der Harlekin (Katharina Hunger) eröffnete das seltsame Spiel des Lebens mit folgenden Sätzen: „Sie werden jetzt eine Oper hören. Weil diese Oper so prunkvoll gedacht war, wie Bettler sie erträumen.“ Weil sie so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen konnten, heißt sie „Die Dreigroschenoper“, fügte er an.

Sorgen eines Bettlerchefs

Die Handlung kreist um den Existenzkampf zwischen zwei „Geschäftsleuten“, dem Bettelmafiaboss Jonathan Peachum (Fabian Kappler), der Bettler erpresst und sie in seinem Garderobenladen „Bettlers Freund“ mit Armee- und Bademantel so ausstattet, dass sie das Mitleid der Passanten erregen, sowie dem Verbrecher Macheath (Julian Haasis), der über gute Beziehungen zu Polizeichef Brown verfügt. Jonathan Peachum treiben existentielle Sorgen um.

Peachum muss sich nicht nur mit Bettlern herumärgern, die selbstständig und eigenmächtig auf eigene Rechnung unterwegs sind, er muss auch noch feststellen, dass seine Tochter Polly mit dem Gangster Mackie Messer auf und davon ist. Das Duo Polly und Mackie Messer feiert in einem Pferdestall eine schräge Hochzeit mit seltsamen Gästen.

Erkennbar will die Ochsenhauser Inszenierung nicht die Moralkeule über die Schlechtigkeit der Welt schwingen, denn ein rein belehrendes Stück will keiner mehr sehen. In Ochsenhausen werden die kritischen, humorlosen Texte, die sehr stark gekürzt wurden, in einem unterhaltsamen Stück mit tollen Masken vereint, das letztendlich auch zur Parabel auf die Unmöglichkeit der Liebe unter Armen wird. Angeleitet von Simone Fleischmann und der musikalischen Leiterin Verena Stei macht die fein abgestimmte Kombination von Text und Musik die Stärke des Stücks aus. Klavier, Klarinette, Bass und Altsaxofon, Trompete, Schlagzeug und Posaune der acht versierten Musiker sorgen für Drive. Jonas Salzer meistert die Gesangsparts wie etwa die Moritat von Mackie Messer, in der die Untaten des Gaunerbosses vorgestellt werden, gekonnt und souverän. Auf die Frage, ob nicht daran gedacht wurde, alle Sänger mit Headsets auszustatten, da nicht jede Gesangsnummer im hinteren Zuschauerbereich gut zu vernehmen waren, antwortete Simone Fleischmann: „Daran hatten wir nicht gedacht, besonders, weil ja Jonas Salzer gut bei Stimme ist“.

Witzige Einlagen

Wichtiger sei ihr gewesen, das Stück um witzige Anspielungen zu erweitern, etwa beim Ruf der Bettler: „Gier, Bier, weg von hier“ als Hinweis zum angebotenen Pausentrunk oder die Völlerei der Hochzeitsgäste mit Kartonbesteck, das später in die Todeszelle geworfen wird, wo der gejagte Maceath jedermann Abbitte leistet, bis hin zur bestens arrangierter Schlussszene: Kurz vor der Hinrichtung erscheint Polizeipräsident Brown als reitender königlicher Bote und verkündet, dass Maceath begnadigt und Schlossbesitzer wird ...

Sichtlich beeindruckt zeigte sich Rektorin Elke Ray vor der obligatorischen Übergabe von Rosen und kleinen Blumenbouquets an die 18 Akteure und das Helferteam vom kongenialen Zusammenspiel Kunst, Maske und Theater. Sie attestierte allen Jungschauspielern, mit passenden Gesten und Körperspannung ein echtes Gesamtkunstwerk erarbeitet zu haben.

Dernière der „Dreigroschenoper“ ist heute, Samstag, ab 19.30 Uhr im Kellerfoyer des Ochsenhauser Gymnasiums. Karten gibt es an der Abendkasse.

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