Scandali bietet Programm mit reizvollen Kontrasten

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Luca Scandali unterrichtet Orgel und Komposition am Konservatorium in Peruga. In Ochsenhausen gab er ein Konzert.
Luca Scandali unterrichtet Orgel und Komposition am Konservatorium in Peruga. In Ochsenhausen gab er ein Konzert. (Foto: Gerhard Trüg)
Gerhard Trüg

Beim Musiksommer in Ochsenhausen konnten die zahlreichen Zuhörer am Freitagabend einmal mehr den bekannten italienischen Organisten Luca Scandali aus Perugia hören. Dort unterrichtet er Orgel und Komposition am Konservatorium. Das Konzert war Teil von ISAM, der „International Summer Academy of Music.

Scandali hat sein Konzertprogramm mit Werken von deutschen und italienischen Komponisten zusammengestellt, die einen reizvollen Kontrast boten. Da durfte natürlich Johann Sebastian Bach nicht fehlen, dessen imposantes Orgelschaffen mit drei Werken vertreten war. Als erstes Vortragsstück wählte der Organist „Präludium und Fuge in C-Dur, BWV 545“ aus. Das Präludium ist ein Musterbeispiel Bach’ scher Orgelkunst und zeigt gleich zu Beginn mit tiefen Pedaltönen und ausgehaltenen Orgelpunkten, wie Orgelmusik nördlich der Alpen klingt.

Als Bindeglied zwischen den Musikkulturen Deutschlands und Italiens, hörte man „Fuge über ein Thema von Corelli, BWV 579“. Bach macht bei diesem Stück einen Ausflug nach Italien, obwohl er, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Komponisten, Italien nie besucht hat. Er beschäftigte sich trotzdem intensiv mit Kompositionen von Arcangelo Corelli und Antonio Vivaldi, und so ist es nicht verwunderlich, dass dieses Stück ganz leicht und locker daherkommt, spielerisch mit durchgeführten Verzierungen, italienisches Flair versprühend, in deutlichem Kontrast zum ersten Stück.

Anstelle des im Programm abgedruckten „Konzert für Orgel d-Moll BWV 596“, der Transkription eines Streicherkonzerts von Antonio Vivaldi, hörten die Besucher die „Dorische Toccata und Fuge“. Besonders die Toccata ist mit ihren tiefen Pedaltönen und den großartigen und raumfüllenden Schlussklängen ein großartiges Stück, das ebenso großartig von seinem Interpreten Scandali gespielt wurde. Zur Kontrastbildung des Gesamtprogramms wäre allerdings die ursprünglich vorgesehene Vivaldi-Transkription interessant und belebend gewesen.

Mit dem Vivace aus der „Großen Orgelsonate in C“, von Justin Heinrich Knecht, folgte ein Stück aus der klassischen Epoche, das wieder stark zum Vorangegangenen kontrastierte: Differenzierte Registrierung mit Schalmeienklängen, anmutige Vorhaltsbildungen beim Thema und einfache Begleitstimmen prägten das Stück.

Ähnliches lässt sich über die „Sonate in C“ des Italieners de Bergamo (1791-1863) sagen, die mit flötenartigen Farbeffekten und kontrastierenden Fanfarenklängen überzeugte.

Werk eine Art Hommagean Bach

Vom Italiener Vincenzo Petrali (1830-1889) kam das sehr ruhig gespielte, kontemplative Klangstück „Elevazione in As“ zu Gehör. Mit ebenfalls drei Stücken war Felix Mendelssohn-Bartholdy vertreten: „Präludium c-Moll“, „Allegro d-Moll“(1844) und „Trio für Orgel F-Dur“ (1844). Mendelssohn hat sich bekanntermaßen intensiv mit der Musik Johann Sebastian Bachs beschäftigt und diese wiederbelebt. Sein großartiges Allegro nimmt den Bach’schen Orgelstil auf und verneigt sich mit dem choralartigen Schluss als einer Art Hommage vor dem Meister Bach.

Von August Gottfried Ritter (1811-1885), dem Domorganisten am Magdeburger Dom, erklang am Schluss die „Sonate für Orgel Nr.2 e-Moll, Op.19“ mit sechs ineinander übergehenden Sätzen.

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