Querstehender Sattelzug ärgert Autofahrer

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Fast zwei Stunden ging nichts mehr: Ein Lastwagen hat sich in der Ochsenhauser Innenstadt festgefahren.
Fast zwei Stunden ging nichts mehr: Ein Lastwagen hat sich in der Ochsenhauser Innenstadt festgefahren. (Foto: Tobias Rehm)

Die Verkehrssituation in Ochsenhausen ist wegen der Kreiselbaustelle im Zentrum angespannt. Wagt sich ein 40-Tonner trotz mehrerer Umleitungsschilder in die Innenstadt, wird aus dieser Anspannung schnell ein Kollaps. So geschehen am Freitag. Ein Sattelschlepper hatte sich beim Abbiegen dermaßen festgefahren, dass fast zwei Stunden lang nichts mehr ging.

Gegen 17.45 Uhr am Freitag rollt ein Sattelschlepper mit ausländischem Kennzeichen über den Marktplatz. An der Kreuzung versucht er nach links in die Bahnhofstraße einzubiegen. Der Lastwagen zu lang, die Kreuzung zu eng – eine Kombination, die den Verkehr bis etwa 19.30 Uhr zum Erliegen bringt. Auch die Polizei ist im Einsatz. „Der Auflieger hatte sich an einem Pfosten verhangen“, erläutert die Sprecherin des Polizeipräsidiums Ulm, Claudia Kappeler, auf SZ-Nachfrage am Montag. Rangierversuche scheitern, Verkehrszeichen und Pfosten werden beschädigt. Ein städtischer Mitarbeiter habe den im Weg stehenden Pfosten schließlich entfernt, woraufhin der Lastwagen weiterfahren konnte, so Kappeler. Die Polizisten verwarnten den Fahrer wegen falschen Rangierens: „Wer sich nicht an die Umleitung hält, muss mit Konsequenzen rechnen.“

Genaue Zahlen, wie oft sich Lastwagen seit Beginn der Kreiselbaustelle Ende März festgefahren haben, gibt es nicht. Aber: „Es kommt hin und wieder vor“, sagt Kappeler. Manche Fahrer hielten sich nicht an die offizielle Umleitung und vertrauten blind dem Navigationsgerät. Eigentlich sollte der überörtliche Verkehr von Erlenmoos kommend auf Höhe Südpack in die Brühlstraße einbiegen. Über Hattenburg und Mittelbuch geht es dann nach Ringschnait. Für den Gegenverkehr, also von Ringschnait kommend, verläuft die Umleitung über Mittelbuch und Rottum. Der Verkehr von und nach Laupheim wird über Laubach, Edelbeuren, Gutenzell und Hürbel umgeleitet. In den meisten Fällen funktioniert das, aber eben nicht immer.

„Wir haben immer wieder das Problem, dass Sattelschlepper in die Stadt hineinfahren“, sagt Ulrike Bosch von der Stadtverwaltung. Das Problem: die Straßen im Zentrum, abseits der B-312-Ortsdurchfahrt, sind dafür zu schmal. „Die Situation hat sich verschärft, seitdem die Ortsdurchfahrt von Erlenmoos wieder offen ist“, so Bosch. Bis dahin galt eine großräumigere Umleitung. So ein Fall wie am Freitagabend sei extrem, aber nicht die Regel, so Bosch. Jedoch könnten schon die kleinsten Behinderungen auf der innerörtlichen Umleitung große Folgen haben: „Gerade zu den Stoßzeiten am Morgen und Abend staut es sich schnell.“

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass ein Bild des querstehenden Lastwagens auf der Facebook-Seite der „Schwäbischen Zeitung Biberach“ manchen Nutzer auf die Palme brachte. „War grad voll drin. Diese Spackos ... warum wohl steht da Umleitung?“, schrieb ein Mann. Ein anderer verteidigte den Fahrer: „Vielleicht sollte man sich mal Gedanken machen, in größeren Städten, wo internationaler Verkehr herrscht, gewisse Beschilderungen in einer zweiten Sprache (Englisch) aufzustellen.“

Notwendig sind englischsprachige Schilder indes nicht, wie es von Landratsamt und Stadtverwaltung heißt. „Die Beschilderung ist auf Deutsch, weil unsere Amtssprache Deutsch ist“, erläutert der Sprecher des Landratsamts, Bernd Schwarzendorfer. Dies sei gesetzlich so geregelt und davon könne man auch nicht abweichen. Darüber hinaus müssten Fahrer auch ohne Deutschkenntnisse die Schilder verstehen, weil deren Optik in der ganzen EU ähnlich sei, so Bosch. „Außerdem ignorieren auch Lastwagenfahrer mit deutschen Kennzeichen die Schilder.“

Zur Wahrheit gehört auch, dass nicht ausschließlich Lastwagenfahrer der Grund für Komplikationen sind. Das zeigt ebenfalls ein Beispiel von Freitag. Laut Polizei fuhr gegen 14.30 Uhr ein Autofahrer auf der Schlossstraße. Da er die Umleitungsschilder an der Abzweigung zur Bahnhofstraße zu spät erkannte, setzte er kurzerhand zurück. Dabei rammte er ein Verkehrszeichen. Aufatmen können Verkehrsteilnehmer ab Winter. Bis dahin soll der Kreiselbau fertig sein.

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