Pöllner spielt geistliche und weltliche Orgelmusik

 Maximilian Pöllner ist Chordirektor und Dekanatskirchenmusiker in der Stadtpfarrkirche St. Josef in Memmingen.
Maximilian Pöllner ist Chordirektor und Dekanatskirchenmusiker in der Stadtpfarrkirche St. Josef in Memmingen. (Foto: Ludwig Kibler)
Schwäbische Zeitung

Maximilian Pöllner spielte das dritte Orgelkonzert in der gemeinsam von der Kirchengemeinde St. Georg und der Landesmusikakademie veranstalteten Sommerreihe. Der gebürtige Traunsteiner ist Preisträger verschiedener Improvisationswettbewerbe und nach kirchenmusikalischen Tätigkeiten an den Domen zu Passau, Regensburg und Eichstätt seit 2016 Kirchenmusiker an der Stadtpfarrkirche St. Josef in Memmingen.

An der viermanualigen, historischen Orgel von Joseph Gabler (1700-1771) in der Basilika Ochsenhausen bietet er kunstvolle Orgelmusik vom Barock bis in die Moderne, jeweils am Beispiel dreier charakteristischer Werke. Pöllner verbindet geistliche und weltliche Musik, kombiniert Orgelliteratur mit Improvisation und setzt erfrischende Kontraste durch unterschiedliche musikalische Ausdrucksformen. Natürlich erklingt die Gabler-Orgel bei Georg Muffat und Justin Heinrich Knecht authentisch, aber auch überraschend farbig bei Werken der Romantik und in moderner Tonsprache. Wo die Klaviatur nicht ausreicht, transponiert Pöllner geschickt in die untere Oktave. Er gestaltet mit einem hohen Maß an Differenziertheit in Artikulation, Agogik und Ornamentik, wichtige Parameter für Musik als Klangrede. Die dritte Toccata von Georg Muffat aus „Apparatus musico-organisticus“ steht deutlich in der Tradition Girolamo Frescobaldis mit kurzen Abschnitten auf unterschiedlich registrierten Manualen und den typischen langen Trillern, oft durch lombardischen Rhythmus (kurz-lang) vorbereitet. Ein ähnliches Seufzer-Motiv verwendet Johann Sebastian Bach in seiner Adagio-Fassung des Orgelchorals „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, BWV 662 aus der berühmten Sammlung der „Achtzehn Leipziger Choräle“. Dieses kontrapunktische Meisterwerk interpretiert Pöllner mit verhaltenen, aber schön herausgearbeiteten Mittelstimmen und dem reich verzierten Cantus firmus im Sopran mit Aliquotregister. Helle Klangfarben wählt der Organist beim ebenfalls polyphonen Trio d-moll von Bachs Lieblingsschüler Johann Ludwig Krebs: „Das ist der beste Krebs in meinem Bache“. Fröhlichkeit und Verspieltheit dominieren in den beiden Terzetten und in der „Großen Orgelsonate C-Dur für Geübtere“ aus der „Vollständigen Orgelschule“ von 1795-1798 des Biberachers Justin Heinrich Knecht. Für die verschiedenen Flötenchöre und raschen Wechsel zwischen Plenum und Echowerk ist die Gabler-Orgel geradezu prädestiniert, am Schluss von Pöllner geschickt gekrönt mit dem Glockenspielregister „Carillon“. Für seine dreisätzige Sonate improvisiert Maximilian Pöllner über die drei Strophen des Gotteslobliedes „O Maria, sei gegrüßt“ mit der zeitlosen Melodie aus dem 16. Jahrhundert. Die motivische Arbeit des ersten Satzes in Moll entwickelt sich in groß angelegtem Crescendo bis hin zum mystischen Schlussakkord ohne Terz. In Dur dann ein langsamer, ruhiger Satz mit von Streicherstimmer begleitetem Cantus firmus und silbrigen Akkordarabesken im Staccato, gefolgt von einer temperamentvollen Toccata mit schnellen Triolen und Synkopen in die Haupttonart zurückkehrend.

Das Intermezzo aus der vierten Orgelsonate von Josef Gabriel Rheinberger in seiner dreiteiligen Liedform gestaltet Pöllner als flüssiges Andantino in sauberem Legato und einem F-Dur-Schluss im feinsten Pianissimo. Auch die „Ballade en Mode Phrygien“ von Jehan Alain (1911-1940) ist dreiteilig. Ein schlichter Choral wird umrahmt von zweistimmigen Linien, wobei die phrygische Kirchentonart und der gregorianische Choral als historische Vorbilder für eine freie, natürliche Ausdrucksform weiterentwickelt werden. Völlig anders ist die Musik des französischen Organisten und Komponisten Louis James Alfred Lefébure-Wély.

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